Lenkung Patientenstrom

  • Ist das nur im www. oder vor Ort auf einem Bildschirm?

    raphael-wiesbaden


    Artikel 1
    (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.


    Selig sind die geistig Armen - nur: kann der Himmel die ganzen Seligen auch wirklich aufnehmen ?

  • Im www damit der Aspirant sich entscheiden kann ob er in die NA muss. Deswegen noch der Chatbot und die Hotline. Vor Ort, soweit ich weiß nicht. Aber ich werde es mal versuchen zu erheben.

  • Solange 3h Wartezeit in der ZNA schneller ist als 116117 wird das keinen unterschied machen.

    Under pressure, you don't rise to the occasion. You sink to your level of training.

  • In RLP wurden einige Bereitschaftspraxen, die sonst jede Nacht geöffnet waren, zum Jahreswechsel 23/24 teilweise in ihren Öffnungszeiten eingeschränkt, teilweise komplett geschlossen. Das heißt, wo sollen die Leute zukünftig alle hin? Irgendwann kann man es den Leuten eben auch nicht mehr übel nehmen, wenn sie sich das mit akutem Durchfall oder ähnlichem in die ZNA begeben, wenn alle anderen nächtlichen Anlaufstellen wegbrechen.


    Beispiel: Idar-Oberstein. Da hat die Schließung der Bereitschaftspraxis sicherlich zum Anstieg der Patienten in der Notaufnahme um 25% im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat beigetragen. (Quelle: https://www.aerztezeitung.de/P…-Notaufnahmen-446975.html)

    Außerdem habe ich von einigen Schließungen von Notaufnahmen und Fachabteilungen in Kliniken meiner Heimatregion gehört, die mir die Fußnägel hochrollen lassen.


    Eigentlich bin ich Optimist, aber ich weiß nicht, wie das alles weitergehen soll.

  • Irgendwann kann man es den Leuten eben auch nicht mehr übel nehmen, wenn sie sich das mit akutem Durchfall oder ähnlichem in die ZNA begeben, wenn alle anderen nächtlichen Anlaufstellen wegbrechen.

    Mit Durchfall einige Stunden in der Notaufnahme warten zu müssen, könnte für alle Anwesenden eine beschissene Situation werden.

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • In RLP wurden einige Bereitschaftspraxen, die sonst jede Nacht geöffnet waren, zum Jahreswechsel 23/24 teilweise in ihren Öffnungszeiten eingeschränkt, teilweise komplett geschlossen. Das heißt, wo sollen die Leute zukünftig alle hin? Irgendwann kann man es den Leuten eben auch nicht mehr übel nehmen, wenn sie sich das mit akutem Durchfall oder ähnlichem in die ZNA begeben, wenn alle anderen nächtlichen Anlaufstellen wegbrechen.

    Das ist auch kein Problem; Patienten mit undringenden Erkrankungen belasten Notaufnahmen nicht wirklich, vgl. @ahueb et. al. - die gehören fast alle dahin.

  • Diese Aussage dürfte vermutlich in jeder deutschen Notaufnahme für vehementen Widerspruch sorgen.

    Beim Durchlesen des Tweets fällt auch auf, woher die Diskrepanz um den Faktor 5-10 zwischen "gefühlten" und tatsächlichen Zahlen kommt. Als "Notaufnahme nicht indiziert" wurden Patienten mit dem Dringlichkeitslevel 5 eingestuft.

    Nun fand ich leider bei kurzer Online-Recherche nichts greifbares über die "NHS Acuity Levels", sie dürften aber durchaus mit dem bekannten, ebenfalls fünfstufigen MTS vergleichbar sein. Bereits geringfügige, subjektive Beschwerden wie Schmerzen (gleich welcher Intensität) oder Übelkeit sind ausreichend, um dort die niedrigste Triagestufe nach oben zu verlassen.
    Sollte also tatsächlich, wie von mir behauptet, eine Vergleichbarkeit unterstellt werden können, so findet man das Gros der nicht in eine Notaufnahme gehörigen Patienten in der zweitniedrigsten Dringlichkeitsstufe.


    Davon abgesehen: Was sollen die Leute machen? Meine Stieftochter flog mit 18 Jahren aus der kinder- und jugendärztlichen Versorgung raus. Im Umkreis von 50km gibt es keinen Allgemeinmediziner, der sie aufnimmt. Bei der Frauenärztin bekommt sie nur mit einigen Wochen Vorlauf Termine. Bleibt der qualitativ unterirdische kassenärztliche Notdienst (hierzuort werden 75% der Dienste von einer pensionierten Neurologin abgedeckt, die entweder Ciprofloxazin verschreibt oder ins Krankenhaus einweist) ...

  • Diese Aussage dürfte vermutlich in jeder deutschen Notaufnahme für vehementen Widerspruch sorgen.

    Die Autorin des Tweets - nicht der Studie - arbeitet in Deutschland, und das scheint mir auch keine ganz vereinzelte Stimme zu sein (@GERpocus).

    Bereits geringfügige, subjektive Beschwerden wie Schmerzen (gleich welcher Intensität) oder Übelkeit sind ausreichend, um dort die niedrigste Triagestufe nach oben zu verlassen.

    Das ist nur konsequent, denn ein medizinischer Notfall liegt bereits vor, wenn "der/die Patient*in" eine unverzügliche medizinische Betreuung als notwendig erachtet", so die "internationale und nationale Definition durch die notfallmedizinischen Fachgesellschaften" (Stellungnahme der DGINA).

    Davon abgesehen: Was sollen die Leute machen? Meine Stieftochter flog mit 18 Jahren aus der kinder- und jugendärztlichen Versorgung raus. Im Umkreis von 50km gibt es keinen Allgemeinmediziner, der sie aufnimmt. Bei der Frauenärztin bekommt sie nur mit einigen Wochen Vorlauf Termine.

    Dann ist es doch gut, dass ein Crowding der Notaufnahmen nicht durch zu viele "leichte" Fälle entsteht und der Patient selbst entscheidet, ob er ein Notfall ist.

  • Dann sollte ich dringend meine Fehlfahrt Quote überdenken und mehr Verständnis für die ILS Kollegen zeigen, die zu jedem Hilfesuchenden einen RTW entsenden...


    Oder verstehe ich thh's Ironie gerade nicht.

  • Ich gehe mal davon aus, dass Gesetze einen höheren Stellenwert als Stellungnahmen von Fachgesellschaften haben.
    Also für B-W:

    Zitat von §1, Abs. 2, S.2

    Notfallpatienten sind Kranke oder Verletzte, die sich in Lebensgefahr befinden oder bei denen schwere gesundheitliche Schäden zu befürchten sind, wenn sie nicht umgehend medizinische Hilfe erhalten.

    In den anderen (konkret bekannt: NRW, Nds) gibt es ähnliche bzw. gleiche Formulierungen.


    Edit: Mir ist bekannt, dass dies nicht für Notaufnahmen gilt.

  • Ich gehe mal davon aus, dass Gesetze einen höheren Stellenwert als Stellungnahmen von Fachgesellschaften haben.

    Ich gehe davon aus, dass die Aussage ironisch gemeint war, ansonsten würde thh in der Ansicht schwanken, was Notfallpatienten sind: Ersteinschätzung in der Notfallversorgung: G-BA klagt gegen Ministerium

  • Ich gehe davon aus, dass die Aussage ironisch gemeint war, ansonsten würde thh in der Ansicht schwanken, was Notfallpatienten sind: Ersteinschätzung in der Notfallversorgung: G-BA klagt gegen Ministerium

    Meine Meinung dazu ändert sich nicht; entscheidend ist aber nicht, was ich denke, sondern was medizinische Fachgesellschaften und diejenigen, die bspw. in Notaufnahmen unmittelbar betroffen sind, denken. Ich bin durchaus bereit, dazuzulernen - es ist ja positiv, wenn "low code"-Patienten in Notaufnahmen nicht das Problem sind, sondern ein Exit-Block. Dann kann man das offensiv bewerben und die Notaufnahme zum One-Stop-Shop für alle medizinischen Anliegen machen, Notfallpraxen und den ÄBD der KV weitgehend eliminieren und die dort gesparten Mittel dann für den Ausbau der klinischen Kapazitäten nutzen, um so einen zügigen Patientenablfluss aus der Notaufnahme zu ermöglichen. Wenn man das Problem falsch sieht, findet man eben auch keine richtige Lösung.