2-jährige NotSan-Ausbildung

  • Tatsächlich hab ich mit der für BaWü vorgesehenen Stelle für ausländische Abschlüsse(das handelt real ein RP für alle) gelegentlich zu tun. Die sind auch für alle RPs tätig wenn es komplexer wird.


    Denen kann man sicherlich das eine oder andere vorwerfen,aber auskennen tun sie sich. Besser als die meisten AntragstellerInnen und v.a Schulen.


    Tatsächlich kenne ich aber Leute die ihre Ausbildung verkürzt haben/es gegenwärtig tun.

    Im Regelfall Pflegehintergrund mit FP AINS oder eben ausländische Abschlüsse.

  • Ich denke man sollte das ganze differenziert betrachten mit dem jeweiligen Hintergrund. Bei einer FPP Notfallpflege oder A/I gibt es durchaus Themen, die man anerkennen lassen kann. Ich behaupte sogar beispielsweise in sachen Airwaymangemnt dürfte die Fachpflege A/I dem NotSanschüler überlegen sein und je nach Klinik auch über deutlich höhere Anwendungszahlen am realen Patienten verfügen.

    Andersrum ist es natürlich schon nicht von der Hand zu weißen, dass für eine (Fach)Pflegeausbildung vor allem die Pflege im Vordergrund steht. Aber auch hier gibt es ja für NotSan die Möglichkeit die Pflegeausbildung auf Antrag (und Schule, die das anbietet) auf 2 Jahre zu verkürzen.

  • Du bist der Experte und ich neugierig: Warum ist das praktisch nicht umsetzbar?

    Ich würde gerne darauf antworten, wenn ich darf - ohne Karsten in dieser Hinsicht übergehen zu wollen. Er hat ja sicher seine eigenen Ansichten.


    Ich teile seine Meinung. Ich kann aber natürlich nur für Baden-Württemberg sprechen. Wir haben hier ein Curriculum, das den Stoff in zehn Lernfelder einteilt. Lernfeld eins kommt, wer hätte das gedacht, ganz am Anfang. Lernfeld eins enthält unter anderem die wichtigen Themen Kommunikation und Rettungsdienst-Recht. Beide Themen sind natürlich examensrelevant und werden im Staatsexamen in einem eigenen Themenbereich abgeprüft (mündlich und schriftlich). Wenn man sagt, dass ein(e) Schüler:in ein halbes oder ein ganzes Jahr später in eine bestehende Klasse integriert wird, dann stellt das ein Problem dar. Ich weiß nicht, wie viel Ahnung eine Fachkrankenschwester A/I von Rettungsdienstrecht hat. Das hat ja schon seine Eigenarten - allein die Frage, was der/die NotSan unter welchen Umständen wann darf und was nicht, also §§ 2a/4 NotSanG i.V.m. den einschlägigen Landesgesetzen. Dieses Wissen muss man den "nachrückenden" Schülern natürlich außer der Reihe vermitteln - oder sie darauf hinweisen, dass sie das selbst erledigen müssen. Eine "Spezialklasse" hätte den Vorteil, dass ich dieses Lernfeld einfach planen kann, sodass alle Schüler:innen in diesen Themengebieten auf den gemeinsamen Stand kommen können.

    Ein weiterer Knackpunkt sind für mich die rettungsdienstlichen Basis-Fertigkeiten wie Lagerung und Transport. Da kommen Entitäten wie die Schaufeltrage und die Vakuummatratze vor. Ich denke, dass Pflegepersonal in dieser Hinsicht Lernbedarf hat. Das alles (und noch viel mehr) muss ich bedenken, wenn ich Leute später in die Klasse stecke.

    You know as well as I do decisions made in real time are never perfect. Don't second-guess an operation from an armchair. [Noah Vosen]

  • Am sinnvollsten wäre es doch 3jährige Berufe im Gesundheitswesen modular auszubilden. D.h. das erste Lehrjahr für alle gleich um die Grundlagen (Anatomie, Krankheitslehre etc.) zu erlernen und dann ab dem zweiten Lehrjahr eine Spezialisierung durchzuführen (Pflege, Notsan, Physio, MFA etc.) - so wäre eine bessere Verzahnung der Gesundheitsberufe möglich und man hätte die Möglichkeit wenn man noch etwas anderes machen möchte immer einfach im zweiten Lehrjahr einzusteigen.

  • wenn ich darf

    Na gut, okay. ;)


    Danke für Deine Ansichten. Ich bin da völlig neutral, da es nicht mein übliches Tätigkeitsfeld ist (Berufsfachschule). Daher meine Neugier.

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • D.h. das erste Lehrjahr für alle gleich um die Grundlagen (Anatomie, Krankheitslehre etc.) zu erlernen und dann ab dem zweiten Lehrjahr eine Spezialisierung durchzuführen

    Das ist eine Idee. Ich halte das aber für unrealistisch. In der Variante hätte ich ein Jahr lang einen Auszubildenden auf dem RTW, der keinerlei fachspezifische Kenntnisse besitzt. Der große Vorteil der Berufsausbildung in D ist doch, dass die Lernorte eng verzahnt sind. Die Schüler:innen kommen recht schnell auf die RTWs, schon ein paar Wochen nach Ausbildungsbeginn. Die Auszubildenden müssen folglich schnellstmöglich lernen, wie die Basismaßnahmen des Rettungsdienstes aussehen und wie sie durchgeführt werden. Ich glaube ehrlich, dass Pflege und Rettungsdienst inhaltlich so weit auseinander sind, dass man das nicht sinnvollerweise so machen kann.

    You know as well as I do decisions made in real time are never perfect. Don't second-guess an operation from an armchair. [Noah Vosen]

  • Ich glaube ehrlich, dass Pflege und Rettungsdienst inhaltlich so weit auseinander sind, dass man das nicht sinnvollerweise so machen kann.

    Da könnte in der Tat etwas dran sein, da ich heutzutage öfters Pflegekräfte (die Pflegekräfte, die nach der alten Gesetzeslage ausgebildet wurden sowie Hebammen, im Wochenbettbereich bspw.) motzen höre, was die Inhalte und den Lernstand von Pflegefachkraft-Auszubildenden betrifft. Es wird sich vor allem oft über die fehlende Kenntnis in Anatomie, Physiologie und Krankheitslehre aufgeregt, die in der generalisierten Pflegeausbildung nun nicht mehr so ausgeprägt sein soll (ich sage absichtlich "soll", mir fehlt da der genaue Überblick), wie dieses zu Zeiten der Krankenschwester/-pfleger (1990er Jahre) und Gesundheits- und Krankenschwester/-pfleger (2000er Jahre) gewesen sein soll. Ich kenne das Curriculum in der generalisierten Pflege nun nicht, die PflAPrV sieht nun aber auch nicht so aus, als ob auf diesen Bereich viel Wert gelegt wird.


    Zu meiner Pflegeausbildung (auf meiner Urkunde steht noch richtig "Krankenpfleger" drauf) war es jedenfalls so, dass wir mit Anatomie, Physiologie und Krankheitslehre vollgestopft wurden (ich bin auch der Meinung, dass ich damals der (alten) RettAss-Ausbildung in dem Wissen voraus war, weil die Ausbildung umfangreicher war in diesen Dingen). Im dritten Ausbildungsjahr waren Dinge (Lernstand) wie s.c. und i.m. Injektionen, i.v. Zugang / Blutentnahme und auch das Messen des ZVD (auf Normalstation übrigens) normal. Es wurde im Examen auch viel Anatomie, Physiologie und Krankheitslehre abgefragt.


    Heutzutage bemerkt man aber auch einen deutlichen Unterschied zwischen der RettAss- und NotSan-Ausbildung. Ich war in den letzten Jahren schon öfters beeindruckt, wie die Ausbildung sich verbessert hat, was das Wissen betrifft. Ich finde schon, dass wir auch etwas stolz drauf sein sollten, was wir mit dem NotSan bisher erreicht haben. Ausruhen sollten wir uns darauf aber nicht!

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • Vielleicht sollten wir auch mal den Spieß umdrehen: Wie sieht das eigentlich mit Anerkennungen für Krpflg und NotSan (Doppelqualifikation) aus, was die Fachweiterbildung Notfallpflege betrifft? Da sollte doch was drin sein, oder nicht? Gibt es da ggf. schon Erfahrungen zu?

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • Die 120h Praktikum im RD werden anerkannt, so kann entweder bspw. noch nebenbei fährt oder die aktive Zeit im RD noch nicht so lange her ist (Einzelfallentscheidung).


    Aber dazu eine andere Frage: Hast hier zufällig jemand eine Art Curriculum entwickelt, was man denen in der Praktikumszeit beibringen möchte?

  • Der Rahmenlehrplan NRW gibt sehr grob die Lernfelder vor und deren Umfang, aber z.B. keine Reihenfolge oder was wie aufeinander aufbaut.

    Jeder Schule schreibt daraufhin ein Curriculum.

    Nach dem Curriculum wird der Unterrichtsplan geschrieben.

    Jetzt ist Monschi für Kommunikation im 3 Block im 1 Lehrjahr geplant und meldet sich morgens krank. So kurzfristig kann das wahrscheinlich keiner übernehmen, also findet Praxis statt und das Thema wird auf den nächsten Block verschoben.


    Soweit zur normalen Planung.


    Jetzt sollen Pflegende anerkannt werden. Es werden über alle Teile hinweg x Stunden Theorie, Praxis Rettungswache und Praxis Krankenhaus anerkannt.

    Die anerkannte Theorie verteilt sich ungleichmäßig auf alle 3 Jahre.

    Praxis Rettungsdienst wird wahrscheinlich fast gar nicht gekürzt.

    Praxis Krankenhaus wird erheblich verkürzt.


    Schritt 1, im Rahmenlehrplan die anzuerkennenden Lernfelder (oder Anteile) identifizierten.

    Schritt 2, Curriculum über die 3 Jahre entsprechend kürzen.

    Schritt 3, neuen Ablaufplan (Theorie, Praxis Rettungswache und Praxis Krankenhaus) schreiben.


    Und dieser Ablaufplan hat absolut nichts mit dem Ablaufplan der 3 Jahre zu tun. Ggf können einzelne Unterrichte gemeinsam stattfinden.


    Und zum Punkt alle zusammen das 1 Jahr.

    Mindestens 50% im ersten LJ ist für andere Gesundheitsberufe uninteressant.

    Die vollständige Anatomie und Physiologie wird schon lange nicht mehr am Anfang der Ausbildung gemacht. Am Anfang kommen die Basics, die Details kommen dann als Lernfeld später.

    Wenn also respiratorische Notfälle im 2 LJ dran ist, kommt zunächst Anatomie und Physiologie Wiederholung der Basics, dann der Rest, dann Pathophysiologie, Krankheitslehre, Pharma, CPAP (ASB), usw. Es gibt kein Fach Anatomie mehr.


    Ich hoffe, es ist nachvollziehbar, warum es einen eigenen Ablaufplan braucht und warum es nicht zielführend ist, für alle Gesundheitsberufe ein gemeinsames erstes Jahr zu machen.

  • Trotzdem muss man (wie ich finde spannenderweise) anmerken, dass das in GB so geschieht.

    Was genau passiert so in GB? Zumindest Paramedic ist ein Studium, wie es bei den Nurses aussieht, weiß ich nicht.

    Ein Studium ist selten nach Lernfeldern aufgebaut.

    Eine Ausbildung nach Lernfeldern mit einem Studium ohne Lernfelder zu vergleichen ist schon ziemlich Äpfel und Birnen.

  • Ich bin ganz sicher, lasse mich aber eines Besseren belehren, dass es beim Paramedic-Studium (oder besser: an Universitäten angegliederte Ausbildung) in GB nicht die akademische Freiheit, was Schwerpunktsetzung und Veranstaltungswahl angeht, gibt, wie es bei „klassischen“ Studiengängen der Fall ist.

    Das wird schon auch sehr stark vorstrukturiert sein und das Curriculum sich insofern gar nicht so stark von unseren lernfeldorientierten Rahmenlehrplänen abheben.

  • Danke. Das es Unterschiede gibt zwischen Studium und Ausbildung war mir nicht bekannt. *ironieoff*

    Ich persönlich kenne aber nur die "Ausbildungssonne" des NHS und da steht ein einheitliches Grundjahr in der Mitte. Das mag sich geändert haben, keine Ahnung.

    Ich kann deinem Gedankengang folgen und zweifel auch nicht daran, dass ein solches Grundjahr in D schlecht umsetzbar ist. Aber GB hat es zumindest mal anders gemacht. Darauf wollte ich hinweisen. Mehr nicht.

  • Ich darf hier mal aus der Gesetzesbegründung zitieren:

    Zitat

    Auf die Regelung von Verkürzungstatbeständen für bestimmte Ausbildungen wird in diesem Gesetz verzichtet, da ein Vergleich der für die Notfallsanitäterausbildung vorgesehenen Ausbildungsinhalte mit vorhandenen Qualifikationen nicht zu dem Ergebnis nennenswerter Anrechnungszeiten geführt hat. Soweit sich Verkürzungsmöglichkeiten für die bisher von den Verkürzungen profitierenden Berufsangehörigen nach dem neuem Recht ergeben, sind diese zudem durch die allgemeine Regelung in § 9 erfasst.

    Der Gesetzgeber bzw. das BGM hat also schon etwa 2013 festgestellt, dass für sich genommen keine andere Berufsausbildung eine pauschale Verkürzung (wie es das bei RettAss gab) rechtfertigt. Und die alte Krankenpflege war noch wesentlich näher am NotSan, als das jetzt der Fall ist.


    Von daher halte ich eine auf 2 Jahre verkürzte Ausbildung für Pflegekräfte (gibt es übrigens schon seit längerem in Schleswig-Holstein Verkürzte NotSan-Ausbildung für Pflegekräfte als Pilotprojekt - S+K Verlag für Notfallmedizin) eigentlich schon für rechtswidrig oder zumindest äußerst fragwürdig. Und auch sonst ist es wie hier schon mehrfach betont: gerade in der Anfangszeit der Ausbildung werden die Rettungsdienstbasics vermittelt, gerade die Bereiche, an denen es anderen Ausbildungen fehlt. Das reißt so nachhaltige Lücken, dass die Ausbildung daran dann recht häufig scheitert.

  • Und die alte Krankenpflege war noch wesentlich näher am NotSan, als das jetzt der Fall ist.

    Das stimmt (leider).

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • Wobei man anmerken muss: Keiner der Verkürzer die ich kenne sind einfach"Ein Jahr später dazugestoßen" - sondern wurden tlw. zwischen den Klassen und Jahrgängen "hin und her" geschoben, sprich: Es ist keineswegs so,dass die pauschal "den Anfang" nicht mitbekommen.