Katastrophenschutzübung in Berlin abgebrochen

  • Zustimmung dazu.


    Wobei man halt auch ehrlich sagen muss:

    Es muss halt einmal auch öffentlich gemacht werden und der Diskurs geführt werden,wie man damit umgehen will.

    Das kann auch heißen,dass man Einheiten zusammenlegt, Fähigkeiten mit anderen Fachdiensten teilt,etc.

    Fakt ist: So wie es jetzt ist,kann es eigentlich nicht weiter gehen, komischerweise hören wir als externe aber von den Verantwortlichen der Einheiten ein "alles gut". Selbst auf direkt Nachfragen zu Personalsituationen - da herrscht tlw. immer noch viel Angst als Nestbeschmutzer zu gelten.

  • Ich sehe diese Weltuntergangsstimmung bezüglich der weißen KatS Einheiten in meinem Sichtbereich nicht.

    - Durch die vom Land aufgebläten Strukturen besetzen wir unsere Einheiten nicht mehr doppelt, haben aber eher mehr im Einsatzfall verfügbares Personal als vor 10 Jahren

    - Wir sind Materiell sehr viel besser Ausgestattet als vor 10 Jahren (wobei da auch sehr viel Spendengeld reingeflossen ist). Wo wir früher eine Notunterkunft für 50 Personen aufbauen konnten können wir das jetzt für 500.

    - Natürlich ist die Qualifizierung der Helfenden auch bei uns ein Thema. Wir bilden RS aus aber zu wenige und diese haben häufig zu wenig Einsatzpraxis. Die Zahl der Ärzte, NFS, und Pflegepersonen könnte auch größer sein. Dafür haben wir aber z.B. Elektrotechnisch unterwiesene Personen für die Stromerzeuger selber ausbilden können oder unsere PSNV-Staffel hat mehr als die Doppelbesetzung.

    - Das ganze Funktioniert aber nur mit Einsätzen. Hier wird Ehrenamt ab 8 Patienten (MANV 15) in relevantem Umfang alarmiert dazu kommen noch die Betreuung von Fahrgästen wenn die Züge wetterbedingt mal wieder an kleinsten Haltepunkten stoppen.

  • Und hier "kochen" einige Einheiten Essen, wenn die FW mal wieder länger löschen muss...

    So unterschiedlich werden die Einheiten eingesetzt.


    Es zeigt sich immer wieder, je urbaner desto weniger der Rückgriff auf die Einheiten der HiOrg. Zumindest in NRW.

    Schade eigentlich.

  • Interessanter Vorgang, von vorne bis hinten.

    Wer notwendige Fragen nach "Konditionen" nicht beantwortet, der darf sich nicht wundern, wenn er dafür keine Leistung erhält.

    Hinsichtlich der Freistellung gibt es neben den Regelungen der "Lohnfortzahlung" aber mittlerweile ganz andere Hürden. Auch Samstags.

    Den Arbeitgebern ist es mehr oder weniger egal, ob sie Geld bekommen, wenn der Helfende in den Einsatz, oder in die Übung geht. Dem fehlt schlichtweg die Arbeitskraft. Und viele Arbeitgeber können sich diesen Ausfall nicht erlauben. Lohnfortzahlung hin oder her. Wenn ich einen Kunden nicht bedienen kann und diesen verärgere, weil mein Lackierer statt in der Bude zu malochen zur Übung fährt, dann interessiert mich der spitz abgerechnete Lohnersatz nicht. Für einen Einsatz, bei dem Menschen echt in Not sind, ist die Fähigkeit, diesen Leidensdruck auszuhalten, viel größer.

    Und in dem Dilemma stehen viele unserer Helfenden.

    Dazu kommt, daß Motivation sehr eng mit dem Gefühl verknüpft ist, "gebraucht" zu werden.

    Eine sinnvolle AAO mit einem relativ niederschwelligen und zuverlässigen Ansatz, Hiorg einzubinden, ist ein Grundstein für eine leistungsfähige Gefahrenabwehr.

    Wenn Feuerwehren den Ansatz verfolgen, alles alleine gut zu können und Betreuungszelte auf HLF packen, oder statt des vorhandenen GWSan einzubinden, lieber Gerätewagen Rettungsdienst anschaffen, dann muss man sich über nichts wundern. Eine Alarmierung alle 10 Jahre führt nicht zu einer leistungsfähigen Gefahrenabwehr.

    Ich bin nur für das verantwortlich, was ich schreibe...
    ...nicht für das, was Du verstehst!!!

  • Da ich mich gerade wieder 45 Minuten lang mit den unrealistischen Vorstellungen der Politik auseinandersetzen musste, passt das ganz gut. Denn das Dilemma der Helfer ist auch das Dilemma der Gefahrenabwehr-/Katastrophenschutzbehörde. Vielleicht muss man sich vermehrt Gedanken machen, dass bestimmte Leistungen nicht mehr rein ehrenamtlich erbracht werden können. Bei einem kleinen MANV-Einsatz mit 10-20 Patienten 45-60 Minuten warten zu müssen, bis ein ehrenamtlicher GW-San abrückt, geht eben nicht. Daher stehen GRTW und GW-Rett auf den Feuerwachen und werden mit NotSan vom Löschzug besprungen. Wenn man nicht mehr üben kann, funktioniert es auch im Einsatz nicht (wie soll man etwas können, was man nie macht?). Es werden immer mehr Einheiten aufgestellt, für das es kein Personal mehr gibt. Und selbst wenn es das geben würde, ist die Ausbildung für einen Ehrenamtlichen zeitlich nicht schaffbar, weil diese zu umfangreich ist. Und selbst wenn das auch noch möglich wäre, so gibt es nicht genug Fahrzeuge und Gerät (Bund, Land und Kreis, egal wer), um dieser Aufgabe nachzukommen. Hier wartet man oft sogar eher Jahrzehnte wie Jahre. Unterkunft/Wache und Stellplätze? Aber machen soll ich das trotzdem, das es funktioniert. Scheiße fällt von oben nach unten. Probleme will man "oben" nicht hören, sondern Lösungen und Vollzug. Tja, und nun?

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • Vielleicht muss man sich vermehrt Gedanken machen, dass bestimmte Leistungen nicht mehr rein ehrenamtlich erbracht werden können.

    Ich bin absolut bei Dir!


    Bei einem kleinen MANV-Einsatz mit 10-20 Patienten 45-60 Minuten warten zu müssen, bis ein ehrenamtlicher GW-San abrückt, geht eben nicht. Daher stehen GRTW und GW-Rett auf den Feuerwachen und werden mit NotSan vom Löschzug besprungen

    Wenn man so lange warten muss, kann man keinen GWSan einbinden. Absolute Zustimmung.

    Ich bin in einer "Teileinheit" tätig, die sehr kooperativ eingebunden ist. Wir stellen den GWSan für die Einrichtung einer PAL. Das Fahrzeug rückt mit Zeitwerten aus, die denen einer freiwilligen Feuerwehr entsprechen. Und alle wissen: knallt es mit >5 Verletzten, wird alarmiert. Ohne Wenn und Aber. Ohne "gucken wir erstmal in Ruhe." ohne "Ah, das bekommt der Regel-RD schon alleine hin".

    Was das mit der Motivation macht, ist eindrucksvoll. Klar kommt es zu Alarmierungen, die hinterher nicht nötig waren. Aber es geht im Falle der Erfordernis keine unnötige Zeit verloren und das Verständnis ist da, dass nach klaren Kriterien alarmiert wird. Stichwort: "Zuverlässigkeit".

    Aus meiner Erfahrung sind bei Einsätzen dieser Art diese "NotSan vom Löschzug" mit anderen Aufgaben betraut. Denn Einsätze mit GWSan sind seltenst welche, die keine Feuerwehr-Einsätze sind. Sei es technische Hilfe, oder Brandbekämpfung.

    Es werden immer mehr Einheiten aufgestellt, für das es kein Personal mehr gibt.

    In NRW dämmert diese Erkenntnis langsam und ich prophezeie, dass der unfreiwillige Wegfall von Einsatzeinheiten fortgeführt wird und neue Konzepte hervorbringen wird, die weniger personalintensiv sind. Erste Vorschläge liegen auf dem Tisch.

    Und selbst wenn es das geben würde, ist die Ausbildung für einen Ehrenamtlichen zeitlich nicht schaffbar, weil diese zu umfangreich ist.

    "Nicht schaffbar" höre ich insbesondere dann, wenn eine Qualifikation verlangt wird, die dann aber niemand abruft. Der "Papier - Gruppenführer" hat weniger Lust seien Freizeit zur fachlichen Ertüchtigung zu investieren, als der, der hinterher regelmässig zum Einsatz alarmiert wird und tatsächlich Gruppen führt.

    Aber dennoch ist das durchaus ein Problem.


    Zitat

    Tja, und nun?

    Das ist die Mutter aller Fragen! Keine Ahnung.

    Ich bin nur für das verantwortlich, was ich schreibe...
    ...nicht für das, was Du verstehst!!!

  • Das Fahrzeug rückt mit Zeitwerten aus, die denen einer freiwilligen Feuerwehr entsprechen.

    Hier scheint es regionale Unterschiede zu geben. Wenn Helfer aus einem Umkreis von bis zu 30 km anreisen müssen, dauert es eben. Wenn die Zuordnung der Helfer nicht wohnortbebunden erfolgt, wie bei der Feuerwehr, kann das auch nicht schneller gehen.


    Aus meiner Erfahrung sind bei Einsätzen dieser Art diese "NotSan vom Löschzug" mit anderen Aufgaben betraut. Denn Einsätze mit GWSan sind seltenst welche, die keine Feuerwehr-Einsätze sind. Sei es technische Hilfe, oder Brandbekämpfung.

    Absolut richtig. Vor allem bei Berufsfeuerwehren mit einer oder zwei Wachen wird sowas sehr schwierig. Bei mehr Wachen funktioniert das. Wenn es mehrere Einsätze gibt, wird es wieder eng. Kann da auch einige Geschichten erzählen, wo diese Doppel-Aufgaben-Verplanung schief gegangen ist. Die Frage ist dann aber, warum bestimmte Fw-Sonderfahrzeuge fest besetzt wird, ein GRTW oder GW-San jedoch nicht? Denn auch einige Sonderfahrzuge fahren nicht häufiger wie ein GRTW. Man braucht nur mehr Ausbildung für die Kiste (einen FwK bspw.).


    "Nicht schaffbar" höre ich insbesondere dann, wenn eine Qualifikation verlangt wird, die dann aber niemand abruft.

    In dem Fall ging es beispielsweise um die Vorgabe nahezu alle Helfer eines DekonV-Platzes zu RettSan auszubilden. Das wird schwierig werden, denn die Ausbildung braucht viel Zeit (oder anders: deutlich mehr Zeit wie Lehrgänge, die sonst so bei ehrenamtlichen Einheiten FF/HiOrg besucht werden). Praktikumsplätze sind auch kaum vorhanden, da diese primär für den Rettungsdienst ansich schon benötigt werden. Dann steht ggf. noch die RettSan-Ausbildung zur Disposition. Wenn diese auf 12 Monate ansteigt (was ich als Retter selbst sehr begrüßen würde), wird es für die Katastrophenschutz aber deutlich enger. KTW-B ZS oder GW-San mit RettSan zu besetzen wird dann noch schwieriger werden.

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • Um konkrete Beispiele wäre ich dankbar.

    Drei Hiorg in WI betreiben eine SEG. Wöchentlich wird gewechselt (1. - 3. Welle). Alle SEG kommen zu realen Einsätzen; z.B. bei Wohnhausbränden. Regelhaft besetzen die Betreuungs-SEG dann zusätzlich auch weitere Rettungsmittel was wiederum den regulären RD für das Tagesgeschäft zügig wieder freimacht.


    Nachtrag:

    Alle drei Hiorg versorgen natürlich auch grosse Sanitätsdienste.

    Um zu vermeiden das es bei einem grossen und personalintensivem Dienst zu Problemen bei der SEG-Alarmierung kommt kann der Wochenwechsel getauscht werden - was auch schon jede SEG gemacht hat.

    Eine Ausnahmesituation besteht beim Rosenmontag weil dann jeder den internistischen MANV in der Nachbarstadt sanitätsdienstlich mitbetreut.

    ABER: bei einer zeitgleichen Realalarmierung wäre das auch die schnellste Herstellung der Einsatzbereitschaft.

    raphael-wiesbaden


    Artikel 1
    (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.


    Selig sind die geistig Armen - nur: kann der Himmel die ganzen Seligen auch wirklich aufnehmen ?

    2 Mal editiert, zuletzt von raphael-wiesbaden () aus folgendem Grund: Nachtrag