Rheinische Post: "Reformbedarf bei Hubschraubern: Grüne sehen Luftrettung beeinträchtigt"

  • Außerdem gebe es keine bundesweite Koordination der Hubschrauber, die besonders bei länderübergreifenden Lagen wie der Corona-Pandemie entscheidend sei. Die Kritik des Grünen-Politikers trifft einen sensiblen Punkt: Im schlimmsten Fall könne die Qualität der Luftrettung in Deutschland beeinträchtigt sein.

    Es würde ja schon helfen, wenn jedes Bundesland eine (EINE!) zentrale Leitstelle hätte, die die Intensivverlegungen koordinieren würde. Dort wo es diese gibt, klappt es ja ganz gut.


    Jedoch ist die Frage wie genau die ZSH die Qualität der "Luftrettung" besser machen könnte? Vor allem mit dem Hinweis auf die (länderübergreifende) Pandemie. ECMO mit ECMO Team? Geht nicht! PIN Team mit Inkubator? Geht nicht (obwohl der Christoph 29 dieses von sich behauptet)! 3, 4 oder 5 Spritzenpumpen? Geht nicht! Manchmal ist auch die Art des Beatmungsgerätes (nicht alle haben einen Hamilton T1) ein Problem, wenn es um schwierig zu beatmende Patienten geht (z.B. ARDS). Gleiches gibt auch für den einen oder anderen Dual-Use-ITW/RTW. Da wollte man ungern mit einem Medumat Transport zu einem ARDS düsen. Ich wäre daher neugierig was der Herr Dahmen genau meint? Schnelle Sekundärtransporte, die wenig Medizintechnik benötigen und wo es nur um einen schnellen Transport geht, sind nicht das Problem mit Primär-RTH. Spannend wird es mit RTH immer erst dann, wenn der Patient richtig krank ist und viel (Intensiv-) Medizintechnik benötigt oder auch wenn "Spezialteams" (ECMO, PIN) ihre Höhle verlassen und in die weite Welt losdüsen wollen. Da geht den RTH nämlich schnell mal die Puste aus.


    Geht es um die Primärrettung? Zur Analgesie ins Pflegeheim? Synkope im Supermarkt (Meldung "Bewusstlos")?


    Eine zentrale RTH-Leitstelle? Jawohl, da bin ich dabei. Die zentralen Koordinierungsstellen für Intensivtransporte würden sich hier anbieten. Eine länderübergreifende Disposition bei den Koordinierungsstellen gibt es täglich. Die Meldewege (und auch Arbeitsweisen) sind bekannt. Dort wo es sie gibt. Mit entsprechenden organisatorischen Vorbereitungen (einheitliche Leitstellensysteme, Vernetzung) würden sich die Arbeitswege nochmals deutlich verkürzen und effektiver machen lassen. Nicht nur bei der RTH-Alarmierung; auch bodengebunden in der Nachbarschaftshilfe...


    Edit: Oder ist die Einsatzzeit und das Wetter gemeint? 24-Stunden-Verfügbarkeit, also auch in der Nacht. Auch, wenn das Wetter schlecht ist? Ja, dann mal los. Hubschrauber im Winter zu bekommen ist in der Tat oft zum Verzweifeln (Tageslicht, Wetter).

  • Es würde ja schon helfen, wenn jedes Bundesland eine (EINE!) zentrale Leitstelle hätte, die die Intensivverlegungen koordinieren würde. Dort wo es diese gibt, klappt es ja ganz gut.

    Welche Bundesländer sind das denn aktuell?


    Ansonsten weiß ich nicht ob das positiv oder negativ zu werten ist, dass man seitens der ZSH des BBK nichts im Rahmen der Coronapandemie gehört hat.

    Die privaten Betreiber haben ja mit der Indienststellung von Christoph 111, Christoph 112 und Christoph 114 recht schnell reagieren können.


    Mich würde es ja schon interessieren welche Reserven für die Luftrettung die Luftwaffe bzw. das Heer oder auch Bundes- oder gar Landespolizei stellen können; sprich was an Rüstsätzen und Personal noch vorhanden ist.

  • Bayern: KITH via Leitstelle München

    Baden-Württemberg: ZKS der DRF


    In Bayern können grundsätzlich alle Landespolizei-Hubschrauber zu Behelfs-RTH umgebaut werden, aber für bestimmte Maschinen ist das sehr zeitaufwendig, für die Mehrheit geht das binnen 15-30 Minuten.


    In BaWü ist mir nichts derartiges bekannt.

  • Welche Bundesländer sind das denn aktuell?

    Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern.

    Ansonsten weiß ich nicht ob das positiv oder negativ zu werten ist, dass man seitens der ZSH des BBK nichts im Rahmen der Coronapandemie gehört hat.

    Das wird wohl daran liegen, dass sie bei der Verlegung von COVID-19 ARDS/ECMO-Patienten auch keine große Rolle gespielt haben. Wie auch (siehe oben)?

  • Das wird wohl daran liegen, dass sie bei der Verlegung von COVID-19 ARDS/ECMO-Patienten auch keine große Rolle gespielt haben. Wie auch (siehe oben)?


    Man hätte aber z.B. mit zusätzlichen EC135-Kapazitäten an H145-Standorten diese von "Dual Use"-Einsätzen entlasten können.

    Und soweit ich weiß gibt's auch einzelne HEMS-Rüstsätze für die EC155.

    Was die BW für die NH90 im Moment vorhält entzieht sich komplett meiner Kenntnisse.

  • Hessen hat ganz aktuell die KST wieder in Betrieb genommen.

    Ach, guck an. Wo hat sie denn nun ihren Sitz? Hat sie Zugriff auf ALLE ITH und ITW im Bundesland oder muss sie sich diese bei den örtlichen Leitstellen zusammen schnorren?

  • Man hätte aber z.B. mit zusätzlichen EC135-Kapazitäten an H145-Standorten diese von "Dual Use"-Einsätzen entlasten können.

    Die Frage ist, wie viel Belastung da tatsächlich auftrat..

  • Wie gesagt: Punktuell haben die DRF und der ADAC reagiert. Die interessante Frage wäre halt kann man das überhaupt noch seitens der Behörden.

    Die haben nicht "reagiert" um ihre RTH zu entlasten, sondern weil dort für viel Zusatzgeld Gelegenheit war weitere Prestigeträchtige RTH zu besetzen. Ich will damit nicht sagen, dass es nicht eine gute Ergänzung war, aber die Vorstellung, ADAC oder DRF würden aus der wärme ihres Herzens irgendwas entlasten wollen ist einfach naiv. Um so mehr, weil ja Entlastung = weniger Einsätze = weniger Einkommen. "Entlasten" gab es nur, weil die CHX 112 und 111 gut finanziert waren. Auch in der Luftrettung agiert man nach kapitalistischen Grundsätzen wie auch im Gesundheitssystem sonst. Ohne Gewinnaussicht passiert da gar nichts.

  • Natürlich steckt hinter sowas eine Strategie in der Privatwirtschaft.


    Aber die technischen und personellen Ressourcen muss man ja erst einmal haben - Und da habe ich den Verdacht, dass bei der BPol und Bw einiges eingespart worden ist.

  • Also von unseren Heeresstandorten in der Nähe weiß ich das wir dort immer noch einen "RTH" anfordern können. Ehemals SAR...jetzt noch nur S oder so. Allerdings mit entsprechendem Tageszeit abhängigen Vorlauf und ohne Arzt an Board. Muss dann einer zusteigen.

  • Natürlich steckt hinter sowas eine Strategie in der Privatwirtschaft.


    Aber die technischen und personellen Ressourcen muss man ja erst einmal haben - Und da habe ich den Verdacht, dass bei der BPol und Bw einiges eingespart worden ist.

    Für genug Geld könnte es sich lohnen, auf Lücke zu planen….

  • Aber die technischen und personellen Ressourcen muss man ja erst einmal haben

    Also die HEMS beim 112 kommen vom hiesigen DRK, das dafür weiter täglich x RTW ausfallen lässt, der NA von der BGU, die den ITW weiter nur von 8 bis 17 Uhr besetzt... Zum Piloten kann ich nichts sagen, die medizinischen Ressourcen wurden m.E. lediglich anders, nämlich öffentlich wirksam, umverteilt.