Akademisierung des Notfallsanitäters?

  • ... und so ganz nebenbei können Abschlussarbeiten (auch auf Bachelor-Niveau) ja durchaus Bestandteil eines Forschungsvorhabens sein, gibt ja durchaus Teilaspekte von größeren Themen, die man abgesetzt bearbeiten könnte.

    Richtig, ohne Abschlussarbeiten würden viele Forschungsgruppen/-vorhaben, durchaus auch in der Industrie, ziemlich alt aussehen...

    Selbst so ein kleines "Ziel" kann unglaublich viel Arbeit machen. Daher sollte die Wahl eines Themas/einer Forschungsfrage gut überlegt sein und der Umgang einer Untersuchung zum Abschluss passen, denke ich.

    Sehr richtig! Schon alleine, da es beim Ergebnis nicht (oder zumindest nicht im Wesentlichen) auf die Quantität ankommt, sondern auf die Schlüsse, die man aus den Daten zieht. Leider zeigt die Erfahrung, dass meistens 90% der Arbeitszeit für "dumme" Vor-/Nacharbeiten verwendet werden, ohne die aber kein Erkenntnisgewinn entstehen würde. Den eigentlichen Erkenntnisgewinn sieht man dabei nicht direkt, aber daraus dann einen Mehrwert bezüglich der Forschungsfrage zu generieren, ist dann eben das "echte" Outcome der Arbeit.

  • In der Industrie gibt es keine Beamten. 8o

    Kommt jetzt drauf an, was man als Industrie definiert ;)


    Gemeint war, dass man auch in der Industrie / Wirtschaft mit exotischen Studiengängen teilweise Probleme hat Karriere zu machen bzw. überhaupt zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Gerade in größeren Unternehmen im mir bekannten Kreis zu beobachten.

  • Ich arbeite ja in einem Bereich, der relativ stark reglementiert ist. Da ist der Bachelor für den Einstieg mittlerweile (leider) Standard, wenigstens ist die Bandbreite der zu studierenden Fächer ziemlich begrenzt (Fahrzeugbau, Maschinenbau, Elektrotechnik), alles andere Bedarf einer Prüfung und Ausnahmegenehmigung der je nach Bundeland zuständigen Aufsichtsbehörde.
    Was man aber gewaltig merkt: Der Bachelor als Einstieg vor der Ausbildung zum Prüfer ist zwar ausreichend, aber wenn's irgendwo an die Beurteilung anspruchsvollerer Sachverhalte geht, stoßen die Kollegen schnell an ihre Grenzen, da fehlt's sozusagen an "Allgemeinbildung" im jeweiligen Fach.
    Und das sage ich als jemand, der an einer FH studiert hat.

    Um den Bogen zum Thema hier wieder zu schaffen: Ich würde bei Schaffung von Bachelor-Stellen da keinesfalls von Akademisierung sprechen.

    Truth's not true under the light of lies.
    Raise your sword and shield.

  • Ad 1 ist Wissenschaft etwas anderes als Publizistik. Und ein Studium qualifiziert nicht per se zum wissenschaftlichen Arbeiten. Das tun sogar dir wenigsten. Wissenschaftliches Arbeiten lernt man parallel oder häufig auch erst nach dem Studium in Arbeitsgruppen, nämlich indem man forscht und mehr oder weniger (meist leider weniger) strukturiert lernt wissenschaftlich zu denken und zu arbeiten. Grundlagenmethodik, Literaturrecherche, ganz viel Selbstorganisation und Projektmanagement, Anträge schreiben, Netzwerken, Frustrationsabbau, Publikationen planen und schreiben (und korrigieren), zumindest ein paar Statistik-Basics, etc, pp. Das ist dann quasi wieder die (Berufs)Ausbildung nach dem Studium und kann nur in Theorie nie vermittelt werden. Das muss man selber machen und erleben und zwar langfristig und nicht nur in einem Praktikum.


    Ad 2, zu jedem deiner genannten Punkte gibt es bereits gute Studien und Veröffentlichungen. Teilweise aber eben nicht mit den gewünschten/erhofften Ergebnissen (siehe zB. präklinische Antibiose). Warum gibt es nicht, mehr, warum, ist und wird nicht alles erforscht? Weil Forschung verdammt zeitaufwändig, langwierig und frustrierend ist und vor allem auch eins, nämlich sehr teuer. Und daran wir auch der x-te mehr oder weniger wissenschaftlich qualifiziert Studiengang/Absolvent nichts ändern. Im Gegenteil, denn erstens ist ein B.A. eine berufliche Qualifikation, ganz sicher aber keine wissenschaftliche und zweitens findet sich gerade an diesen neuen Hochschulen, bzw. Studiengängen meist nur Selbstzweck-, bzw. Rechtfertigungsforschung auf eben bereits angesprochenem methodisch schwachem Niveau - und zwar, wenn man sich mit den Leuten unterhält nicht aus Böswilligkeit, sondern aus mangelnder Fähigkeit/Fachlichkeit. Was dann wiederum echte Forschung verhindert. Denn Ressourcen, sowohl monitär, als auch menschlich sind einfach endlich..

  • Ad 1 ist Wissenschaft etwas anderes als Publizistik. Und ein Studium qualifiziert nicht per se zum wissenschaftlichen Arbeiten. Das tun sogar dir wenigsten. Wissenschaftliches Arbeiten lernt man parallel oder häufig auch erst nach dem Studium in Arbeitsgruppen, nämlich indem man forscht und mehr oder weniger (meist leider weniger) strukturiert lernt wissenschaftlich zu denken und zu arbeiten. Grundlagenmethodik, Literaturrecherche, ganz viel Selbstorganisation und Projektmanagement, Anträge schreiben, Netzwerken, Frustrationsabbau, Publikationen planen und schreiben (und korrigieren), zumindest ein paar Statistik-Basics, etc, pp. Das ist dann quasi wieder die (Berufs)Ausbildung nach dem Studium und kann nur in Theorie nie vermittelt werden. Das muss man selber machen und erleben und zwar langfristig und nicht nur in einem Praktikum.

    Ad 1: mein Zitat aus dem Kontext zu ziehen finde ich schwach. Ich wurde explizit danach gefragt, ob ich Artikel beigetragen hätte. Das habe ich beantwortet. Und betont wie klein mein Beitrag ist.
    Ich sehe übrigens in meinem Master-Studium aktuell schon, dass Projektmanagement, Literaturrecherche, Selbstorganisation und auch das Netzwerken zu Menschen die einen etwas Supporten bei den Bemühungen, sehr wohl Inhalt sind. Das man im Master natürlich keine JAMA Veröffentlichung am Ende raus kriegt ist (mir?) klar.


    Ad 2, zu jedem deiner genannten Punkte gibt es bereits gute Studien und Veröffentlichungen. Teilweise aber eben nicht mit den gewünschten/erhofften Ergebnissen (siehe zB. präklinische Antibiose).

    Ich bin da offen für DOI, mir sind zu diesen Fragen in Deutschland nicht besonders viele gute Daten bekannt.

    Under pressure, you don't rise to the occasion. You sink to your level of training.

  • Under pressure, you don't rise to the occasion. You sink to your level of training.

  • Ad 1, das mag dir klar gewesen sein, zumindest mir ist diese Trennschärfe zwischen Artikel/Beiträge und Forschung aus deinem Beitrag nicht ersichtlich geworden. jetzt wissen wir es ja :-) Und wir sprachen immer vom Bachelor und nicht vom Master und noch weniger von deinem Master (u.a. weil ich nicht weiß, was und wo du studierst - es geht hier ja aber auch nicht um einzelne Personen, sondern um den Mittelwert)


    Ad 2, warum Deutschland? Die meisten Beiträge sind (natürlich) außerhalb Deutschlands entstanden. Ist ja auch logisch, so groß ist Deutschland dann doch nicht.

  • Ad 2, warum Deutschland? Die meisten Beiträge sind (natürlich) außerhalb Deutschlands entstanden. Ist ja auch logisch, so groß ist Deutschland dann doch nicht.

    Das ewige Argument bei internationalen Studien ist doch, dass sie nicht auf Deutschland bezogen werden können (das sehe ich selbst meistens nicht so). In so fern müssten gewisse Fragestellungen eben doch in Deutschland überprüft werden. Insbesondere, weil es ein recht junges Berufsbild gibt (NotSan; inzwischen schon seit 8 Jahren!), welches vermutlich nur schlecht mit Paramedic-Ausbildungen anderswo vergleichbar ist. Bzw., wir das einfach nicht wissen. Da fehlt die Datenlage.

    Under pressure, you don't rise to the occasion. You sink to your level of training.

  • Das ewige Argument bei internationalen Studien ist doch, dass sie nicht auf Deutschland bezogen werden können (das sehe ich selbst meistens nicht so). In so fern müssten gewisse Fragestellungen eben doch in Deutschland überprüft werden. Insbesondere, weil es ein recht junges Berufsbild gibt (NotSan; inzwischen schon seit 8 Jahren!), welches vermutlich nur schlecht mit Paramedic-Ausbildungen anderswo vergleichbar ist. Bzw., wir das einfach nicht wissen. Da fehlt die Datenlage.

    Stimmt zwar in Teilen was auf den NotSan bezogen ist sicherlich, nur ist es noch schwieriger für Studien die es eigetlich schon gibt, nur eben nicht in/aus Deutschland, eine Förderung zu bekommen.

    So wenig wird meiner Wahrnehmung nach aber gar nicht dazu geforscht, steckt einiges an Versorgungsforschung in der Pipeline. Forschung dauert eben.. Und Publikationen schreiben und an das Journal bringen noch länger. Erst recht wenn es wie so oft in der Medizin nebenher oder über Doktoranden läuft..