Notfallrettungssanitäter

  • Aber erstmal wären das einfach besser fortgebildete RettSan, dagegen spricht doch nichts oder?

    Ich warte auf dem ersten Teilnehmer, der vor mir steht und mir klar versucht zu vermitteln er sei nun Notfallrettungssanitäter und dürfe nun X, Y und Z.


    Ich mein, ja bitte bildet euch fort und weiter. Aber glaubt bitte nicht, daß es nun mehr Geld oder mehr rechtliche Absicherung gibt.

    Es bleibt ein Hilfsberuf, der im Vergleich zu der Ausbildungszeit sehr gut bezahlt wird.


    Was mir als "Geschmäckle" bleibt: durch die Namensgebung wird es zu Verwirrungen bei Fachpersonal und Patienten kommen.

    Das ist schon fast irreführend, aus meiner Sicht mit Absicht...

  • leider hat uns die letzte Corona-Welle etwas ausgebremst und wir konnten mit dem Pilotlehrgang im Herbst 2021 nicht wie geplant starten, da unser Konzept da daraus besteht, weg von der Theorie hin zur Praxis zu kommen. Und da ist viel Hands on gefragt, was mit den Hygieneregeln während der Pandemie nicht so möglich war, wie unser Kurskonzept das vorsah.

    Aus deinem Eingangspost:

    " Nach einem Jahr Berufspraxis kann man dann drei Ergänzungsmodule machen: Innere Notfälle, Trauma und Berufskunde. Jeder Kurs besteht aus drei Wochen Fernstudium und eine Woche Vor-Ort-Unterricht mit einer gemeinsamen Abschlussprüfung (zwei Fallbeispiele plus Prüfungsgespräch)."


    Drei Wochen Fernstudium gehen doch super in Corona Zeiten?

    Under pressure, you don't rise to the occasion. You sink to your level of training.

  • Ich hatte in meiner Naivität angenommen das sei kostenfrei für das betriebseigene Personal...

    Aus dem (alten) Eröffnungspost:


    Deshalb haben drei motivierte Notfallmediziner in Zusammenarbeit mit einer bundesweit tätigen Schule für Gesundheitsberufe ein neues Konzept entwickelt:


    Den Notfall-Rettungsssanitäter!“

  • Leute was geht hier bitte ab? Also is das ernst gemeint oder werden wir hier getrollt?

    wenn es der Robin aus Aachen ist, dann kennen wir die Antwort

    Ich habe einen ganz einfachen Geschmack - ich bin stets mit dem Besten zufrieden.
    Oscar Wilde, irischer Schriftsteller, 1854 - 1900


    Ich prüfe jedes Angebot. Es könnte das Angebot meines Lebens sein.
    Henry Ford 1863 - 1947

  • Eine Kleinigkeit sollten wir uns nochmal in Erinnerung rufen (Hervorhebung und Kürzung durch mich):

    [...]


    Unser Ziel ist es, dass ein Notfallrettungsssanitäter nach zwei Jahren mit dem Notfallsanitäter gleichgestellt wird und man damit einen deutlich praxisorientierteren Weg in die Notfallrettung schafft!


    [...]


    Genau diese Gleichstellung einer selbst erdachten "Schnellkurs mit viel Wartezeit dazwischen" Ausbildung darf auf keinen Fall erfolgen. Wird sie sicherlich auch nicht, es war klar das Interesse des Gesetzgebers die Ausbildung zu vertiefen und zu intensivieren als der Notfallsanitäter geschaffen wurde. Und das hier geschilderte ist noch weit unterhalb des Ausbildungsniveaus eines Rettungsassistenten. Von daher wäre es kaum zu befürchten, dass die Politik diesen Unsinn mitträgt.


    Letztlich sehe ich hier auch die Hinweise, die die Kollegen vor mir schon ansprachen, dass hier einfach auf möglichst entspannte Art viel Gewinn erwirtschaftet werden soll. Man wendet sich gezielt an eine Gruppe, die "keine Lust auf Schule" hat und mit Theorie nichts anfangen kann. Dazu ein nicht geschützter Begriff, der cool klingen soll und das halbe Versprechen, man wäre im Gespräch mit der Politik und will diesen "Kurs" dann am Ende der Notfallsanitäterausbildung gleichstellen. Da kann man schon sehr stark primär monetäre Interessen vermuten. Es gab doch früher mal in Hamburg so eine winzige Rettungsdienstschule, die solche Kuriositäten betrieben hat, wenn ich mich recht erinnere. Nannte man dergleichen nicht früher "Bauernfänger"?


    Ich würde ja einfach um besagte Schule zu ärgern, jedem RS den ich treffe eine Urkunde "Notfallrettungssanitäter" in die Hand drücken, halte es begrifflich aber für so nah an den geschützten Bezeichnungen der Ausbildung, dass ich nicht sicher bin, ob durch die wahrscheinliche Irreführung nicht strafrechtliche Normen berührt werden...

    Land zwischen den Meeren,
    vor dem sich sogar die Bäume verneigen,
    du bist der wahre Grund,
    warum Kompassnadeln nach Norden zeigen!

  • Wir hören uns Kritik gerne an, auch harte Kritik. Uns ist auch bewusst, dass wir in der Welt des Rettungsdienstes auf Gegenwind stoßen, wenn wir neue Pfade beschreiten und an etablierten Dingen rütteln. Die hier geäußerten Vorwürfe ("Bauernfänger", Abzocke) erreichen aber ein Niveau, dass uns daran denken lässt, unsere Rechtsabteilung zu involvieren.


    Noch einmal zur Klarstellung: Es ist und bleibt unser Ziel, für RettungssanitäterInnen einen Weg zum NotfallsanitäterIn zu bahnen. Denn es kann nicht sein, dass ein Kollege mit zehn. fünfzehn Jahren Berufserfahrung in der Qualifikation "Rettungssanitäter" gefangen bleibt, nur weil ihm die mittlere Reife fehlt, während ein 17jähriger Schulabsolvent ohne bisherige Bezugspunkte zum Rettungsdienst nach drei Jahren hauptsächlich theoretischer Ausbildung sein fachlicher Vorgesetzter werden kann.

    Das entspricht weder der Lebenswirklichkeit noch der Gerechtigkeit und ist in Zeiten des allgegenwärtigen Fachkräftemangels eine Fehlallokation wie es sie vermutlich in Deutschland kein zweites Mal gibt.

    Dies wird übrigens auch von mindestens einem Landesministerium so gesehen, weshalb unser Pilotkurs NotfallrettungssanitäterIn dort mit großem Interesse verfolgt wird und die Gespräche zur weiteren Anerkennung weit fortgeschritten sind.

    Wir sind hier sehr zuversichlich, einen guten Kompromiss zu finden, so dass z.B. ein zum NotfallrettungssanitäterIn weiterqualifizierter RettungssanitäterIn je nach Berufserfahrung als RettungssanitäterIn analog zu den RettungsassistentInnen einen 480- oder 80-Stunden-Kurs mit anschließender Ergänzungsprüfung ablegen darf.

  • Noch einmal zur Klarstellung: Es ist und bleibt unser Ziel, für RettungssanitäterInnen einen Weg zum NotfallsanitäterIn zu bahnen. Denn es kann nicht sein, dass ein Kollege mit zehn. fünfzehn Jahren Berufserfahrung in der Qualifikation "Rettungssanitäter" gefangen bleibt, nur weil ihm die mittlere Reife fehlt, während ein 17jähriger Schulabsolvent ohne bisherige Bezugspunkte zum Rettungsdienst nach drei Jahren hauptsächlich theoretischer Ausbildung sein fachlicher Vorgesetzter werden kann.

    Das kann sogar sehr gut sein und genau das IST (gottseidank) die Lebenswirklichkeit: Jemand mit höherer Bildung und besserer Qualifikation wird der Vorgesetzte von jemand mit schlechterer Bildung und geringerer Qualifikation - völlig unabhängig vom Lebensalter. Für mich klingt das recht schlüssig. Man wird nämlich nicht zwangsläufig besser (und schon gar nicht schlauer), wenn man etwas nur lange genug macht. Das wird wohl auch eure Rechtsabteilung nicht ändern können.

  • Denn es kann nicht sein, dass ein Kollege mit zehn. fünfzehn Jahren Berufserfahrung in der Qualifikation "Rettungssanitäter" gefangen bleibt, nur weil ihm die mittlere Reife fehlt, während ein 17jähriger Schulabsolvent ohne bisherige Bezugspunkte zum Rettungsdienst nach drei Jahren hauptsächlich theoretischer Ausbildung sein fachlicher Vorgesetzter werden kann.

    Doch, das kann sogar sehr gut so sein.


    Das entspricht weder der Lebenswirklichkeit noch der Gerechtigkeit und ist in Zeiten des allgegenwärtigen Fachkräftemangels eine Fehlallokation wie es sie vermutlich in Deutschland kein zweites Mal gibt.

    Doch, das ist sogar überall so, wo ein jüngerer, höher Qualifizierter auf einen langedienten weniger Qualifizierten trifft.


    Dies wird übrigens auch von mindestens einem Landesministerium so gesehen, weshalb unser Pilotkurs NotfallrettungssanitäterIn dort mit großem Interesse verfolgt wird und die Gespräche zur weiteren Anerkennung weit fortgeschritten sind.

    Kann ein Landesministerium ein Bundesgesetz übergehen?


  • Dem sehe ich sehr gelassen entgegen. Wenn eure Rechtsabteilung die Kontaktdaten meines Anwalts braucht, kann sie mich gern per PN erreichen. Dafür müssten sie nicht einmal einen Umweg gehen. Ich werde aber selbstverständlich jeden entstandenen Aufwand in Rechnung stellen. Und zu dem Eindruck, den ich von dem hier geschildert Konzept habe, stehe ich auch. Das, was du hier schreibst, klingt absolut nicht seriös.


    In deinem neuen Beitrag hast du ja beinahe noch mehr Relativierungen eingebaut, als im ersten.

    "Es ist das Ziel..."

    "wird von einem Landesministerium so gesehen und [...] mit großem Interesse verfolgt" - seid ihr nicht vorher noch in Kontakt gewesen? Da ist Beobachten aber ein erheblicher Rückschritt...

    "[...] zuversichtlich [...] einen guten Kompromiss zu finden, [...] z.B."


    Viel weniger konkret geht es doch wohl nicht mehr. Könnt ihr irgendetwas zusagen, außer dass ihr demjenigen eine nicht-geschützte Bezeichnung verleiht, die er auch ohne diesen Kurs führen dürfte? Sofern sie denn frei geführt werden darf. Sofern die Verwechselungsgefahr mit geschützten Bezeichnungen wie z.B. Notfallsanitäter oder Rettungssanitäter dem Führen entgegenstehen.

    Land zwischen den Meeren,
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    warum Kompassnadeln nach Norden zeigen!

  • Noch einmal zur Klarstellung: Es ist und bleibt unser Ziel, für RettungssanitäterInnen einen Weg zum NotfallsanitäterIn zu bahnen. Denn es kann nicht sein, dass ein Kollege mit zehn. fünfzehn Jahren Berufserfahrung in der Qualifikation "Rettungssanitäter" gefangen bleibt, nur weil ihm die mittlere Reife fehlt, während ein 17jähriger Schulabsolvent ohne bisherige Bezugspunkte zum Rettungsdienst nach drei Jahren hauptsächlich theoretischer Ausbildung sein fachlicher Vorgesetzter werden kann.

    Wie schon die Kollegen vor mir dieses festgestellt haben, so ist das in sehr vielen Berufen so normal. Der frische Brandoberinspektor, der gerade von der Uni und der Feuerwehrschule gekommen ist, darf als Wachabteilungsleiter auch den Löschzug führen. Und das bedeutet, dass ihm, dem jungen Schnösel, auch die alt gedienten Hauptbrandmeister folgen müssen, wenn der junge Wachabteilungsleiter in seiner roten oder weißen Weste an der Einsatzstelle herum hampelt und Einsatzbefehle herum posaunt.


    Oder auch in der Pflege, wenn eine jüngere studierte Krankenschwester als pflegerische Abteilungsleitung tätig wird, so müssen auch ihr die älteren Krankenschwestern, mit zehn oder fünfzehn Jahren Berufserfahrung folgen.


    Kann ich mit einer Pflegehilfsdienstausbildung und einem Betreuungsgrundlehrgang einer KatS-Einheit und 2 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit auch mit einem dreiwöchigen Fernkurs und einer 80-stündigen Ergänzungsprüfung meine Berufsurkunde als Krankenpfleger/Pflegefachkraft bekommen? Wenn ich den Sanitätslehrgang 1 bis 2 des KatS dazu mache vielleicht sogar Fachkrankenpfleger für die Notfallpflege? Sollte doch möglich sein, oder?


    Nee, noch mehr Beispiele braucht es doch nicht, oder? Ist also Blödsinn, Deine Begründung. Merkste selbst, hoffe ich?

    Das entspricht weder der Lebenswirklichkeit noch der Gerechtigkeit und ist in Zeiten des allgegenwärtigen Fachkräftemangels eine Fehlallokation wie es sie vermutlich in Deutschland kein zweites Mal gibt.

    Das Problem "Fachkräftemangel" läßt sich jedoch nicht mit einer Reduzierung der Qualität (Ausbildung) bekämpfen. Der Fachkräftemangel hat seine Gründe nicht in der Ausbildung, sondern in den Arbeitsbedingungen. Da muss angepackt werden!

    Dies wird übrigens auch von mindestens einem Landesministerium so gesehen, weshalb unser Pilotkurs NotfallrettungssanitäterIn dort mit großem Interesse verfolgt wird und die Gespräche zur weiteren Anerkennung weit fortgeschritten sind.

    Können wir hier etwas nachvollziehen? Sachsen-Anhalt, welches Ministerium? Aktenzeichen? Stellungnahmen? Fragen an die Landesregierungen oder Fraktionen? Das wird doch irgendwo dokumentiert worden sein, oder nicht? Welche Schule? Wo ist das Konzept dafür (Rechtsgrundlage, Anträge, Lehrpläne, usw)?


    Ich könnte mir vorstellen, dass sich dafür nicht nur die Kollegen hier brennend interessieren würden, sondern auch Berufsvertretungen wie der DBRD, usw.


    Ich bin durchaus für eine Reform der Rettungssanitäterausbildung. Dafür braucht es jedoch keine Phantasiekonzepte mit phantastischen Namen, die dazu auch noch zu weiteren Verwirrungen in der Gesundheitswelt führen würden. Ein drittes Standbein ist daher überflüssig.

  • Die hier geäußerten Vorwürfe ("Bauernfänger", Abzocke) erreichen aber ein Niveau, dass uns daran denken lässt, unsere Rechtsabteilung zu involvieren.

    Müsste dafür nicht jemand konkret als solcher bezeichnet werden? Im Moment geht es ja nur um "eine Schule" (wer macht das denn überhaupt und wieso wirbt er nicht dafür?), mutmaßlich in Sachsen-Anhalt und die Person Tobi_RR, die ein hypothetisches Konzept vorstellt.

  • Denn es kann nicht sein, dass ein Kollege mit zehn. fünfzehn Jahren Berufserfahrung in der Qualifikation "Rettungssanitäter" gefangen bleibt, nur weil ihm die mittlere Reife fehlt, während ein 17jähriger Schulabsolvent ohne bisherige Bezugspunkte zum Rettungsdienst nach drei Jahren hauptsächlich theoretischer Ausbildung sein fachlicher Vorgesetzter werden kann.

    Ähm, doch. Man nennt so etwas Bildungssystem.

  • Noch einmal zur Klarstellung: Es ist und bleibt unser Ziel, für RettungssanitäterInnen einen Weg zum NotfallsanitäterIn zu bahnen.

    Moin Tobi_RR ich versuch es noch mal, ich hatte Notfallrettungssanitäter hier schon geschrieben.


    Du hast wohl Personalverantwortung. Könntest du nicht als AG attraktiver werden, indem du für RettSan die berufsbegleitende NotSan Ausbildung anbietest?

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  • Was kostet dieser Kurs? Das möchte ich jetzt wirklich mal wissen.

    You know as well as I do decisions made in real time are never perfect. Don't second-guess an operation from an armchair. [Noah Vosen]

  • Wir erproben gerade zwei unterschiedliche Kurskonzepte: Eines mit großem Home-Learning-Anteil und abschließender Praxis- und Prüfungswoche. Hier würde die Kursgebühr pro Block bei ca. 600€ + MWSt. liegen. Das zweite Konzept sieht 100% Präsenz mit noch mehr Praxis sowie kursvorbereitendem Selbststudium (Arbeitsaufwand ca. 5 Arbeitstage) vor. Hier beläuft sich die Teilnahmegebühr auf ca. 1800€ + MWSt.


    Und zur anderen Frage mit berufsbegleitender NotSan-Ausbildung. Diese steht Rettungssanitätern ohne mittlere Reife oder Berufsausbildung trotz z.T. jahrzehntelanger Berufserfahrung nicht offen. Und außerdem ist gerade für diese Zielgruppe mit großer Erfahrung die schulische NotSan-Ausbildung unattraktiv, da 95% des notwendigen Wissens bereits vorhanden ist und der Rest viel besser und praktischer in unseren Notfallrettungssanitäter-Modulen gelehrt werden kann.

  • Und außerdem ist gerade für diese Zielgruppe mit großer Erfahrung die schulische NotSan-Ausbildung unattraktiv, da 95% des notwendigen Wissens bereits vorhanden ist und der Rest viel besser und praktischer in unseren Notfallrettungssanitäter-Modulen gelehrt werden kann.

    Das darf bezweifelt werden. Sehe ich das richtig, dass du selbst solch ein langjährig erfahrener RS bist, der sich einem Notfallsanitäter zu 95% ebenbürtig fühlt? Ist das vielleicht subjektiv geprägtes Wunschdenken?

    Ich selbst bin übrigens seit 1999 Rettungssanitäter und seit 2005 Rettungsassistent mit Praxis auf RTW, NEF und ITW und ich würde nicht auf die Idee kommen, dass ich mir 95% der Ausbildung zum Notfallsanitäter sparen könnte. Und ich habe sogar Abitur! ;)