Notfallreform - Referentenentwurf vom 17.11.2025

  • Die Anzahl der ärztlichen Köpfe hat in den letzen 35 Jahren um etwa 60% zugenommen.

    und was soll mir das Statement jetzt sagen? Das mag ja so stimmen, dummerweise tummeln sich die Köpfe aber leider eben nicht in der Fläche und eher auch in den niedergelassenen Praxen her. Wenn mein heute 74-jähriger Hausarzt sich denn mal durch aktiven Renteneintritt aus dem Berufslebensstaub macht, wird es mindestens drei neue Köpfe brauchen, um die in der Praxis vorhandenen Patienten auch bedienen zu können... Life-Work-Balance und so....

  • Die Anzahl der Patienten auch. Und die ärztlichr Demographie im niedergelassenen Bereich ist katastrophal.

    Alternde Bevölkerung, dazu viele Ärzte und besonders Ärztinnen in Teilzeit und darüberhinaus die Einführung von Arbeitszeitregelungen. Bereitschaftsdienste sind auf dem Rückzug, stattdessen personalintensiver Schichtdienst, Reduzierung der Dienste, Reduzierung der Wochenende.

    Die effiziente Arbeitskraft pro Arzt hat deutlich abgenommen.

    Da stimmt manches. Die Anzahl der stationären Patienten nahm erst zu nimmt jetzt aber ab. Gleichzeitig hat sich die durchschnittliche Liegedauer im Krankenhaus halbiert. Die Bemühungen gehen da weiter, weniger Patienten weniger Zeit Stationär zu versorgen. Richtig ist natürlich, dass die Anzahl der Köpfe alleine nicht entscheidend ist, mehr Teilzeit, mehr AN Rechte fordern natürlich mehr Köpfe. Richtig ist aber auch, dass die Art der Arbeit sich sehr verändert hat. Ärzte haben früher zum einen mehr Zeit mit Patienten gehabt im Krankenhaus. Der Ansatz, dass nur Ärzte oder Famulanten, PJler, oder PAs diese Heilkunde durch Blutentnahme (oder weitere Dinge) durchführen dürfen, konzentriert natürlich einen Haufen von zeitraubenden, wenig Fachwissen verlangenden Tätigkeiten auf die Berufsgruppe. Eine echte Fehlentwicklung, die auch die Pflege mMn leider echt angetrieben hat. Einfach zu sagen, wir haben zu wenig Ärzte ist da eben mMn zu kurz gegriffen, wir hätten vielleicht genug, wenn wir diese sinnvoller einsetzen würden.


    und was soll mir das Statement jetzt sagen? Das mag ja so stimmen, dummerweise tummeln sich die Köpfe aber leider eben nicht in der Fläche und eher auch in den niedergelassenen Praxen her. Wenn mein heute 74-jähriger Hausarzt sich denn mal durch aktiven Renteneintritt aus dem Berufslebensstaub macht, wird es mindestens drei neue Köpfe brauchen, um die in der Praxis vorhandenen Patienten auch bedienen zu können... Life-Work-Balance und so....

    (mangels vorhandener ärztlicher Köpfe)

    Dann sind wir uns ja doch einig. Es mangelt nicht an den Köpfen, sondern es mangelt an klugen Konzepten, wie wir diese Einsetzen.



    Es lohnt sich übrigens, alles zu lesen zur 116117. Es ist mitnichten so, als müssten da ständig Ärzte einen Hausbesuch machen. Alleine schon, dass schnell bei der 116117 geantwortet wird, und das alle 116117 Zentren teemedizinisch angebunden sein sollen, wird eine bedeutende Entlastung bringen für den Rettungsdienst. Explizit möglich ist auch, dass der aufsuchende Dienst durch andere Heilberufe durchgeführt werden kann. Insgesamt wird dan Telemedizin weniger aufsuchender Dienst nötig sein, und der wird sich auf mehr Professionen verteilen. Eine gute Lösung, um weniger RTW loszuschicken.

    Das zukünftig Leitstellen auch noch KTW direkt entsenden können, ohne Transportschein vorher, wird da auch gutes erreichen.

    "Notfallsanitäterinnen und -sanitäter sind, sofern (not-)ärztliche Hilfe nicht zeitnah zu erlangen ist und die Voraussetzungen des § 2a Nr. 2 NotSanG vorliegen, eigenverantwortlich handelnder, heilkundlicher Teil der Rettungskette."

    VGH München, Beschluss v. 21.04.2021 – 12 CS 21.702

    Einmal editiert, zuletzt von M1k3 ()

  • Es ist jetzt hier vielleicht nur ein Nebenthema, aber ich erlaube mir einen kurzen Kommentar, weil ich ein paar Missverständnisse aus Mikes Beitrag lese, die ich einfach nur kurz richtig stellen möchte. Diese sind nicht schlimm und gewiss kein Angriff gegen Mike, daher bitte ich das rein auf dem informativen Ohr aufzunehmen.


    1. Kürzere Liegedauer: dies bedeutet nicht weniger Aufwand für den Arzt, sondern erheblich mehr. Alle zeitintensiven Tätigkeiten (Aufnahmen, Aufklärungen, Prozeduren, Entlassung) finden ja dennoch in gleicher Anzahl statt. Daher bedeutet eine kürzere Liegedauer eine erhebliche Verdichtung der Arbeit. Das ist völlig in Ordnung, gut für das System, gut für den Patienten, schlicht effizienter, hat aber die Folge, dass ein Arzt weniger Patienten in der gleichen Zeit betreuen kann, und der Personalschlüssel an der Stelle nicht vergleichbar zu dem von 1990 ist.


    2. Weniger stationäre Fälle: auch das ist richtig, bedeutet aber auch wieder, dass man mehr Ärzte braucht. Warum? Weil der Hauptgrund der Abnahme der stationären Fälle die sogenannte Ambulantisierung ist. Wenn man sich die Statistik dazu anschaut, sind die ambulanten Fälle stark gestiegen und vor allem in den Zeiträumen, in denen die stationären nachließen. Und auch hier ist das wieder gut fürs System, manchmal gut für den Patienten, aber eine extreme Arbeitsverdichtungen für die Ärzte. Denn alle Voruntersuchungen, Aufklärungen, Nachbetreuungen und Dokumentation für die ambulante Weiterbetreuung über den niedergelassenen Sektor und die Annahme von Rückfragen über diesen werden in der Betrachtung sehr gern unter den Tisch fallen gelassen ("Der Patient ist doch nur ein paar Stunden da"). Dennoch muss das alles gemacht werden, und muss zeitlich deutlich starrer organisiert werden, wenn man auch nur ein bisschen was auf Patientenzufriedenheit gibt. Und da die Pflege in dem Bereich oftmals weit weniger unterstützt als im stationären Bereich (weil sie oft auch kaum vorhanden ist), muss das im Zweifel ärztlich geleistet werden. Und dafür muss jemand da sein.


    3. Niedergelassener Sektor: dieser wird zunehmend mehr belastet. Zum einen durch die Ambulantisierung, durch die kürzeren Liegezeiten und durch das Anspruchsdenken der Bevölkerung und die geringe Selbstversorgungskapazität ist der ambulante Sektor sehr viel mehr gefordert als früher. Und die Arbeitszeitentwicklung der letzten Jahrzehnte ist auch hier angekommen, auch die Kollegen wollen keine 60 Stunden Woche mehr.


    4. Die Statistik ist verfälscht, durch das verlängerte Arbeiten von Ärzten. Es ist inzwischen vollständig normal, dass Ärzte über das Erreichen des Rentenalters hinaus arbeiten. Das hat verschiedenste Gründe und sicherlich auch monetäre durch die Art der Versorgung über das Versorgungswerk wird das massiv belohnt, aber es sorgt natürlich für eine deutliche Verschiebung der Zahlen. Sieht man auch am abflachen der Zunahme der Ärzte, obwohl wir gerade in den letzten anderthalb Jahrzehnten recht viele neue Studienplätze geschaffen haben. Aber die große Rentenwelle beginnt gerade, und wir bilden weniger Ärzte pro Jahr aus, als pro Jahr berentet werden. Wir gleichen das schlicht über Zuwanderung aus. Ob das ein gutes Konzept ist, darf diskutiert werden.


    5. Richtig erkannt wurden die Veränderungen der Arbeitsbedingungen. Ärzte sind mehrheitlich schlicht nicht mehr bereit 60 Stunden die Woche und mehr zu arbeiten, Arbeitsbedingungen sind zentrale Themen der Gewerkschaften geworden. Ein großer Anteil unserer Kollegen sind in Teilzeit. Und es wird mehr. Damit muss man leben, das ist eine (gute) gesamtgesellschaftliche Entwicklung, und auch wenn Fritze Merz das nicht gefällt, wollen wir nun mal alle lieber Leben als Arbeiten.


    Beste Grüße


    PS: Wir sollten auch im Rettungsdienst nicht zu sehr davon ausgehen, dass die Belegschaft langfristig weiterhin Lust hat 48h zu machen, für nicht besetzte Stellen einzuspringen und man das über Stundenauszahlungen lösen kann. Da gibt es ja inzwischen auch erfreuliche Ansätze, da gewerkschaftlich beizugehen.

    Land zwischen den Meeren,
    vor dem sich sogar die Bäume verneigen,
    du bist der wahre Grund,
    warum Kompassnadeln nach Norden zeigen!

  • Wir sollten auch im Rettungsdienst nicht zu sehr davon ausgehen, dass die Belegschaft langfristig weiterhin Lust hat 48h zu machen

    sollte man definitiv nicht. Allerdings wissen viele Retter auch nicht wirklich was sie selbst wollen. Ich kenne mehrere Rettungsdienste, die haben innerhalb des TVöD auslastungsbezogen schon Arbeitszeiten in der 39-Stundenwoche....Es brennt bekanntlich in vielen Schichten so richtig die Luft....Merkwürdigerweise gibt es bei diesen Rettungsdiensten aber keine signifikante Wanderungsbewegungen von benachbarten Wachen mit noch 48-Stunden hin zur Vollarbeitszeit für 39 Stunden. Wie so viele andere Berufe in der Medizin, im Büro, im Handwerk es schon seit Jahren kennen, bedeutet nunmal Vollarbeitszeit auch volle Arbeitsleistung während dieser 39 Stunden-Zeit.....

  • PS: Wir sollten auch im Rettungsdienst nicht zu sehr davon ausgehen, dass die Belegschaft langfristig weiterhin Lust hat 48h zu machen, für nicht besetzte Stellen einzuspringen und man das über Stundenauszahlungen lösen kann. Da gibt es ja inzwischen auch erfreuliche Ansätze, da gewerkschaftlich beizugehen.

    sollte man definitiv nicht. Allerdings wissen viele Retter auch nicht wirklich was sie selbst wollen.

    Das sehe ich auch so. Meine Erfahrung ist jedoch, dass die Betrebungen im Bereich der Feuerwehr größer sind, wie diese bei den HiOrg-Rettungsdiensten. Meine Theorie ist, dass aufgrund der Verweildauer im Rettungsdienst es keine großen Betrebungen gibt, die Arbeitsbedingungen für die Zukunft zu definieren (zu erkämpfen). Das bemerkt man häufig auch beim gewerkschaftlichen Organisationsgrad. Ich lerne im jeden RTW-Dienst neue Kolleginnen und Kollegen kennen ...

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • 1. Kürzere Liegedauer: dies bedeutet nicht weniger Aufwand für den Arzt, sondern erheblich mehr.

    Das stimmt. Das gilt natürlich auch für alle anderen im Krankenhaus tätigen Professionen; wie die Pflege.


    3. Niedergelassener Sektor: dieser wird zunehmend mehr belastet.

    Ich war schon mal am überlegen, ob es nicht sinnvoller ist, Facharztpraxen grundsätzlich mittels MVZ´s räumlich und organisatorisch an die Kliniken anzubinden. Dieses hätte vor allem bei technischen Ressourcen Vorteile (gemeinsame Nutzung von Medizintechnik, Ausfallredundanz, bessere Auslastung der Technik, Kostenersparnis, usw.).


    Ansonsten fällt mir immer mehr auf, dass Patienten entlassen werden, obwohl die Anschlussversorgung im ambulanten Sektor jedoch noch nicht vollständig geregelt ist. So warten Patienten auf ihre Reha, auf den Pflegedienst, auf die Palliativversorgung, usw. Und dann kommt häufig der Rettungsdienst ins Spiel, weil eben diese Versorgung noch fehlt (oder nicht angemessen reagiert werden kann).


    Es lohnt sich übrigens, alles zu lesen zur 116117. Es ist mitnichten so, als müssten da ständig Ärzte einen Hausbesuch machen. Alleine schon, dass schnell bei der 116117 geantwortet wird, und das alle 116117 Zentren teemedizinisch angebunden sein sollen, wird eine bedeutende Entlastung bringen für den Rettungsdienst. Explizit möglich ist auch, dass der aufsuchende Dienst durch andere Heilberufe durchgeführt werden kann. Insgesamt wird dan Telemedizin weniger aufsuchender Dienst nötig sein, und der wird sich auf mehr Professionen verteilen. Eine gute Lösung, um weniger RTW loszuschicken.

    Ja, das sehe ich auch so, dass aktuell die Entwicklung ganz gut ist. Sie geht mir jedoch noch nicht weit genug. Schön wäre es ja, wenn alle Notrufe (112, 19222, 116117) an einem Ort abgefragt werden. Räumlich wird das aktuell nicht möglich sein, da selbst neu gebaute Großleitstellen die Kapazität gar nicht haben, um das umsetzen zu können.


    Wichtig wäre mir aber, dass die technischen Schnittstellen (Übergabe von Einsätzen per Mausklick) zwischen Leitstelle und Leitstelle sowie Leitstelle zum/vom 116117, sowie einheitliche Leitstellensoftware auf Bundeslandebene umgesetzt werden (bei der Stabssoftware im KatS schafft man das ja komischerweise auch).


    Organisatorisch muss klar sein, dass Einsätze von 112 zum 116117 nicht abgelehnt werden dürfen. Das ist ein Systemfehler, der mir in den 20 Jahren Leitstelle immer wieder aufgefallen ist, dass der Ärztliche Notdienst die Übernahme von Aufträgen verweigert hat, gleichzeitig aber viel an den Rettungsdienst abgeschoben wurde. Also: Leitstelle entscheidet (anhand einheitlicher standardisierter Abfragesysteme), Punkt.


    Die Umsetzung mit einer telemedizinischen Anbindung des Ärztlichen Notdienstes (116117) finde ich super, genau so wie die Nutzung von (Achtung; es folgt ein böses Wort:) nicht-ärztlichen Medizinberufen, die im aufsuchenden Dienst tätig sind (aktuell wird dieses seit diesem Jahr in Niedersachsen so umgesetzt). Zwei Dinge machen mir aber Kopfschmerzen:

    1) Ich favorisiere hier gut ausgebildete Berufe beim aufsuchenden Dienst, wie beispielsweise Pflegefachkräfte oder Notfallsanitäter. Hier könnte ich mir gut Gemeindenotfallsanitäter oder Gemeindekrankenschwestern (CHN) vorstellen, die organisatorisch gemeinsam (116117 und 112) tätig werden (wobei die CHN eine deutlich höhere Ausbildung genossen hat, wie der 6 oder 8 Wochen Crash-Lehrgang zum GemeindeNotSan). Nicht gut würde ich die Nutzung von MFA oder RettSan finden. Hier fehlen mir zu sehr erforderliche Ausbildungsinhalte (die RettSan-Ausbildung ist stark reformbedürftig, die MFA lernen zu wenig medizinische Inhalte, wenn man sich die Ausbildungs- und Prüfungsordnung dazu anschaut).

    2) Wie komme ich Nachts und am Wochenende an einen T-Schein / Leichenschau, wenn keine Ärzte mehr aufsuchend tätig werden? Ich habe hier die Befürchtung, dass das am Rettungsdienst (sprich: NEF) kleben bleibt.


    5. Richtig erkannt wurden die Veränderungen der Arbeitsbedingungen. Ärzte sind mehrheitlich schlicht nicht mehr bereit 60 Stunden die Woche und mehr zu arbeiten, Arbeitsbedingungen sind zentrale Themen der Gewerkschaften geworden. Ein großer Anteil unserer Kollegen sind in Teilzeit. Und es wird mehr.

    Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Was die Teilzeitquote betrifft, kann ich dieses aufgrund der Rückmeldungen mehr Frau bestätigen, dass dieses stark zugenommen hat in den letzten zwei, drei Jahrzehnten. Zu meiner Pflegezeit vor 30 Jahren war das in der Tat noch anders. Spannend ist dabei auch, dass auch bei Feuerwehrbeamten die Teilzeitquote zunimmt.


    und auch wenn Fritze Merz das nicht gefällt, wollen wir nun mal alle lieber Leben als Arbeiten.

    Auch wenn ich als Ex-SPDler die CDU gewählt habe (weil die SPD sowie alle anderen Parteien unwählbar geworden sind), muss ich sagen, dass dieser Spruch von Merz unpassend war. Erzähl das mal einer Krankenschwester, dass sie nun mal mehr Leistungsbereitschaft zeigen soll und mehr arbeiten soll. Das war echt frech und ein Schlag in die Fresse von Arbeitnehmern. Die Probleme, die wir haben, haben nicht die kleinen Arbeiterinnen und Arbeiter der Gesellschaft eingebrockt, sondern ist durch das Missmanagement von Politik und Firmenvorständen entstanden. Der "kleine Mann" soll es nun auslöffeln. Nee ...


    Der Ansatz, dass nur Ärzte oder Famulanten, PJler, oder PAs diese Heilkunde durch Blutentnahme (oder weitere Dinge) durchführen dürfen, konzentriert natürlich einen Haufen von zeitraubenden, wenig Fachwissen verlangenden Tätigkeiten auf die Berufsgruppe. Eine echte Fehlentwicklung, die auch die Pflege mMn leider echt angetrieben hat.

    Ja, leider ist da was dran (was die Degradierung der Pflege betrifft). Ich komme ja noch aus einer Zeit, wo die Pflege peripher venöse Zugänge gelegt hat, Blutentnahmen gemacht hat, Wunden gespült und versorgt hat, Antibiosen angehangen hat, usw. Ich habe aber den beginnenden Wechsel noch erleben dürfen (es gab Streit zwischen Schule und Klinik, weil wir Schüler die Lernziele - in dem Fall die periphere Venenpunktion - eingefordert haben, die gerade komplett an die Ärzte abgeschoben wurde, im Jahr 1996/1997). Das traurige dabei ist, dass dreijährig ausgebildetes PflegeFACHpersonal mit Aufgaben überschüttet wird, die in den Reinigungs- und Servicebereich gehören. Aufgrund der Struktur der Krankenhausfinanzierung werden solche Stellen immer mehr reduziert, so das Bettenreinigung, Lager auffüllen, Essen austeilen, Betten beziehen, usw. immer mehr an gut ausgebildeten Personal hängen bleibt (und es damit verkümmert). Läuft in der Richtung ganz schlecht. Und gleichzeitig versucht man die Akademisierungsrate in der Pflege von 2% auf die geforderten 20% zu pushen. Wenn es aber nur in der Pädagogik und im Management refinanzierte Stellen gibt, wird man diese in der Pflege am Patienten auch kaum finden. Ich kenne aktuell nur drei Krankenhäuser, die Pflege B.Sc. und APN M.Sc. einsetzen. Ähnliches gilt hier auch mit dem §7 NotSanG. Hier gibt es ja auch kaum Zahlen zu Absolventen sowie keine Nachfrage am Markt, da kein gesetzlicher Druck dazu vorhanden ist (außer eben auch hier im Bereich Pädagogik und Management).

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • Moin, wer 2025 noch glaubt, die 116117 wird zukünftig flächendeckend in Deutschland in der Lage sein können, einen aufsuchenden Dienst für Akutfälle belastbar auf die Straße und an die Patienten bringen zu können, der vertraut auf diese (zwar richtige) aber schlicht nicht mehr realisierbare Lösung (mangels vorhandener ärztlicher Köpfe) und wird nach meiner Einschätzung -leider- bitter enttäuscht werden......

    Wenn ich das richtig mitbekommen habe, wird hier im Umland gerade großflächig der Besuchsdienst eingestellt, weil in der Nacht nur sehr wenige bis gar keine Fahrten anfallen, und das schlicht nicht mehr wirtschaftlich ist.

  • Wenn ich das richtig mitbekommen habe, wird hier im Umland gerade großflächig der Besuchsdienst eingestellt, weil in der Nacht nur sehr wenige bis gar keine Fahrten anfallen, und das schlicht nicht mehr wirtschaftlich ist.

    Naja, macht ja nichts. Dann wird bestimmt der Hausarzt die wenigen Hausbesuche in der Nacht auffangen, oder? :/

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • Es ist jetzt hier vielleicht nur ein Nebenthema, aber ich erlaube mir einen kurzen Kommentar, weil ich ein paar Missverständnisse aus Mikes Beitrag lese, die ich einfach nur kurz richtig stellen möchte. Diese sind nicht schlimm und gewiss kein Angriff gegen Mike, daher bitte ich das rein auf dem informativen Ohr aufzunehmen.

    Ich nehme nichts davon aus Angriff, da ich ja nichts konträres geschrieben habe, glaube ich? Vielleicht war bei dir ein anderes Ohr offen, als du meine Beiträge gelesen hast? ;)

    "Notfallsanitäterinnen und -sanitäter sind, sofern (not-)ärztliche Hilfe nicht zeitnah zu erlangen ist und die Voraussetzungen des § 2a Nr. 2 NotSanG vorliegen, eigenverantwortlich handelnder, heilkundlicher Teil der Rettungskette."

    VGH München, Beschluss v. 21.04.2021 – 12 CS 21.702

  • Ich habe auch nichts als Angriff verstanden, nur in letzter Zeit an verschiedenen Wachen den Eindruck gehabt, dass Arbeitsbedingungen beim Rettungsfachpersonal exklusive Notärzte und bei der Ärzteschaft gegenwärtig insgesamt ein ziemliches Reizthema ist und wollte vorbeugen.


    Ich hatte dich aber tatsächlich so verstanden, dass du meintest, die kürzeren Liegedauern wären ein entlastender Faktor, kein belastender. Deswegen wollte ich gern meine Perspektive in die Nebendiskussion einbringen. Aber wenn wir beide fein damit sind, können wir die Besprechung Metaebene der Nebendiskussion ja abschließen und den Weg zum Thema zurück suchen.

    Land zwischen den Meeren,
    vor dem sich sogar die Bäume verneigen,
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  • Es lohnt sich übrigens, alles zu lesen zur 116117. Es ist mitnichten so, als müssten da ständig Ärzte einen Hausbesuch machen. Alleine schon, dass schnell bei der 116117 geantwortet wird, und das alle 116117 Zentren teemedizinisch angebunden sein sollen, wird eine bedeutende Entlastung bringen für den Rettungsdienst.

    Wenn das so wäre, warum bindet man dann nicht alle ILS telemedizinisch an? Das würde das Problem doch viel tiefgreifender lösen, weil dann Einsätze, die kein Bestandteil der Notfallrettung sind, nicht mehr mit RTW beschickt werden müssen.

    Explizit möglich ist auch, dass der aufsuchende Dienst durch andere Heilberufe durchgeführt werden kann.

    Durch welche denn genau? Ärzte durch Gemeindenotfallsanitäter zu ersetzen scheint mir nicht wirklich der geheime Masterplan zu sein, und ansonsten fehlt es doch eher nicht an einer organistaorischen oder rechtlichen Grundlage, sondern an den vorhandenen Ressourcen. Wenn jemand wieder ins Bett geholfen werden soll, es aber niemanden gibt, der das übernehmen kann, dann fährt dort eben der RTW, oder der KTW, oder der Gemeindenotfallsanitäter, oder der Löschzug, oder die Streife hin.

    Insgesamt wird dan Telemedizin weniger aufsuchender Dienst nötig sein, und der wird sich auf mehr Professionen verteilen. Eine gute Lösung, um weniger RTW loszuschicken.

    Die Logik erschließt sich mir nicht. Wenn durch Telemedizin weniger "aufsuchender Dienst" nötig sein wird und man daher auch weniger RTW losschicken muss, heißt das nicht, dass die Abfrage der Einsätze bei der 116117, aber auch der 112 nicht richtig funtkioniert und daher (Hausbesuche und vor allem) RTW-Einsätze generiert werden, die medizinisch nicht erforderlich sind? Wenn das so ist, warum verbessert man dann nicht die Abfrage- und Dispositionsqualität? Und warum wird das ausgerechnet ein Telemediziner lösen? Und welche "Professionen" sollen das dann sein?

    Das zukünftig Leitstellen auch noch KTW direkt entsenden können, ohne Transportschein vorher, wird da auch gutes erreichen.

    Das Problem sind ja eher nicht die Transportscheine, sondern die nicht existenten KTW. Sonst würde man zu Einsätzen, die ersichtlich keine Notfalleinsätze sind ("RTW ohne"), ja keine RTW entsenden (und blockieren), sondern KTW.

  • Wenn jemand wieder ins Bett geholfen werden soll, es aber niemanden gibt, der das übernehmen kann, dann fährt dort eben der RTW, oder der KTW, oder der Gemeindenotfallsanitäter, oder der Löschzug, oder die Streife hin.

    Na ich hoffe, dass Dir 22 Feuerwehrkräfte reichen, um jemanden ins Bett zu helfen. :S

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • Wenn das so ist, warum verbessert man dann nicht die Abfrage- und Dispositionsqualität?

    Das passiert bereits seit einigen Jahren. Die Zeiten, dass jeder abfragen und disponieren kann, wie er will, sind vorbei. Das begann mit der strukturierten Abfrage und geht nun immer mehr über in die standardisierte Abfrage. Auch die Ausbildung der Leitstellendisponenten verändert sich immer mehr (wird umfangreicher). Endlich muss man auch sagen. Zu meiner Zeit war das (leider) noch nicht so. Die Meldungen auf den DME und Alarmdepeschen treffen heutzutage deutlich häufiger zu wie dieses noch vor 20 Jahren war.


    Das Problem sind ja eher nicht die Transportscheine, sondern die nicht existenten KTW. Sonst würde man zu Einsätzen, die ersichtlich keine Notfalleinsätze sind ("RTW ohne"), ja keine RTW entsenden (und blockieren), sondern KTW.

    Dann fährt eben der NKTW. Baden-Württemberg ist ja Gott sei dank nicht überall. Wir haben auch am Wochenende und in der Nacht KTW und NKTW laufen.

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • Von einer verbesserten Abfragequalität merke ich in meinem Bereich leider nichts, ganz im Gegenteil. Das war vor 15+ Jahren besser. Warscheinlich weil die Bevölkerung selber mehr Gespür dafür hatte, ob man den Rettungsdienst braucht oder den Hausarzt/ÄBD.

    Nicht indizierte RTW Einsätze scheinen ja ein bundesweites Problem zu sein, auch wenn das ILS Personal strukturiert oder standardisiert abfragt.

    Außerdem besteht die Vernetzung zwischen 116 117 und 112 hier bereits über die ordinäre Telefonleitung. Trotzdem gehen die allermeisten RTW Einsätze die von der ÄBD Zentrale ausgelöst werden umgehend wieder zurück zur 116 117. Und die Mitarbeiter dort fragen in meinem Bereich nach standardisierten Protokollen ab. Mit unteridischer Trefferquote.

    Vielleicht kann man die Protokolle auch anpassen aber das könnte man auch jetzt schon. Warum sollte das nach der Reform besser werden?

  • Wenn das so wäre, warum bindet man dann nicht alle ILS telemedizinisch an? Das würde das Problem doch viel tiefgreifender lösen, weil dann Einsätze, die kein Bestandteil der Notfallrettung sind, nicht mehr mit RTW beschickt werden müssen.

    Es ist von den Rettungsleitstellen absolut nicht gewünscht, eine gemeinsame Gesundheitsleitstelle zu bilden aus 112 und 116117. Darum geht die Politik den Weg, dass die Zentren organisatorisch und örtlich getrennt sind, aber technisch zusammengeführt werden. Dann reicht ja, wenn die 116117 teemedizinisch angebunden wird, weil die 112 entweder abfragt und disponiert bei Notfällen, oder eben weiterleitet.


    Ärzte durch Gemeindenotfallsanitäter zu ersetzen scheint mir nicht wirklich der geheime Masterplan zu sein, und ansonsten fehlt es doch eher nicht an einer organistaorischen oder rechtlichen Grundlage, sondern an den vorhandenen Ressourcen. Wenn jemand wieder ins Bett geholfen werden soll, es aber niemanden gibt, der das übernehmen kann, dann fährt dort eben der RTW, oder der KTW, oder der Gemeindenotfallsanitäter, oder der Löschzug, oder die Streife hin.

    Hier kann ich gar nicht folgen. Es geht nicht darum, dass jemand ins Bett gehoben wird. Das wäre erstmal Aufgabe der Familie, des Hausnotrufs, oder des Pflegepersonals. Aber dann zukünftig kann ein KTW das machen. Aber es geht ja darum, dass manche Patienten vor Ort eine Untersuchung und anbehandlung bzw. Steuerung in die richtige Richtung benötigen. Das hat ursprünglich der KV Dienst gemacht. Der kommt kaum hinterher, und die KVB sagt sie wird das zukünftig nicht schaffen. Also wird man diese Tätigkeit anderen Berufsgruppen zuteilen müssen. In Niedersachsen wird das bereits gemacht, die Johanniter besetzen mit Pflegefachpersonen und NotSan Fahrzeuge des 116117 Dienstes. Ich fände auch besser, wenn da die Niedergelassenen ihrer Pflicht nachkämen, aber es ist alles eben schwierig.


    Die Logik erschließt sich mir nicht. Wenn durch Telemedizin weniger "aufsuchender Dienst" nötig sein wird und man daher auch weniger RTW losschicken muss, heißt das nicht, dass die Abfrage der Einsätze bei der 116117, aber auch der 112 nicht richtig funtkioniert und daher (Hausbesuche und vor allem) RTW-Einsätze generiert werden, die medizinisch nicht erforderlich sind? Wenn das so ist, warum verbessert man dann nicht die Abfrage- und Dispositionsqualität? Und warum wird das ausgerechnet ein Telemediziner lösen?

    Tag ein Tag aus wird aus einer Defensivhaltung weil Angst vor Ärger ständig aggressiv übertriagiert. ÄLRD sagen RTW dürfen Patienten nicht zuhause lassen, Leitstellen sagen, sie sitzen mit zwei Beinen im Knast. Hier im Forum hab ich mal einen Fall geschildert wo ein junger Mann mit Kopfplatzwunde und SHT I° mit der Freundin ins KH fahren sollte, statt mit unserem RTW. Da waren alle im Forum ganz nervös, wegen der drohenden Hirnblutung, dem Krampfanfall, der Tod, und so. Die Angst ist eben da, und so neigen alle, die Entscheidungen treffen dürfen, zu einer großen Vorsicht.


    Warum betrifft das RTW? Weil die 112 Leitstelle vielerorts nur den RTW ad-hoc schicken kann. Nun klingt der Fall nicht so schlimm, aber auch nicht nach nichts. Wenn man nur 1 und 0 aussuchen kann, ists doof. Wenn aber die 112 an die 116117 weiterleiten kann, und wenn die 116117 nicht nur SmED einsetzt, sondern auch feststellt, naja, klingt schon nach Hilfsbedürftig, aber doch nichts für ne ZNA Nachts um drei, dann kann der Fall eben oft Fallabschließend teemedizinisch durch Allgemeinmediziner abgearbeitet werden. Bisher gabs nur KÄND schicken, oder nicht. Und wenn doch ein KTW nötig ist, dann kann die Leitstelle den schicken, ganz ohne, dass vorher ein Arzt den Transportschein ausfüllt.

    Das Problem sind ja eher nicht die Transportscheine, sondern die nicht existenten KTW. Sonst würde man zu Einsätzen, die ersichtlich keine Notfalleinsätze sind ("RTW ohne"), ja keine RTW entsenden (und blockieren), sondern KTW.

    Das ist ja Henne und Ei. Erst standen nachts die KTW blöde rum, weil keine Scheine da waren, dann fuhren das halt die RTW. Und dann kamen kluge BWLer und haben gesagt, ihr braucht mehr RTW und weniger KTW. Hab ich genau so erlebt. (Und dann kamen die Oberschlauen, und haben gesagt, noch geiler ist ja RTW für alle, AKA MZF).

    "Notfallsanitäterinnen und -sanitäter sind, sofern (not-)ärztliche Hilfe nicht zeitnah zu erlangen ist und die Voraussetzungen des § 2a Nr. 2 NotSanG vorliegen, eigenverantwortlich handelnder, heilkundlicher Teil der Rettungskette."

    VGH München, Beschluss v. 21.04.2021 – 12 CS 21.702

  • Das passiert bereits seit einigen Jahren. Die Zeiten, dass jeder abfragen und disponieren kann, wie er will, sind vorbei. Das begann mit der strukturierten Abfrage und geht nun immer mehr über in die standardisierte Abfrage.

    Das kann ich für meinen Nahbereich nicht bestätigen. Klar, wenig aussagekräftig - man liest allerdings (hier und anderswo) doch recht häufig dieselben Beschwerden.

    Es ist von den Rettungsleitstellen absolut nicht gewünscht, eine gemeinsame Gesundheitsleitstelle zu bilden aus 112 und 116117.

    Ist das so? Hierzulande wurde über viele Jahre erst der lokale "ärztliche Notdienst" und dann die 116117 fast überall auf den ILS abgefragt, und nach den Rückmeldungen, die ich dazu bekommen habe, wurde das sehr geschätzt, weil sich Einsätze "auf Zuruf" von Rettungsdienst zu ÄBD und umgekehrt verschieben ließen und - nicht zuletzt - weil Anrufe desselben Hilfesuchenden, der es mit verschiedenem Dramatisierungsgrad erst hier und dann dort versucht, im selben System zusammengeführt werden.

    Gekündigt wurden die Verträge m.W. durch die KV BW, die dann stattdessen ihr Callcenter eingerichtet hat.

    Darum geht die Politik den Weg, dass die Zentren organisatorisch und örtlich getrennt sind, aber technisch zusammengeführt werden. Dann reicht ja, wenn die 116117 teemedizinisch angebunden wird, weil die 112 entweder abfragt und disponiert bei Notfällen, oder eben weiterleitet.

    Auch hier kann ich nicht folgen. Wenn die 112 richtig abfragt und disponiert, wozu brauche ich dann zur Entlastung des Rettungsdienstes eine telemedizinische Anbindung der 116117? Dann fahren die RTW doch ohnehin nur die indizierten Einsätze, weil die anderen an die 116117 abgegeben werden. Dafür reicht die Möglichkeit einer Übergabe des Gesprächs (und es darf freilich auf der dafür vorgesehenen Leitung keine Wartezeiten im Bereich vieler Minuten geben ...).

    Hier kann ich gar nicht folgen. Es geht nicht darum, dass jemand ins Bett gehoben wird. Das wäre erstmal Aufgabe der Familie, des Hausnotrufs, oder des Pflegepersonals.

    Und wenn so ein Hilfeersuchen auf der ILS aufläuft, dann teilt man das dem Anrufer dann auch so mit und hakt den Einsatz ab? Dann will ich nichts gesagt haben.

    Aber es geht ja darum, dass manche Patienten vor Ort eine Untersuchung und anbehandlung bzw. Steuerung in die richtige Richtung benötigen. Das hat ursprünglich der KV Dienst gemacht. Der kommt kaum hinterher, und die KVB sagt sie wird das zukünftig nicht schaffen. Also wird man diese Tätigkeit anderen Berufsgruppen zuteilen müssen. In Niedersachsen wird das bereits gemacht, die Johanniter besetzen mit Pflegefachpersonen und NotSan Fahrzeuge des 116117 Dienstes. Ich fände auch besser, wenn da die Niedergelassenen ihrer Pflicht nachkämen, aber es ist alles eben schwierig.

    Bemerkenswert, dass man in einer dreijährigen Ausbildung mit Hauptschulabschluss nicht nur die gesamte Notfallmedizin, sondern auch noch den hausärztlichen Bereich erlernen und abdecken kann. Weshalb bezahlen wir eigentlich ein Studium von über sechs Jahren und lassen die Leute dann nochmal fünf Jahre einen Facharzt machen, wenn man auch mit acht Jahren weniger hinkommt, gerade in der doch eher schwierigen Situation außerhalb der Praxis mit begrenzten UNtersuchungsmöglichkeiten?

    Tag ein Tag aus wird aus einer Defensivhaltung weil Angst vor Ärger ständig aggressiv übertriagiert. ÄLRD sagen RTW dürfen Patienten nicht zuhause lassen, Leitstellen sagen, sie sitzen mit zwei Beinen im Knast.

    Und das lösen wir jetzt dadurch, dass Notfallsanitäter mit Krankenpflegepersonal zusammen rausfahren, sich den Patienten anschauen, dann aufgrund der verbreiteten Defensivhaltung einen RTW anfordern, den die ILS aufgrund der verbreiteten Defensivhaltung dann entsendet und der den Patienten dann aufgrund der verbreiteten Defensivhaltung transportiert. Können wir uns da nicht den ersten Schritt sparen?

    Alternativ wäre es eine Lösung, das Personal besser zu qualifizieren, damit es nicht so defensiv handeln muss. Oder direkt höherqualifiziertes Personal entsenden. Vielleicht ... einen Allgemeinmediziner?


    Ich finde das ehrlich gesagt nicht den großen Wurf.

  • Ist das so?

    Lies dir gerne die Stellungnahmen durch, wenn du mein Wort anzweifelst.

    Auch hier kann ich nicht folgen. Wenn die 112 richtig abfragt und disponiert, wozu brauche ich dann zur Entlastung des Rettungsdienstes eine telemedizinische Anbindung der 116117? Dann fahren die RTW doch ohnehin nur die indizierten Einsätze, weil die anderen an die 116117 abgegeben werden.

    Weil die 116117 manchmal eben entweder was zurückgibt an die 112, oder weil die 116117 zwar ihre Zuständigkeit anerkennt im Fall, aber keine Hilfe bieten kann, weil kein aufsuchender Dienst in der Nähe ist. Aktuell sind die meisten Leitstellen nicht zwischen 112 und 116117 vernetzt, sodass alleine das weitereichen eines Anrufenden nicht einfach möglich ist.

    Und wenn so ein Hilfeersuchen auf der ILS aufläuft, dann teilt man das dem Anrufer dann auch so mit und hakt den Einsatz ab?

    Das bezweifle ich, aber das überblicke ich nicht. Aber ich kann ja nichts dafür, wie die Leitstellen arbeiten.

    Bemerkenswert, dass man in einer dreijährigen Ausbildung mit Hauptschulabschluss nicht nur die gesamte Notfallmedizin, sondern auch noch den hausärztlichen Bereich erlernen und abdecken kann. Weshalb bezahlen wir eigentlich ein Studium von über sechs Jahren und lassen die Leute dann nochmal fünf Jahre einen Facharzt machen, wenn man auch mit acht Jahren weniger hinkommt, gerade in der doch eher schwierigen Situation außerhalb der Praxis mit begrenzten UNtersuchungsmöglichkeiten?

    Ich weis gar nicht, warum ich noch antworte, wenn ich hier deinen unpassenden Ton lese. Ich schrieb ja, am besten wäre es, wenn der Allgemeinmediziner kommt. Tut er aber nicht. Wird er in Zukunft noch weniger tun. Wir haben also eine Versorgungslücke. Manche dieser Patienten kann ein Arzt telemedizinisch versorgen. Manche können auch niederschweflig durch Pflege oder GemeindeNotSan versorgt werden. Und manche bräuchten wirklich den Hausarzt vor Ort, wenn der nicht kommt, wird man die transportieren müssen. Wenn du n guten Tipp hast, wie wir die Ärzteschaft dazu bekommen ihrer vertraglichen Verpflichtung nachzukommen, wäre ich interessiert.

    Und das lösen wir jetzt dadurch, dass Notfallsanitäter mit Krankenpflegepersonal zusammen rausfahren, sich den Patienten anschauen, dann aufgrund der verbreiteten Defensivhaltung einen RTW anfordern, den die ILS aufgrund der verbreiteten Defensivhaltung dann entsendet und der den Patienten dann aufgrund der verbreiteten Defensivhaltung transportiert. Können wir uns da nicht den ersten Schritt sparen?

    Ne nicht UND, sondern oder. Und ja, in meiner Vorstellung sollte das besonders qualifiziertes personal sein, ein NotSan lernt nicht Low-code Einsätze zu versorgen, und das sollte er auch nicht üblicherweise. Und da wo die Kompetenz endet, muss dann eben die Telemedizin aushelfen.


    Oder direkt höherqualifiziertes Personal entsenden. Vielleicht ... einen Allgemeinmediziner?

    Ich bin mir nicht sicher, ob du überhaupt das Problem verstanden hast, das gelöst werden muss.

    "Notfallsanitäterinnen und -sanitäter sind, sofern (not-)ärztliche Hilfe nicht zeitnah zu erlangen ist und die Voraussetzungen des § 2a Nr. 2 NotSanG vorliegen, eigenverantwortlich handelnder, heilkundlicher Teil der Rettungskette."

    VGH München, Beschluss v. 21.04.2021 – 12 CS 21.702

  • In meinem Bereich haben wir das Glück, dass es flächendeckend mehrere fahrende ÄBD Einheiten gibt, auf der ILS und der ÄBD Zentrale standardisiert abgefragt wird, es telefonische Direktwahlen gibt und trozdem funktioniert das System nicht.

    Alleine an der Technik oder den fehlenden Ressourcen kann es also nicht liegen.


    Ich sehe das wir THH. Es scheitert am Personal und der "Defensivhaltung". Da werden RTWs geschickt obwohl alle wissen, dass keine medizinische Akutsituation vorliegt anstatt auf den Hausarzt oder den ÄBD zu verweisen.


    Falls es in anderen Bundesländern keine ÄBD Versorgung gibt, mag die Reform eine Verbesserung bringen.

    Für meinen Bereich sehe ich das nicht, weil bereits alle Möglichkeiten vorhanden sind.

    Die passende Zuweisung trifft halt oft nicht zu