Berlin "Wir bitten dann bei der Feuerwehr darum, nicht mehr von Rettungswagen mit Gebärenden angefahren zu werden."

  • Wie an vielen Orten in D, Hebammenmangel und kein freier Kreißsaal zur Verfügung:


    https://www.rbb-online.de/poli…rtskliniken-vivantes.html

    "Frauen, die geboren haben und Hebammen, die Geburten begleiten, sind diejenigen, die uns am meisten über Geburt zu sagen haben.
    Gleichzeitig sind sie aber auch diejenigen, die am wenigsten gehört werden."
    Oja Ploil, Soziologin (1991)
    ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

  • Und die Berichte von ungeplant Alleingebärenden, ob im Kreißsaal, zuhause oder auf dem Weg dazwischen, häufen sich...Eine katastrophale Entwicklung.

    "Alle Menschen müssen sterben", meinte Boileau einst am Hofe Ludwigs XIV.
    Als der Sonnenkönig ihn darauf scharf ansah, korrigierte sich
    Boileau sofort: "Fast alle Menschen, Sire, fast alle!"

    Einmal editiert, zuletzt von Keksi ()

  • Und die Berichte von ungeplant Alleingebärenden, ob im Kreißsaal, zuhause oder auf dem Weg dazwischen, häufen sich... Und eine katastrophale Entwicklung.


    Mir ist bekannt, dass immer mehr Frauen geplant alleine ihre Kinder bekommen, da sie keine Hebamme mehr finden und eine Klinikgeburt (häufig nach Gewalt im Kreißsaal) nicht in Frage kommt. Ich persönlich sehe diese Entwicklung mit sehr viel Bauchschmerzen, kann sie aber vollkommen verstehen und nachvollziehen.

    "Frauen, die geboren haben und Hebammen, die Geburten begleiten, sind diejenigen, die uns am meisten über Geburt zu sagen haben.
    Gleichzeitig sind sie aber auch diejenigen, die am wenigsten gehört werden."
    Oja Ploil, Soziologin (1991)
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  • "häufig nach Gewalt im Kreissaal"?


    Gibt's da ne Quelle zu?
    Oder eine Erklärung?



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  • Nur als kleine Info :
    http://www.berliner-zeitung.de…n-randphaenomen--25145552

    Dazu gibt es noch folgendes Buch: Gewalt unter der Geburt von Christina Mundlos.

    "Frauen, die geboren haben und Hebammen, die Geburten begleiten, sind diejenigen, die uns am meisten über Geburt zu sagen haben.
    Gleichzeitig sind sie aber auch diejenigen, die am wenigsten gehört werden."
    Oja Ploil, Soziologin (1991)
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  • Nur als kleine Info :
    http://www.berliner-zeitung.de…n-randphaenomen--25145552

    Dazu gibt es noch folgendes Buch: Gewalt unter der Geburt von Christina Mundlos.



    Ah, hochwissenschaftliche Literatur....


    (Nicht falsch vestehen: Es gibt Gewalt an Gebährenden, aber das ist unabhängig davon, wo die Geburt stattfindet. Das wieder nur den Kliniken anzulasten, ist nicht zielführend, genauso wenig die reisserische Anpranger der beiden Autorinnen, die beide Anstelle von Zahlen Einzelberichte und Emotionen zur Grundlage ihrer Aussagen machen, und damit ihrerseits werdende Mütter verunsichern und damit diese auch in gewisser Weise "Gewalt" aussetzen. Aber was macht man nicht alles, damit die Aufflage ser eigenrn Bücher stimmt.)

    "We are the Pilgrims, master; we shall go
    Always a little further: it may be
    Beyond that last blue mountain barred with snow,
    Across that angry or that glimmering sea,


    White on a throne or guarded in a cave
    There lives a prophet who can understand
    Why men were born: but surely we are brave,
    Who take the Golden Road to Samarkand."


    James Elroy Flecker

  • Und woher genau kommt der Hebammen Mangel?


    Das Versucherungsproblem besteht ja nur bei Selbstständigen, nicht bei Angestellten.



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  • Ich könnte mir vorstellen, dass ähnliche Gründe bei Klinik-Hebammen vorhanden sind, wie diese bei Pflegekräften vorzufinden sind. Der Beruf ist nicht attraktiv. Auch sind die Ausbildungsstellen sehr gering, wenn man diese einmal mit der in der Pflege vergleicht.

  • Falls jemand sich mit der Thematik der Gewalt unter der Geburt weiter befassen möchte:
    Zitat:
    Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) handelt es sich dabei um:


    „Körperliche Misshandlung, tiefe Demütigung und verbale Beleidigung, aufgezwungene oder ohne ausdrückliche Einwilligung vorgenommene medizinische Eingriffe, Missachtung der Schweigepflicht, Nichteinhaltung der Einholung einer vollumfänglich informierten Einverständniserklärung, Verweigerung der Schmerzbehandlung, grobe Verletzung der Intimsphäre…“


    https://www.hebammenblog.de/ge…lfe-roses-revolution-day/
    http://www.gerechte-geburt.de/home/roses-revolution/
    Zitat :
    Gewalt gegen Frauen ist auch, ...

    sie unter Wehen gegen ihren Willen zum Stillliegen zu zwingen.
    unter Wehen wieder und wieder nach dem Muttermund zu tasten.
    ihnen zu sagen: "Wenn Sie jetzt nicht mitarbeiten, dann stirbt Ihr Baby!".
    sie unter Geburt allein zu lassen oder ihnen zu sagen, sie sollen gefälligst still sein.
    die Geburtspostion (z.B. liegend auf dem Bett mit festgeschnallten Beinen) vorzuschreiben.
    ihnen ohne ihr Einverständnis und ohne medizinische Notwendigkeit einen Dammschnitt zuzufügen
    bei Ihnen ohne medizinische Notwendigkeit einen Kaiserschnitt zu machen.
    ...

    "Alle Menschen müssen sterben", meinte Boileau einst am Hofe Ludwigs XIV.
    Als der Sonnenkönig ihn darauf scharf ansah, korrigierte sich
    Boileau sofort: "Fast alle Menschen, Sire, fast alle!"


  • Laut Aussage einer befreundeten Hebamme, liegt es einfach daran, das sie sich die Haftpflichtversicherungsbeiträge nicht leisten können.
    Und um etwaigen Regressforderungen aus dem Weg zu gehen, stellen einige freie Hebammen die Geburtsdurchführung ein und machen
    nur noch Vor- und Nachbereitung.


  • Laut Aussage einer befreundeten Hebamme, liegt es einfach daran, das sie sich die Haftpflichtversicherungsbeiträge nicht leisten können.
    Und um etwaigen Regressforderungen aus dem Weg zu gehen, stellen einige freie Hebammen die Geburtsdurchführung ein und machen
    nur noch Vor- und Nachbereitung.


    Wie Mike schon sagte, betrifft das nur die selbstständigen Hebammen. Und auch nur die, die auch (Haus-) Geburten anbieten. Im Angestelltenverhältnis, wie in einem Krankenhaus, Beleghebammen ausgenommen, besteht dieses Problem nicht. Aber auch da herrscht ein Mangel an Fachkräften; den Hebammen.


    Wie ich oben schon sagte, vermute ich (auch), dass der Beruf nicht besonders attraktiv ist, ähnlich der Pflegeberufe. SeraNRÜ kann sicher mehr erzählen, wie sich das mit der Anzahl der Auszubildenen verhält. Ich bin mir sicher, dass die Anzahl der Hebammen-Azubis deutlich geringer (im Verhältnis) ist, wie diese der Pflegeschüler (im Verhältnis). Auch verändert sich in naher Zukunft die Ausbildung der Hebammen (zukünftig B.Sc.-Studium), so dass der zurzeit der leichte Anstieg der Geburtenrate, die fehlende Attraktivität des Berufes und die Veränderungen in der Berufsausbildung zu ähnlichen (oder gleichen) Problemen wie im Rettungsdienst führen wird. Auch hier gibt es ein Attraktivitätsproblem, sowie wurde auch die Ausbildung vor einiger Zeit verändert. Hier hat jede Rettungswache Personalmangel. Das geht von 5 bis hin zu 15 unbesetzten Stellen pro Wache. Und ähnliche Meldungen haben wir, auch hier (im Thread zu den Krankenhäusern in Hannover), auch schon öfters gelesen (Kreißsäle der DIAKOVERE Häuser, Schließungen im Klinikumverbund, usw.).


    Gruß

    *** So was kommt von so was... ***

    Einmal editiert, zuletzt von Harris NRÜ ()

  • Was macht den Beruf der Hebamme im Angestelltenverhältnis so unattraktiv? Bezahlung?

    “When I was a boy and I would see scary things in the news, my mother would say to me, "Look for the helpers. You will always find people who are helping.”


    • Fred Rogers

  • Vermutlich die gleichen Gründe, die jedes Angestelltenverhältnis unattraktiv machen:


    - schlechtere Bezahlung
    - Chef vor der Nase
    - inkompetente Vorgesetzte
    - nervige Kollegen
    - keine freie Zeiteinteilung
    - Urlaubsplanung mit Rücksichtnahme auf andere Kollegen
    - Verfahrensbeschreibungen und QM-Vorgaben


    Natürlich trifft nicht jeder Grund auf jeden Einzelfall zu.

  • Was macht den Beruf der Hebamme im Angestelltenverhältnis so unattraktiv? Bezahlung?



    Ich gehe davon aus, dass das wie überall im Gesundheitswesen die gleichen Gründe sein werden: Die Arbeitsbedingungen. Also Arbeitszeiten, Arbeitsanfall, Entgelt, Vorgesetzte, usw. Ich höre ja regelmäßig von meiner Frau, was für ein Stress im Kreissaal für die Hebammen so täglich anfällt. Und zu meiner Zeit in der Pflege, so mehr als 20 Jahren, war der Arbeitsanfall schon hoch. Heute arbeiten die Pflegemädels und -jungs mit noch weniger Personal. Da haben wir Retter es deutlich besser. Auch ich fand die Pflege im Bereich der normalen Pflegestationen als zu unattraktiv.


    Nach einer dreijährigen Ausbildung, mit der Verantwortung und auch Arbeitsbelastung dann 1700 Euro Netto Entgelt als Anfänger zu bekommen, dass man nach knapp 20 Jahren auch knapp über 2000 Euro Netto bringt, ist nicht besonders attraktiv. Auch die Stufenentwicklungszeiten im öffentlichen Dienst sind ganz großer Mist! Ein Hauptschüler mit Schlosserausbildung, der den ganzen lieben langen Tag stupide Schrauben auf immer die gleiche Art und Weise irgendwo am Fließband in einen Gegenstand rein schraubt, geht mit 1000 Euro netto mehr nach Hause (wenn das mal reicht). Die Verhältnisse stimmen da nicht, wie ich finde. Auch die neue Entgeltgruppenordnung im öD hat nicht die Erwartungen erfüllt, in die die Angestellten ihre Hoffnung mehr als 15 Jahre gesteckt haben. Natürlich ist Geld nicht alles. Auch die Arbeitsbedingungen rund herum sind im Gesundheitswesen nicht besonders schön. Wir Retter bekommen vom Kreißsaal und von der Pflegestation regelhaft nicht besonders viel mit, wie der Arbeitsalltag dort ist. Aber wir wissen oft genug nur zu gut, wie es in den Notaufnahmen zu geht. Die größte Entlastung wäre hier den Personalschlüssel deutlich anzuheben, um die Arbeitsbelastung zu reduzieren.


    Gruß

  • Da wir ja min. eine Frau vom Fach im Thema haben, wie sieht es den mit der Anzahl der männlichen Mitschüler aus ?
    Wir hatte hier ja mal nen Videobeitrag wo tatsächlich ein Entbindungspfleger begleitet wurde. Vor ~15 Jahren konnte man das als Kerl knicken nen Ausbildungsplatz als Entbindungspfleger zu finden.

  • Da ich diese Frau kenne, kann ich Dir schon sagen, dass die Zahlen erschreckend sein werden.

  • Inwiefern könnte auch eine andere Anspruchshaltung von werdenden Müttern eine Rolle spielen?



    Die Zahl möglicher Entbindungsmethoden hat sich vergrössert.
    Kreißsäle müssen heute "Ambiente" anbieten.
    Regelhaft werden gehäuft Besichtigungstouren unternommen.



    Alles in Ordnung; in der Rolle des werdenden Vaters würde ich wohl ebenso handeln.
    (Ein befreundetes Paar aus dem RD/Hiorg-Bereich hat extra eine Geburtsklinik ausserhalb des erweiterten RD-Bereichs gewählt, um unvoreingenommen das Ereignis anzugehen....)



    Aber es bringt auch zusätzliche Belastungen für das Personal...

    raphael-wiesbaden


    Artikel 1
    (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.


    Selig sind die geistig Armen - nur: kann der Himmel die ganzen Seligen auch wirklich aufnehmen ?

    Einmal editiert, zuletzt von raphael-wiesbaden ()

  • Da wir ja min. eine Frau vom Fach im Thema haben, wie sieht es den mit der Anzahl der männlichen Mitschüler aus ?
    Wir hatte hier ja mal nen Videobeitrag wo tatsächlich ein Entbindungspfleger begleitet wurde. Vor ~15 Jahren konnte man das als Kerl knicken nen Ausbildungsplatz als Entbindungspfleger zu finden.

    Ich habe keinen einzigen Mitschüler im Kurs, der im Oktober startende wohl auch nicht.
    Hannover hat einen Entbindungspfleger, in ganz D gibt es wenn ich es richtig im Kopf habe nur 6 Entbindungspfleger.

    "Frauen, die geboren haben und Hebammen, die Geburten begleiten, sind diejenigen, die uns am meisten über Geburt zu sagen haben.
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    Oja Ploil, Soziologin (1991)
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  • Danke fürs Feedback, wäre halt die Frage ob es keine Interessenten gibt oder Jungs/Männer pauschal weiterhin abgelehnt werden.

    Für Oktober 2017 gab es keinen männlichen Bewerber.

    "Frauen, die geboren haben und Hebammen, die Geburten begleiten, sind diejenigen, die uns am meisten über Geburt zu sagen haben.
    Gleichzeitig sind sie aber auch diejenigen, die am wenigsten gehört werden."
    Oja Ploil, Soziologin (1991)
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