Notfallrettungssanitäter

  • Und zur anderen Frage mit berufsbegleitender NotSan-Ausbildung. Diese steht Rettungssanitätern ohne mittlere Reife oder Berufsausbildung trotz z.T. jahrzehntelanger Berufserfahrung nicht offen.

    Wenn man sich jahrzehntelang zu Höherem berufen fühlt, könnte man ja auch einen Schulabschluss nachholen.

  • Durch jahrezehntelanges Arbeiten kennt man die notwendigen Themen der mittleren Reife jedoch bereits zu 95%, sodass der Abschluss besser durch die Zahlung von viel zu viel Geld und Besuch von irgendwelchen Modulen nicht absolviert wird.

  • Durch jahrezehntelanges Arbeiten kennt man die notwendigen Themen der mittleren Reife jedoch bereits zu 95%, sodass der Abschluss besser durch die Zahlung von viel zu viel Geld und Besuch von irgendwelchen Modulen nicht absolviert wird.

    Man könnte auch Staplerfahrer Klaus zum 25. Gabelstaplerscheinjubiläum den BCE-Führerschein und das Berufskraftfahrerdiplom überreichen. Sagen wir, nach einem Schleuderkurs beim ADAC?

  • Im Westen funktioniert die Berufswelt nunmal so. Man nimmt an Ausbildungen / Fortbildungen / Weiterbildungen teil, die genormt und anerkannt sind, und bekommt nach Abschluss (und meistens nach einer Prüfung) einen Schein. Dieser Schein berechtigt dann zur Ausübung der jeweiligen Tätigkeit.

    Ist das narrensicher? Kann jeder Absolvent tatsächlich das, was er laut dem Schein können soll / muss? NEIN. Kann ein Mensch die Fähigkeiten haben, auch ohne den entsprechenden Schein zu haben? Selbstverständlich. Die Lösung kann aber unmöglich sein diesen formellen Ablauf außer Kraft zu setzen, weil "man es eh kann". Das wäre per Definition das Gegenteil von Qualität, widerspricht dem Normungsgedanken und ist gegenüber Absolventen auch ungerecht.

    Es wird immer Einzelfälle geben, wo man dann sagen muss "dumm gelaufen". Dann muss man aber halt in den sauren Apfel beißen und diesen formellen Ablauf durchlaufen, so wie alle anderen auch.

  • :popcorn:


    Capatins Dinner auf der Dream Dancer. Letztlich sind das alles Rationalisierungen, die dazu dienen, kognitive Dissonanz abzubauen. Das habe ich in meiner Zeit in Hilfsorganisationen schon des Öfteren erlebt. Als ich Rettungssanitäter war, haben mir ein paar Sanitätshelfer erklärt, dass ich doch streng genommen auch nicht mehr kann als sie. Und ich hatte einen "Kollegen", der sich immer vorgestellt hat als "Rettungssanitäter mit dem Wissen eines Rettungsassistenten". Wer sich selbst damit aufwerten kann, möge es tun.

    You know as well as I do decisions made in real time are never perfect. Don't second-guess an operation from an armchair. [Noah Vosen]

  • Wir erproben gerade zwei unterschiedliche Kurskonzepte: Eines mit großem Home-Learning-Anteil und abschließender Praxis- und Prüfungswoche. Hier würde die Kursgebühr pro Block bei ca. 600€ + MWSt. liegen. Das zweite Konzept sieht 100% Präsenz mit noch mehr Praxis sowie kursvorbereitendem Selbststudium (Arbeitsaufwand ca. 5 Arbeitstage) vor. Hier beläuft sich die Teilnahmegebühr auf ca. 1800€ + MWSt.


    Und zur anderen Frage mit berufsbegleitender NotSan-Ausbildung. Diese steht Rettungssanitätern ohne mittlere Reife oder Berufsausbildung trotz z.T. jahrzehntelanger Berufserfahrung nicht offen. Und außerdem ist gerade für diese Zielgruppe mit großer Erfahrung die schulische NotSan-Ausbildung unattraktiv, da 95% des notwendigen Wissens bereits vorhanden ist und der Rest viel besser und praktischer in unseren Notfallrettungssanitäter-Modulen gelehrt werden kann.

    aha….soviel zur unnötigen Theorie. Oder bekommt jeder fürs Homelearning Ambupuppe, Simulations-EKG etc. nach Hause? Dann ist der Preis zu günstig. 🙈

  • Jährliche Rezertifizierung. Und dennoch kein Notfallsanitäter.

    wenn du 8,5 Jahre voll hast, und über 50 Prüfungen, dann gehen ganz andere Dinge!

    Under pressure, you don't rise to the occasion. You sink to your level of training.

  • Noch einmal zur Klarstellung: Es ist und bleibt unser Ziel, für RettungssanitäterInnen einen Weg zum NotfallsanitäterIn zu bahnen. Denn es kann nicht sein, dass ein Kollege mit zehn. fünfzehn Jahren Berufserfahrung in der Qualifikation "Rettungssanitäter" gefangen bleibt, nur weil ihm die mittlere Reife fehlt, während ein 17jähriger Schulabsolvent ohne bisherige Bezugspunkte zum Rettungsdienst nach drei Jahren hauptsächlich theoretischer Ausbildung sein fachlicher Vorgesetzter werden kann.

    Das kann nicht nur so sein, dass muss so sein: Qualifikationen muss man erwerben. Es steht dem Kollegen mit 10-15 Jahren Berufserfahrung frei, die mittlere Reife und dann die Ausbildung zum Notfallsanitäter zu absolvieren. Ist er dazu nicht in der Lage, dann ist er dazu nicht in der Lage und wird deshalb kein Notfallsanitäter.

    Das entspricht weder der Lebenswirklichkeit noch der Gerechtigkeit und ist in Zeiten des allgegenwärtigen Fachkräftemangels eine Fehlallokation wie es sie vermutlich in Deutschland kein zweites Mal gibt.

    Dass jemand, der die Ausbildung zum Notfallsanitäter nicht absolviert, nicht Notfallsanitäter wird, ist keine Fehlallokation, sondern der Zweck der geschützten Berufsbezeichnung.

  • Ich würde ja einfach um besagte Schule zu ärgern, jedem RS den ich treffe eine Urkunde "Notfallrettungssanitäter" in die Hand drücken, halte es begrifflich aber für so nah an den geschützten Bezeichnungen der Ausbildung, dass ich nicht sicher bin, ob durch die wahrscheinliche Irreführung nicht strafrechtliche Normen berührt werden...

    Komm in den Süden, hier ist jeder seines Glückes Schmied! Wobei die Bezeichnung evt. zu nah am Notfallsanitäter ist. Aber mit "Rettungssanitäter für Notfälle" könnte das gehen, ist aber nicht so catchy.

    Kann ein Landesministerium ein Bundesgesetz übergehen?

    Eigentlich nicht. Aber ich glaube es geht mehr als man denkt, wenn alle Beteiligten wollen.

  • ...

    Eigentlich nicht. Aber ich glaube es geht mehr als man denkt, wenn alle Beteiligten wollen.

    Naja, ein Bundesland könnte natürlich in sein LandesRD-Gesetz rein schreiben, dass ein Notfallretungssanitäter als Transportführer für den RTW ausreicht.


    Und da man eng mit dem Ministerium in Kontakt steht... ;)

  • Vorstellung


    Robin hat sich hier vorgestellt.

    ja dann stimmt es ja

    Ich habe einen ganz einfachen Geschmack - ich bin stets mit dem Besten zufrieden.
    Oscar Wilde, irischer Schriftsteller, 1854 - 1900


    Ich prüfe jedes Angebot. Es könnte das Angebot meines Lebens sein.
    Henry Ford 1863 - 1947

  • Du willst uns doch verarschen. :D

    nein, will er nicht. Er meint das ernst….. leider

    Ich habe einen ganz einfachen Geschmack - ich bin stets mit dem Besten zufrieden.
    Oscar Wilde, irischer Schriftsteller, 1854 - 1900


    Ich prüfe jedes Angebot. Es könnte das Angebot meines Lebens sein.
    Henry Ford 1863 - 1947

  • Zusammenfassend kann man sagen, dass hier viele richtige und wichtige Punkte, die die Problematik bei der Qualifikation zum Rettungssanitäter oder jene der Verweildauer im Beruf und die damit zusammenhängende Motivation geht, angesprochen werden.


    Ich muss aber ganz ehrlich sagen, dass ich den Vorteil dieses Kurskonzeptes nicht sehe. Wenn ich mir dass ganz nüchtern betrachte, steht hier ein kommerzielles Fortbildungsangebot im Raum, dass zusätzliche Inhalte vermitteln soll, um die Stellung des Rettungssanitäters zu stärken. Soweit, so gut. Das Problem hierbei ist aber doch: Was bringt das einem der Absolventen des Kurses? Eigentlich erstmal bis auf ein gutes Gefühl nicht viel, ist mein Eindruck. Auch das genannte Ziel, einen weiteren Qualifikationsweg zum Notfallsanitäter schaffen zu wollen, ist meiner Meinung nach nahe an der Grenze zur Utopie. Eine der Neuerungen des NotSanG war ja gerade, keine verkürzte Ausbildung für Rettungssanitäter zu schaffen, da diese Form der Ausbildung ja in der Vergangenheit meiner nicht repräsentativen Meinung nach häufiger als Weg zum RA genutzt wurde als die "richtige" zweijährige Ausbildung.


    Außerdem ist doch eine gute Möglichkeit für Berufstätige mit der begleitenden, dann allerdings fünfjährigen Ausbildung geschaffen worden. Ich kenne hier inzwischen auch einen Arbeitgeber, der seinen gerade älteren oder alleinerziehenden Mitarbeitenden dies offeriert.


    Unser Ziel als Rettungsdienstpersonal muss doch sein, Qualifikation zu schaffen, und nicht wieder über Umwege an einen Berufsabschluss zu kommen (wohlgemerkt sage ich dass als einer derjenigen, die eine verkürzte Ausbildung zum RA als RS absolviert hat. War keine gute Entscheidung damals)


    Meine Meinung "in-a-nutshell":


    • Verlängerung und Intensivierung der Qualifikation zum RS gerne!
    • Anreize mit dann entsprechend mehr Eigenverantwortung (z.B. N-KTW) gerne!
    • Aber bitte, bitte keine zusammengezimmerte Schnellstraße zum NotSan für Leute, die nicht dafür qualifiziert sind!
  • Eine der Neuerungen des NotSanG war ja gerade, keine verkürzte Ausbildung für Rettungssanitäter zu schaffen, da diese Form der Ausbildung ja in der Vergangenheit meiner nicht repräsentativen Meinung nach häufiger als Weg zum RA genutzt wurde als die "richtige" zweijährige Ausbildung.

    Der Abstand ist mit den 3 Jahren Ausbildungszeit ja noch einmal erheblich gewachsen. Wenn man noch die Kompetenzerweiterung hinzu nimmt, sollte es vollkommen klar sein, dass ein kurzer Kurs mit ein paar Ergänzungsmodulen nicht zur Berufsanerkennung führen kann.

  • Das finde ich eine richtig coole Idee👍

    Ich bin sehr an diesem Werdegang interessiert und wünsche mir, dass dieser Weg bald für jeden RettSan ermöglicht werden kann!