Wer kommt wenn es knallt?

  • Artikel aus:

    Notfall und Rettungsmedizin




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    raphael-wiesbaden


    Artikel 1
    (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.


    Selig sind die geistig Armen - nur: kann der Himmel die ganzen Seligen auch wirklich aufnehmen ?

    Einmal editiert, zuletzt von raphael-wiesbaden ()

  • Zitat

    - Doppelrollen und berufliche Verpflichtungen schränken die Verfügbarkeit erheblich ein.

    - Nur ein Drittel der Ehrenamtlichen ist jederzeit verfügbar.

    - Hauptgrund für Nichtverfügbarkeit ist die berufliche Tätigkeit, besonders bei KRITIS und Ärzt:innen.

    - Geringere Arbeitszeit fördert Engagement und Verfügbarkeit.

    - Die Freistellungsquote ist niedrig, besonders außerhalb von THW und Feuerwehr.

    Ohne den Beitrag aus der Notfall+Rettungsmedizin zu kritisieren, muss ich sagen, dass genau diese Dinge eigentlich (zu mindestens gefühlt) alle bekannt sind. Der Politik übrigens auch (beispielsweise das Problem mit der Freistellung von HiOrg-Helfern).


    Witzig finde ich in dem Zusammenhang, dass eine geringere Arbeitszeit das Engagement und die Verfügbarkeit erhöht. Ja, würde ich sofort unterschreiben. Jetzt wo seit Wochen immer zu in der Politik und Wirtschaft über Dinge gesprochen wird, wie man uns Arbeitnehmer weiter ausquetschen kann (Erhöhung der Wochenarbeitszeit, Rente, usw.).

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • Witzig finde ich in dem Zusammenhang, dass eine geringere Arbeitszeit das Engagement und die Verfügbarkeit erhöht. Ja, würde ich sofort unterschreiben. Jetzt wo seit Wochen immer zu in der Politik und Wirtschaft über Dinge gesprochen wird, wie man uns Arbeitnehmer weiter ausquetschen kann (Erhöhung der Wochenarbeitszeit, Rente, usw.).

    Es ist problematisch weil der Trend zur Freizeitgesellschaft ungebrochen ist.


    Das Schlagwort der "Sozialkompetenz" ist zwar allgegenwärtig aber m.E. machen hier alle Hiorg noch zu wenig Werbung.

    Warum soll ich um 03:00 Uhr zur Feuerwache eilen oder bei einem Volksfest Fingerkuppenpflaster anbringen?


    Die jetzt lfd. Diskussion über die Wiedereinführung der Wehrpflicht sehe ich als Chance.

    "Die Alten" werden sich erinnern das es neben dem Zivildienst auch die Möglichkeit gab über eine mehrjährige Dienstzeit im Katastrophenschutz "zu dienen".

    raphael-wiesbaden


    Artikel 1
    (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.


    Selig sind die geistig Armen - nur: kann der Himmel die ganzen Seligen auch wirklich aufnehmen ?

  • Ja, und die "Alten" wissen auch um die Motivation, Lust und Laune der im Katastrophenschutz Dienenden.


    Ist eben nicht mehr 1988, und mittlerweile sollte auch in diesen Einheiten modernes "Personalmanagement" angekommen sein, mit all seinen Vorteilen, die man den ehrenamtlichen Mitarbeitern so bieten kann. Idealerweise sind die einfach so "hochgespülten", "ich kenn den Chef persönlich" und "das haben wir schon immer so gemacht" Menschen nicht mehr in den Entscheidungspositionen.

    Die Feststellung, dass ja erstaunlicherweise bei den Hiorgs im Fall der Fälle eine Freistellung vom Arbeitgeber schwierig ist, wäre tatsächlich schonmal ein guter Ansatz für die Sicherheit ehrenamtlicher Mitarbeiter. Sinnvoll wäre hier mindestens eine Gleichstellung mit den Mitarbeitern des THW.


    Ansonsten ist das Führen und Pflegen der ehrenamtlichen Mitarbeiter eben auch kein "ich mach das mal so nebenbei" Job, sondern sollte vielleicht sogar komplett hauptamtlich stattfinden.

  • Idealerweise sind die einfach so "hochgespülten", "ich kenn den Chef persönlich" und "das haben wir schon immer so gemacht" Menschen nicht mehr in den Entscheidungspositionen.

    Im (ehrenamtlichen) HiOrg-Bereich sehr häufig (leider) noch nicht.

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • Die Feststellung, dass ja erstaunlicherweise bei den Hiorgs im Fall der Fälle eine Freistellung vom Arbeitgeber schwierig ist, wäre tatsächlich schonmal ein guter Ansatz für die Sicherheit ehrenamtlicher Mitarbeiter. Sinnvoll wäre hier mindestens eine Gleichstellung mit den Mitarbeitern des THW.

    Schleswig Holstein hat so etwas "Wenn die Leitstelle alarmiert gilt Freistellung und Lohnkostenfortzahlung". In Niedersachsen hatte die oppositionelle CDU vorgeschlagen die Regelung aus SH zu übernehmen, SPD und Grüne haben das im Innenausschuss abgelehnt. Eine mail zu dem Thema hat dann auch die örtliche Abgeordnete der Regierungsfraktionen auch erst gar nicht beantwortet.

    Da ist noch viel Luft nach oben.

  • Mit Sicherheit gibt es noch sehr viel Luft nach oben.

    Tatsache bleibt das alle Hiorg (inkl. THW und FF) mehr Leute für den Katastrophenschutz benötigen.


    Führungskräfteschulung bzw. ein Auswahlverfahren für Führungskräftenachwuchs (kein "Du machst das denn du bist schon 5 Jahre dabei...) ist nötig.

    raphael-wiesbaden


    Artikel 1
    (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.


    Selig sind die geistig Armen - nur: kann der Himmel die ganzen Seligen auch wirklich aufnehmen ?

  • ...

    Führungskräfteschulung bzw. ein Auswahlverfahren für Führungskräftenachwuchs (kein "Du machst das denn du bist schon 5 Jahre dabei...) ist nötig.

    Dazu müsste es erst einmal einheitliche Lehrgänge auf Landes oder gar Bundesebene geben.


    In den Bereich war die DDR der BRD sehr weit voraus. Material war knapp, aber in puncto Struktur und Orga deutlich besser unterwegs.

  • Tatsache bleibt das alle Hiorg (inkl. THW und FF) mehr Leute für den Katastrophenschutz benötigen.

    Man müsste Einsatz- und Fahrzeugkonzepte aus organisatorischer sowie technischer Sicht dem aktuellen Stand der Zeit anpassen. Oder anders: Mit weniger Einsatzkräften mehr schaffen.

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • Man müsste Einsatz- und Fahrzeugkonzepte aus organisatorischer sowie technischer Sicht dem aktuellen Stand der Zeit anpassen. Oder anders: Mit weniger Einsatzkräften mehr schaffen.

    Was heißt "schaffen" für dich ? An welche Lagen denkst du ? In Niedersachsen kommt nach dem Regelrettungsdienst ja der erweiterte Rettungsdienst, dann der kommunale Katastrophenschutz, dann die zentralen Landeseinheiten und dann die MTF. Wobei die Fahrzeuge der MTF auch im kommunalen KatS genutzt werden.

  • Was heißt "schaffen" für dich ? An welche Lagen denkst du ? In Niedersachsen kommt nach dem Regelrettungsdienst ja der erweiterte Rettungsdienst, dann der kommunale Katastrophenschutz, dann die zentralen Landeseinheiten und dann die MTF. Wobei die Fahrzeuge der MTF auch im kommunalen KatS genutzt werden.

    An konkrete Lagen dachte ich dabei nun erst einmal gar nicht. Sondern tatsächlich nur an Organisation und Technik. Wenn Teile eines BHP-50 im Jahr 2025 beispielsweise immer noch aus Zelten mit Aluminium- bzw. Stahlgerüsten bestehen, dann brauche ich dafür mehr Personal und habe dieses länger gebunden, wie für ein aufblasbares Zelt. Neben Technik ist auch die Organisation ein Punkt. Hier beispielsweise die "Löschgruppe im Einsatz". Viele Feuerwehren verzichten bei Neubeschaffungen bereits auf den Platz des Melders. Eine Funktion, die durch Organisation und Technik heutzutage kaum noch gebraucht wird.


    Was die Einheiten bzw. verschiedenen Ebenen betrifft: Problematisch ist u.a. auch, dass das gleiche Personal für eRD (oder GSE, die Bezeichnungen sind ja nicht einheitlich), für SEG und für die KatS-Einheiten verplant ist. Das sehe ich sehr kritisch, da diese lokal durchaus gleichzeitig zum Einsatz kommen können. Bei Sonderheiten des Landes (FüZ-L, Dekon-V, usw.) und der MTF sehe die Probleme nicht zwingend, da diese regelhaft überörtlich eingesetzt werden sollen. Das Ü-MANV-Konzept in Niedersachsen wird (gefühlt) auch nicht so richtig gelebt. Ich habe in all den Jahren nur einmal eine konkrete überörtliche Anforderung von zwei Ü-MANV-S Einheiten erlebt. Ich glaube, da ist noch Luft nach oben, was die Organisation von überörtlicher Hilfe und eRD (oder GSE, wie auch immer) betrifft. Man sollte hier vor allem die KatS-Einheiten raus lassen und mit dienstfreien Kräften arbeiten. Bei ("weißen") KatS-Einheiten sollte überlegt werden, ob gemischte Aufgaben (Sanität, Betreuung, Technik) noch zeitgemäß sind? Können alles, aber nichts ausreichend gut.

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • An konkrete Lagen dachte ich dabei nun erst einmal gar nicht. Sondern tatsächlich nur an Organisation und Technik.

    Ohne zu Wissen was ich erreichen möchte, kann ich nicht prüfen ob meine Planung zum Ziel passt.


    Zum Einsatz von Ehrenamtlichen: RD Personal kann gut einzelne Patienten versorgen, die taktischen Möglichkeiten der Strukturierung und den technischen Umgang mit einem GW-San (z.B. damit niemand frieren muss) können die Ehrenamtlichen (nach meiner Erfahrung) besser. Der Mix wird es machen.


    Und ein weiterer Punkt: wie motiviert sind die Ehrenamtlichen wenn für 15 Patienten nur dienstfreies Personal kommt. Die 400 Patienten MANV (wie Magdeburg) sind glücklicherweise sehr selten.


    Zum Ü-ManV Konzept: Ü-ManV-S ist völlig sinnlos. In den AAO sind doch NA, davon RTH und RTW hinterlegt. MANV-T und MANV-PA werden zumindest bei uns so alarmiert.

  • Ohne zu Wissen was ich erreichen möchte, kann ich nicht prüfen ob meine Planung zum Ziel passt.

    Na dann ...


    Zum Einsatz von Ehrenamtlichen: RD Personal kann gut einzelne Patienten versorgen, die taktischen Möglichkeiten der Strukturierung und den technischen Umgang mit einem GW-San (z.B. damit niemand frieren muss) können die Ehrenamtlichen (nach meiner Erfahrung) besser. Der Mix wird es machen.

    Mir ging es um die doppelte Verplanung von ehrenamtlichen Kräften im eRD/GSE, SEG und KatS. Es war keine generelle Anspielung auf Hauptamt vs. Ehrenamt.


    Ansonsten müsste generell auch die Frage gestellt werden, warum wir uns noch SEG und KatS leisten, wenn der eRD/GSE bereits (zu viele) Einheiten und Aufgaben vorhält, die eigentlich zur SEG / zum KatS gehören? So richtig sinnvoll finde ich das (auch) nicht, welchen Weg Niedersachsen hier eingeschlagen hat. Eigentlich sollte es hier um eine geringfügige Aufstockung (NEF, RTW, NKTW) von Rettungsmitteln gehen, um einen Spitzen- (Hitzewelle, Eisregen) oder Sonderbedarf (Auffüllung durch überörtlichen Einsatz) kompensieren zu können. Das kann gut hauptamtlich gelöst werden (Rufdienste).


    Und ein weiterer Punkt: wie motiviert sind die Ehrenamtlichen wenn für 15 Patienten nur dienstfreies Personal kommt. Die 400 Patienten MANV (wie Magdeburg) sind glücklicherweise sehr selten.

    Da bin ich absolut bei Dir. Allerdings haben wir das Problem schon heute. Die Anzahl der Einsätze von SEG/KatS-Einheiten hat die letzten 30 Jahre massiv abgenommen. Zu mindestens in meiner Ecke. Hier bekommt man 15 Patienten als RD alleine abgefrühstückt. Wohl auch ein Grund, warum die SEG-Einsätze so stark abgenommen haben. Alleine die Vorhaltung des RD ist in der Zeit massiv explodiert (ja, die Auslastung auch), so dass der RD auch gar nicht mehr so schnell überfordert ist wie dieses vor 30 Jahren der Fall war. Schön ist das sicher nicht, wenn man an die Motivation der Helfer denkt. Eine Patentlösung habe ich dafür aber auch nicht.


    Zum Ü-ManV Konzept: Ü-ManV-S ist völlig sinnlos. In den AAO sind doch NA, davon RTH und RTW hinterlegt. MANV-T und MANV-PA werden zumindest bei uns so alarmiert.

    Als Leitstellendisponent ist es in einer besonders stressigen MANV-Lage deutlich einfacher, wenn über eine vordefinierte Nomenklatur Einheiten abgefordert werden können. Da es in Niedersachsen auch noch keine Vernetzung der Leitstellen gibt, muss (mehrmals) der Telefonhörer in die Hand genommen werden. Da das Land Niedersachsen auch Ü-MANV-Einheiten anhand der Größe des Rettungsdienstbereiches definiert, kann auch gezielt(er) angefordert werden. So sinnlos finde ich daher eine Ü-MANV-S Einheit (NEF, 2x RTW) nicht. Das geht auch mit einer bestehenden AAO ganz gut.


    Das Land Niedersachsen hält übrigens auch eine Leitstelle vor, die bei einem MANV ganz gezielt Luftrettungsmittel überregional (auch aus anderen Bundesländern) heranführen könnte, was örtliche Leitstellen entlasten könnte. Diesen "Service" habe ich während meiner Leitstellenzeit auch einige Male für andere Leitstellen übernommen.


    Das bei Dir sonstige Ü-MANV-Einheiten abgerufen werden, ist zu mindestens erfreulich. Ich habe das in meiner ehemaligen Leitstelle und auch durch benachbarte Leitstellen nur einmal erleben dürfen.

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • Das kann gut hauptamtlich gelöst werden (Rufdienste).

    Weil so viel Personal da ist, dass man in die Dienstpläne auch noch Bereitschaft integrieren könnte?

    They say God doesn't close one door without opening another.

    Please, God, open that door. :oncoming_fist_light_skin_tone:

  • Ganz genau.

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.