Positionspapier des DBRD zur Entwicklung der rettungsdienstlichen Notfallversorgung in der kommenden Legislaturperiode

  • Zitat

    Auseinandersetzungen berufspolitischer Natur, insbesondere zwischen Notärzten und Notfallsanitätern, müssen wieder auf die Sachebene und zu einer konstruktiven Form der Auseinandersetzung zurückgeführt werden.

    Das wäre sicher begrüßenswert und wäre schön, wenn Herr König sich hier als Gallionsfigur ganz vorne positionieren würde.



    Zitat

    Durch den hochqualifizierten Beruf des Notfallsanitäters mit umfangreichem Kompetenzrahmen kommt es zu erforderlichen Neuordnungen in der notfallmedizinischen Versorgungslandschaft. Nicht angepasst an die neuen Bedingungen mit Einsatz von Notfallsanitätern wurde bisher die Notarztausbildung und Qualifikationsentwicklung des notärztlichen Personals. Aktuell werden Assistenzärzte mit zwei Jahren ärztlicher Tätigkeit, 50 Notfalleinsätzen und einer 80-stündigen Fortbildung als Notärzte für die schwersterkrankten und -verletzten Patienten eingesetzt. Die neuen Bedingungen mit deutlich qualifizierterem Rettungsfachpersonal erfordern eine Anpassung der Notarztqualifikation mit umfangreicherer, handlungsorientierterer Ausbildung

    Schade, dass man sich dann gleich wieder selbst disqualifiziert und den schon vor einem Jahr völlig falsch dargestellten Sachverhalt noch immer nicht korrigiert hat.


    Zitat

    Während in allen Diskussionen um die Ausgestaltung des Notfallsanitäterberufs stets die ärztlichen Vertretungen fester Bestandteil waren, ist der DBRD als Vertretung des Rettungsfachpersonals bisher nicht in die Notarztentwicklung eingebunden

    Und das vollkommen zu Recht.



    Zitat

    Dabei muss immer der Notfallpatient in den Fokus der Weiterentwicklung gestellt werden.

    Ich sehe hier sehr den NFS im Fokus, der Patient dient nur als Mittel zum Zweck.



    Zitat

    Durch die Einbindung von Notfall-KTW, besetzt mit Rettungssanitätern, können niederschwellige Notfallsituationen gut versorgt werden. Durch Konzepte mit ergänzend eingesetzten Notfallsanitätern, zum Beispiel auf Rettungseinsatzfahrzeugen (REF), kann zusätzliche medizinische Kompetenz an den Einsatzort gebracht werden.

    Ernsthaft? Entweder ich habe einen Notfall, oder ich habe keinen. Dann sollte aber die höchste medizinische Kompetenz nachgefordert werden.


    Bekannte und zum größten sinnvolle Vorschläge, die aber durch ebenso bekannte nicht stimmige Kapriolen verwässert werden. Wenn ich in einem Positionspapier den Standesdünkel der Ärzte geißle, dann sollte ich nicht gleichzeitig einen Standesdünkel der NFS einführen.

  • Zitat

    Vernetzung von verschiedenen Hilfsdiensten unter dem Dach der kommunalen Einsatzleitstellen


    Aktuell werden Hilfeersuchen je nach angesprochener Institution durch Entsendung unterschiedlicher Hilfe beantwortet. Während die Einsatzleitstellen der Rettungsdienstträger in der Disponierung meist nur auf Krankentransportwagen, Rettungswagen oder Notarzt zurückgreifen können, kann die über die Kassenärztlichen Vereinigungen organisierte Zentrale wiederum nur den Kassenärztlichen Notdienst entsenden. Gerade dieses System unter der Rufnummer 116 117 hat in der Vergangenheit große Schwächen gezeigt und stellt keine eigenständige schlagkräftige Versorgungssäule dar. Durch Integration des Kassenärztlichen Notdienstes in die sehr effektiv arbeitenden Einsatzleitstellen mit entsprechender Dispositionshoheit entstünde neben dem Notfalldienst, der durch den Rettungsdienst abgeleistet wird, eine zusätzliche Versorgungslinie unter dem Dach der Einsatzleitstellen. Diese kann dann für niederschwellige Einsätze genutzt und zielgerichteter disponiert werden.

    Ich finde diese Forderung absolut korrekt. Auch wenn meine Leitstelle nicht wirklich effektiv arbeitet (arbeiten kann) und ich persönlich auch wenig Lust hätte noch mehr Pillepalle am Telefon abfragen zu müssen, muss ich trotzdem anerkennen, dass eine Integration des ärztlichen Notdienstes in die integrierten Leitstellen, unter Nutzung (weniger) einheitlicher Notrufnummern, durchaus Sinn ergeben würde.


    Zitat

    SGB V wieder aufgreifen und novellieren Rettungsdienst ist nicht primär eine Transportleistung

    Wir setzen große Hoffnung in die kommende Bundesregierung in Bezug auf die Umsetzung der längst überfälligen Überarbeitung des SGB V. Aktuell sind die Leistungen des Rettungsdienstes im SGB V auf die Fahrtkostenerstattung reduziert.

    Wobei das den Rettungsdienst bisher ggf. davor bewahrt hatte, dass dieser dem gleichen Abrechnungswahnsinn unterworfen sein könnte, wie diese die Krankenhäuser das erdulden müssen. Wobei eine Änderung der Abrechnungsmodalitäten auch zu Rationalisierungsmaßnahmen im System Rettungsdienst führen könnte, wenn der betriebswirtschaftliche Druck auf das System wächst, weil nicht mehr jeder Scheiß, der transportiert wird, auch abgerechnet werden kann. Bisher wächst das System Rettungsdienst ja inflationär (das System wird immer mehr aufgeblasen, immer mehr RTW).


    Zitat

    Berufsattraktivität durch Verantwortung Fachkräftemangel bekämpfen

    Die große Anziehungskraft des Notfallsanitäterberufs liegt im großen eigenverantwortlichen Handlungsrahmen. Die Umsetzung der erlernten Maßnahmen bei der Patienteneinschätzung und die Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen sind ein zentraler Baustein der Berufsattraktivität.

    Das mag hier und da ggf. stimmen - das kann ich nicht abschließend beurteilen. Hier haben wir zu mindestens das Glück, dass wir recht Retter-verbundene ÄRLD haben, die auch zu Zeiten des RettAss schon recht viele Maßnahmen freigegeben hatten. Hier frustet es die NotSan eher, dass sie die Maßnahmen, die sie ergreifen dürfen, so selten zum Einsatz kommen, weil immer mehr RTW immer mehr Mist fahren. Kritik üben möchte ich jedoch gerne an der Annahme, dass eine Attraktivität nur anhand fachlicher Aufgaben, hier an medizinischen Maßnahmen und der damit natürlich einhergehenden Verantwortung, gebunden sein könnte. Ein Beruf wird durch einige Dinge mehr attraktiv (oder eben nicht). Neben der eigentlichen Tätigkeit spielen hier die Arbeitsbedingungen eine wesentliche Rolle. Solange aber noch keine wirkliche 38,5 Stunden Woche eingeführt worden ist, solange Verwaltungsmenschen ohne rettungsdienstliche Expertise die Hoheit über die Fahrzeugbeschaffung haben und wichtige Einrichtungen zum Gesundheits- und Arbeitsschutz nicht umgesetzt werden, solange sich Personal Gedanken darüber macht wie diese den Job bis 67 (bald sicher länger) durchhalten sollen, solange ein Schlosser mit Hauptschulabschluss bei VW 1.000 Euro Netto mehr verdienen kann wie ein NotSan (oder auch eine Krankenschwester oder eine Hebamme), solange werden NotSan auch weiterhin abwandern in andere Berufe. Ein Teil verliert der RD (hier) jedes Jahr an das Medizinstudium (was ich durchaus okay finde), an einige wenige andere Studiengänge/Berufe und vor allem auch an die Berufsfeuerwehren, wo der NotSan nur noch die Hälfte an RTW-Diensten fahren muss, ab 50 gar kein RTW mehr und mit 60 in Pension gehen kann. Und das ganze auch noch mit deutlich mehr Geld. Und wenn man da mal länger krank ist - kein Problem. Dann wäre da noch die Art und Weise der Menschenführung. Kein Mitarbeiter hat heutzutage noch Bock sich im Alltag mit autoritären Führungsmethoden beschäftigen zu müssen. Da geht noch einiges. Auch finden wir jedes Jahr neue Azubis. Im Regelfall kann man damit aber auch nur den jährlichen Verlust wieder ins Gleichgewicht bringen. Ich finde, dass wir uns nicht nur auf die Weiterentwicklung von Maßnahmen versteifen sollten (die durchaus wichtig sind - keine Frage), sondern uns auch um andere durchaus sehr wichtige Dinge kümmern sollten, die den Beruf des Notfallsanitäters / der Notfallsanitäterin attraktiv machen (würden). Die Fentanyl-Spritze in der Hand und klatschen alleine wird da nicht reichen...

  • Ich finde diese Forderung absolut korrekt. Auch wenn meine Leitstelle nicht wirklich effektiv arbeitet (arbeiten kann) und ich persönlich auch wenig Lust hätte noch mehr Pillepalle am Telefon abfragen zu müssen, muss ich trotzdem anerkennen, dass eine Integration des ärztlichen Notdienstes in die integrierten Leitstellen, unter Nutzung (weniger) einheitlicher Notrufnummern, durchaus Sinn ergeben würde.

    Die 116 117 wurde in BW bisher in (fast?) allen Fällen durch die Integrierten Leitstellen abgefragt; das fand ich ziemlich praktisch. Die KV hat nunmehr aber ein eigenes Callcenter aufgesetzt; zum Jahresende müsste die Migration überall abgeschlossen sein. *schulterzuck*

  • Die 116 117 wurde in BW bisher in (fast?) allen Fällen durch die Integrierten Leitstellen abgefragt; das fand ich ziemlich praktisch. Die KV hat nunmehr aber ein eigenes Callcenter aufgesetzt; zum Jahresende müsste die Migration überall abgeschlossen sein. *schulterzuck*


    Gestern Abend hing ich dort über 20 Minuten in der Warteschleife ohne Durchkommen. Mit der Weiterleitung über die Leitstelle mit der Pro-Nummer waren es 12 Minuten. Dann wundert es einen nicht, dass immer mehr Hausarzteinsätze auf der 112 auflaufen.

  • Gestern Abend hing ich dort über 20 Minuten in der Warteschleife ohne Durchkommen. Mit der Weiterleitung über die Leitstelle mit der Pro-Nummer waren es 12 Minuten. Dann wundert es einen nicht, dass immer mehr Hausarzteinsätze auf der 112 auflaufen.

    Och, das kann Dir hier auch über 112 und 19222 passieren, dass minutenlang niemand dran geht.

  • Ich habe mal einen Arzt für meinen Sohn gebraucht bzw ich wusste das unser Kinderarzt Notdienst hat. Am Ende war ich über 2 Stunden in der Warteschleife und dann immer noch auf Platz 9 der Warteschlange. Ich habe dann aufgelegt, weil meine Frau mit meinem Sohn in der Zwischenzeit zur Praxis des Arztes gefahren ist und als diese Weg war 25 Minuten zum nächsten Krankenhaus. Dort hat Sie 15 Minuten in der Portalpraxis gewartet und wurde dann in die Notaufnahme geschickt nach knapp 1 Stunde mein Sohn behandelt wurde.


    Ich verstehe seit dem auch, warum ich zu schlechtem AZ mit dem RTW rolle. Weil jemand der sich wirklich sorgen um seinen Angehörigen macht wartet nicht so lange.

  • Also laut Andreas Gassen, dem Chef der KBV, ist die 116117 ein voller Erfolg, und die Anrufer mehrheitlich sehr zufrieden mit dem Service...

    Vielleicht wurden aber nur die wenigen befragt, die irgendwann mal durchgekommen sind.

  • Also laut Andreas Gassen, dem Chef der KBV, ist die 116117 ein voller Erfolg, und die Anrufer mehrheitlich sehr zufrieden mit dem Service...

    Vielleicht wurden aber nur die wenigen befragt, die irgendwann mal durchgekommen sind.

    Na, wenn der das sagt, kann man ja schonmal davon ausgehen, dass das Gegenteil stimmt. :grinning_face_with_sweat:

  • Also laut Andreas Gassen, dem Chef der KBV, ist die 116117 ein voller Erfolg, und die Anrufer mehrheitlich sehr zufrieden mit dem Service...

    Nun ja, laut Andreas Gassen sollte man sich auch vor „Alarmismus“ in der Coronakrise hüten (10/2020) und 6-7 Wochen nach einem "Freedom Day" alle Restriktionen fallen lassen (09/2021). Insofern ...

  • Also laut Andreas Gassen, dem Chef der KBV, ist die 116117 ein voller Erfolg, und die Anrufer mehrheitlich sehr zufrieden mit dem Service...

    Vielleicht wurden aber nur die wenigen befragt, die irgendwann mal durchgekommen sind.

    KBV-Gassen: Viel Meinung, wenig Ahnung, und seeeeehr viel Lobbyismus.

    "We are the Pilgrims, master; we shall go
    Always a little further: it may be
    Beyond that last blue mountain barred with snow,
    Across that angry or that glimmering sea,


    White on a throne or guarded in a cave
    There lives a prophet who can understand
    Why men were born: but surely we are brave,
    Who take the Golden Road to Samarkand."


    James Elroy Flecker

  • Kurz mal nachdenken, wer in den letzten Jahren hier eine Vorbildfunktion eingenommen hat….. Der DBRD und sein König? Leider nein.

    Zitat

    Auseinandersetzungen berufspolitischer Natur, insbesondere zwischen Notärzten und Notfallsanitätern, müssen wieder auf die Sachebene und zu einer konstruktiven Form der Auseinandersetzung zurückgeführt werden.

    "We are the Pilgrims, master; we shall go
    Always a little further: it may be
    Beyond that last blue mountain barred with snow,
    Across that angry or that glimmering sea,


    White on a throne or guarded in a cave
    There lives a prophet who can understand
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    Who take the Golden Road to Samarkand."


    James Elroy Flecker

  • Nun ja, laut Andreas Gassen sollte man sich auch vor „Alarmismus“ in der Coronakrise hüten (10/2020) und 6-7 Wochen nach einem "Freedom Day" alle Restriktionen fallen lassen (09/2021). Insofern ...

    und die Impfzentren braucht es auch nicht, weil die Hausärzte das alles schaffen….

    "We are the Pilgrims, master; we shall go
    Always a little further: it may be
    Beyond that last blue mountain barred with snow,
    Across that angry or that glimmering sea,


    White on a throne or guarded in a cave
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    Why men were born: but surely we are brave,
    Who take the Golden Road to Samarkand."


    James Elroy Flecker