Berlin "Wir bitten dann bei der Feuerwehr darum, nicht mehr von Rettungswagen mit Gebärenden angefahren zu werden."

  • Auch die Arbeitsbedingungen rund herum sind im Gesundheitswesen nicht besonders schön. Wir Retter bekommen vom Kreißsaal und von der Pflegestation regelhaft nicht besonders viel mit, wie der Arbeitsalltag dort ist. Aber wir wissen oft genug nur zu gut, wie es in den Notaufnahmen zu geht. Die größte Entlastung wäre hier den Personalschlüssel deutlich anzuheben, um die Arbeitsbelastung zu reduzieren.

    Ich hatte vor knapp zwei Jahren Gelegenheit, Einblick in eine solche Pflegestation mit angeschlossenen Perinatalzentrum zu bekommen. Das Ergebnis war erschreckend. Das Personal war stets bemüht aber letztendlich zahlenmäßig unterlegen. Nachts waren 1 Krankenschweser + Schülerin und 1 Hebamme für eine Station zuständig. Es ist kein Wunder das dieses Haus später in die Negativschlagzeilen gerutscht ist.

    Hannover hat einen Entbindungspfleger, in ganz D gibt es wenn ich es richtig im Kopf habe nur 6 Entbindungspfleger.

    Das ist die Zahl, die mir damals auch unsere Hebamme nannte. Gründe dafür wusste sie aber nicht.

  • Ich habe keinen einzigen Mitschüler im Kurs, der im Oktober startende wohl auch nicht.
    Hannover hat einen Entbindungspfleger, in ganz D gibt es wenn ich es richtig im Kopf habe nur 6 Entbindungspfleger.


    Nee, sind mittlerweile mehr, da man eine gegenwärtig einige Mitarbeiter aus Spanien und Italien nach .de geholt hat. Alleine in BaWü sind es afaik mittlerweile 4-5.

  • Hast Du eine Quelle dafür? Denn der Artikel, dass der Entbindungspfleger aus Hannover der sechste in Deutschland ist, ist erst einige Wochen/Monate alt.


    Edit:


    Zitat

    Das ist Hannovers erste männliche Hebamme


    Milco Messina kommt aus Italien und ist einer von sechs Männern in Deutschland, die als Entbindungspfleger arbeiten. Für den 29-jährigen Sizilianer aus dem Henriettenstift ist sein Beruf eine Mission.

    Quelle: HAZ vom 02.05.2017

    *** So was kommt von so was... ***

    Einmal editiert, zuletzt von Harris NRÜ ()

  • In Laachen kenne ich auch einen holländischen Entbindungspfleger. Der ist aber nun Rettungssanitäter und Ausbilder



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    Ich habe einen ganz einfachen Geschmack - ich bin stets mit dem Besten zufrieden.
    Oscar Wilde, irischer Schriftsteller, 1854 - 1900


    Ich prüfe jedes Angebot. Es könnte das Angebot meines Lebens sein.
    Henry Ford 1863 - 1947

  • Das ist die Zahl, die mir damals auch unsere Hebamme nannte. Gründe dafür wusste sie aber nicht.


    Weil die ersten Auszubildenden zum Entbindungspfleger ganz einfach von den Platzhirschen Platzrehen weggemobbt worden sind.

  • Weil die ersten Auszubildenden zum Entbindungspfleger ganz einfach von den Platzhirschen Platzrehen weggemobbt worden sind.


    Ich glaube aber, dass das nicht so einfach ist. Ich denke (oder bin mir auch fast sicher), dass auch die gebährenden Frauen nicht so begeistert davon sind von einem Entbindungspfleger entbunden zu werden. Das ist zwar irgendwo Diskriminierung, jedoch kann ich die Motivation der Gebährenden dahinter verstehen, da diese sich in einem intimen, vielleicht auch verletzlichen Moment (z.B. durch bestimmte Lagerungen) einem Mann öffnen müssen. Auch kann ich mir vorstellen, dass gerade Hebammen, die schon selbst Kinder haben, sich in die Gebährende besser einfühlen können. Schade finde ich es aus männlicher Sicht aber trotzdem. Vielleicht ist es gesellschaftlich noch nicht gewollt.

  • Vielleicht ist es gesellschaftlich noch nicht gewollt.


    Mag sein, dass das auch eine Rolle spielt. Andererseits ist bei meinem Praktikum im Kreisssaal jede Gebärende gefragt worden, ob es in Ordnung wäre, wenn ein Auszubildender anwesend wäre und keine Befragte hat etwas dagegen gehabt. Vielleicht vermuten wir das einfach.

  • Eigentlich verstehe ich die Disskusion um Entbindungspfleger nicht:


    Es gibt eine ganze Menge männlicher Gynäkologen, die durchaus intime Bereiche der Frau sehen, behandeln und anscheinend keine Schwierigkeiten haben ihren Patientenstamm zu generieren (im Gegenteil, neu zugezogen warte ich als Frau ziemlich lange auf einen Termin).


    Bei uns in der Uniklinik laufen so viele Menschen bei den Geburten rein und raus, dass dort das Geschlecht auch keine Rolle spielt.


    Oder wie eine Freundin formuliert: "Eine Geburt tut so scheiß weh, dass es egal ist, wer dabei ist." Wichtiger ist ihrer Meinung nach, dass der Mensch, welcher die Geburt begleitet, mit der Gebärenden auf einer Wellenlänge ist und die zukünftige Mutter sich gut aufgehoben fühlt.

  • Hast Du eine Quelle dafür? Denn der Artikel, dass der Entbindungspfleger aus Hannover der sechste in Deutschland ist, ist erst einige Wochen/Monate alt.


    Edit:


    Quelle: HAZ vom 02.05.2017


    Gab es neulich mal ne SWR Doku dazu - Die Uni Tübingen ist da wohl irgendwie mit dran beteiligt.


    Um zum Ursprungsthema zurück zu kommen:
    Ich habe ja durchaus eine Weile mit dem Gedanken gespielt Entbindungspfleger zu werden - es dann damals aber aufgegeben, da ich nach der 12ten Absage keinen Bock mehr hatte. Grund war immer mehr oder minder das Geschlecht.


    Aber egal: Ich habe nachher ein längeres (2,5 Monate) Praktikum in allen Bereichen der Geburtshilfe gemacht(*hust* ich musste mir dafür aber erst ne Hebamme als Freundin suchen), inkl. einiger "selbstgeleiteter" Geburten unter Aufsicht. Es sind tatsächlich viel viel weniger Vorurteile da als man gemeinhin denkt - Genau im Gegenteil, ich hatte Mütter die mir sogar noch während der Geburt versuchten die Erfahrung ihres letzten beiden Geburten "mitzugeben". "Der Junge muss das draußen ja mal wissen".
    In der ganzen Zeit hatte ich nur eine einzige Patientin die mich nicht dabei wollte - die wollte aber auch kein CTG im Kreissaal, nur die Chefärztin und überhaupt nur positive linksdrehende Energiestrahlen.


    Nach mittlerweile einer zweistelligen Anzahl an Geburten auf drei Kontinenten im RD will ich das ehrlich gesagt nicht mehr missen - Es entspannt sehr.
    (Nur als der Sohnemann kam war ich gefühlt sehr gestresst - Sah die Hebamme aber auch anders :D )

  • Es gibt ja auch viele Frauen, die bewusst zu einem männlichen Gynäkologen gehen, als zu einer Gynäkologin, von daher glaube ich, dass es in unserem Kulturkreis mit deutlich weniger Problemen behaftet ist, als man denkt.
    Allerdings gibt es durchaus andere Kulturkreise, wo dem nicht so ist - und es gibt sicherlich auch einen Teil der Frauen aus unserem Bereich, die auch eine weibliche Hebamme wünschen. Probleme mit einem Entbindungspfleger sehe ich von daher eher in kleineren Einrichtungen, in denen nur eine Hebamme Dienst tut - da kann dann bei absoluter Ablehnung des männlichen Geburtshelfers halt nicht auf eine Kollegin zurückgegriffen werden. Ansonsten glaube ich, dass in einer größeren Abteilung ein Entbindungspfleger völlig unproblematisch ins Team zu integrieren ist.

  • Probleme mit einem Entbindungspfleger sehe ich von daher eher in kleineren Einrichtungen, in denen nur eine Hebamme Dienst tut - da kann dann bei absoluter Ablehnung des männlichen Geburtshelfers halt nicht auf eine Kollegin zurückgegriffen werden.


    Tja. Dann bleibt das Kind halt drin.

  • Naja, sofern keine medizinische Komplikation vorliegt, sollte das Kind auch ganz ohne Hilfe raus kommen. Höhere Säugetiere, also mit Plazenta, gibt es ja schon eine kleine Weile...

  • Gab es neulich mal ne SWR Doku dazu - Die Uni Tübingen ist da wohl irgendwie mit dran beteiligt.

    Die Frage ist aber, woher sie diese Daten haben. Vielleicht haben diese auch einfach nur das einzelene Bundesland mit der gesamten Republik verwechselt, da die Anzahl ja ziemlich gleich ist?

  • Um zum Ursprungsthema zurück zu kommen:
    Ich habe ja durchaus eine Weile mit dem Gedanken gespielt Entbindungspfleger zu werden - es dann damals aber aufgegeben, da ich nach der 12ten Absage keinen Bock mehr hatte. Grund war immer mehr oder minder das Geschlecht.

    Eine gleiche Erfahrung habe ich während meiner Krankenpflegeausbildung auch machen müssen. Ich habe auch mehrmals erfolglos versucht, als Pflegeschüler in den Kreißsaal zu kommen, um eine normale Geburt erleben zu dürfen. Aufgrund meines Geschlechts war dieses auch nicht erwünscht. Als Pflegeschüler (3. Jahr) in der Anästhesie sowie als examinierter Pfleger in der Anästhesie konnte ich dann quasi täglich Sectio machen. Aber eine richtige Geburt ist das auch nicht. Die konnte ich nur einmal bei meinen eigenen Kindern erleben. Mit einer tollen, ruhigen, alten und sehr erfahrenden Hebamme. War ein Erlebnis...


    Gruß

  • Die Frage ist aber, woher sie diese Daten haben. Vielleicht haben diese auch einfach nur das einzelene Bundesland mit der gesamten Republik verwechselt, da die Anzahl ja ziemlich gleich ist?


    So wie ich das verstanden habe war das irgendwie ein Projekt. Ich frag aber mal wen.