Lebensgefahr durch verspäteten Rettungsdienst

  • Das ARD-Magazin Report berichtet über die Eintreffzeit eines RTW im LK Diepholz (NDS) und bemängelt die unzureichende Vernetzung von Leitstellen.


    https://www.ardmediathek.de/vi…em__77Pcs3hOk61tD8N_wc-NA

    raphael-wiesbaden


    Artikel 1
    (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.


    Selig sind die geistig Armen - nur: kann der Himmel die ganzen Seligen auch wirklich aufnehmen ?

  • Das Video beschreibt das Dilemma sehr gut. Wir wären seit mindestens 15 Jahren technisch dazu in der Lage, Leitstellen untereinander zu vernetzen. Wir wollen es aber nicht, weil Länder und Kreise es nicht geschissen bekommen. Das muss man genau so mal sagen: Das Wissen, was getan werden müsste, haben wir seit Jahrzehnten.

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • Wobei aber diverse Leitstellen direkt die Fremdrettungsmittel der Nachbarleitstellen sehen und diese dann einsetzten bzw. anfordern können. Da gehört Hannover meine ich auch zu.

  • Wobei aber diverse Leitstellen direkt die Fremdrettungsmittel der Nachbarleitstellen sehen und diese dann einsetzten bzw. anfordern können. Da gehört Hannover meine ich auch zu.

    Nur im Bereich der KOST Niedersachsen (die eigentlich ein Teil des Landes ist aber innerhalb der Regionsleitstelle Hannover ihren Sitz hat). Es können nur RTH, ITH und ITW aus ganz Deutschland eingesehen werden. Und eben die eigenen RM. Keine Rettungsmittel aus den Nachbarlandkreisen; oder anders: RTW, NKTW, KTW sowie NEF anderer Landkreise können nicht gesehen werden. Und dass, wo es spezielle AAO-Verfahren an den Kreisgrenzen gibt (mit Hildesheim, dem Heidekreis und auch mit Nienburg und Schaumburg).


    In der Vergangenheit gab es hier auch einigen Widerstand, was die GPS-Ortung betrifft. Das ging soweit, dass GPS-Sendeanlagen bewusst manipuliert worden sind.

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    Einmal editiert, zuletzt von Harris NRÜ ()

  • diese dann einsetzten bzw. anfordern können

    Das einsetzen und anfordern ist ja das Problem. Es muss über Telefon passieren; und das bedeutet:


    • Die andere Leitstelle (oder man selbst) muss erreichbar sein. Oder anders: Es muss schnellstmöglich jemand ans Telefon gehen können. Im vergangen Jahr hatte das bei einem Beispiel 15 Minuten gedauert, so das die abgebene Leitstelle aus Verzweiflung ein eigenes Rettungsmittel in den Nachbarlandkreis entsendet hat.
    • Und man muss sich zunächst vergewissern, ob das gewünschte Rettungsmittel überhaupt verfügbar ist (Hey, hast Du den 56/83-Dingenskirchen frei? Nee Du, der ist im Einsatz. Jo, danke. Dann waren die 3 Minuten Warteschleife umsonst ...)

    Das beschreibt es ganz gut. Durch die fehlende Vernetzung der Leitstellen wird Zeit verbrannt. Das müsste nicht sein.


    Es zeigt auch gut, dass im Bereich der Führungs- und Verwaltungsstäbe, also im Katastrophenschutz, die Vernetzung bereits vorhanden ist. Da wird diese aber nur alle paar Jahre mal benötigt. Im Leitstellenbereich hunderte Male am Tag im ganzen Bundesland. Die Prioritäten werden hier vom Land falsch gesetzt. Und dann wären da noch die gallischen Dörfer, die Fürstentümer ...

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  • Laut dem Video gehen 27 Minuten der Verzögerung auf die Bewertung des ersten Notrufes. Ob ggf. eine andere Abfragestrategie hier ein anderes Ergebnis gehabt hätte wird nicht hinterfragt.


    Ansonsten ist die Art und Weise wie Rettungsmittel der Nachbarkreise alarmiert werden völlig inkompatibel mit der Rettungsdienstplanung.

    Für meinen Wohnort z.B. sagt das Gutachten es sei der RTW des Nachbar Kreises zu alarmieren (10km, überwiegend Landstraße). In der Realität wird natürlich eher der eigene RTW alarmiert (13 km, 50% Ortsdurchfarten).


    Dabei hat das Land über das Tetra System ja den Status aller Rettungsmittel. Auch die Ortung kann über Kreisübergreifende Anfragen über das Tetra System realisiert werden. Die Datenbank mit dem Status aller Rettungsmittel kann das Land daher völlig ohne Hilfe Dritter aufbauen und die Daten den Leitstellen zur Verfügung stellen. Datenübergabe und vor allem Einsatzübertragung machen natürlich mehr Aufwand

  • Dabei hat das Land über das Tetra System ja den Status aller Rettungsmittel. Auch die Ortung kann über Kreisübergreifende Anfragen über das Tetra System realisiert werden. Die Datenbank mit dem Status aller Rettungsmittel kann das Land daher völlig ohne Hilfe Dritter aufbauen und die Daten den Leitstellen zur Verfügung stellen. Datenübergabe und vor allem Einsatzübertragung machen natürlich mehr Aufwand

    Man müsste es nur wollen. Will aber bisher keiner. Das Land nicht und die Kreise auch nicht.

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  • Sind wir im so schlechten BaWü gar nicht so schlecht.
    sehen können wir alles. Ob man es dann anfordert ist ein anderes Thema.

  • Sind wir im so schlechten BaWü gar nicht so schlecht.
    sehen können wir alles. Ob man es dann anfordert ist ein anderes Thema.

    Einmal vor über 20 Jahren erlebt. Rückfahrt von einer Verlegung nach Süddeutschland. Natürlich über Funk brav immer an- und abgemeldet .

    Dann: rk wi 47/11 mit Standort ... Äh, A 81 in Fahrtrichtung Nord zwischen ... Wunderbar: Sie fahren mit Sosi weiter, VU mit mehreren Verletzten gemeldet

    raphael-wiesbaden


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    (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.


    Selig sind die geistig Armen - nur: kann der Himmel die ganzen Seligen auch wirklich aufnehmen ?

  • Wir sind gestern als NAW zu Nasenbluten alarmiert worden, obwohl es bei uns ein standardisiertes Abfragesystem gibt. So lange solche Einsätze disponiert werden, braucht man über vernetzte Leitstellen nicht nachdenken. Für den selben bullshit fahre ich nämlich auch ins Nachbarbundesland.

  • Kann ich gut nachvollziehen, dass so etwas Frust schafft. Ich könnte mir vorstellen, dass "starke unstillbare Blutung" das Zauberwort im Abfragesystem das Problem sein könnte. Das ist Aufgabe des ÄLRD, dieses zu lösen, da er die AAO gemäß Abfrageergebnis vorgibt. Es sei denn man benutzt ProQA. Da ist es wohl deutlich unflexibler, weshalb es im Test bei unseren Disponenten auch abgelehnt wurde (und DIAS sich durchsetzen konnte). Vielleicht besprichst Du mal mit dem ÄLRD den Einsatz, damit dieser schauen kann, wo das Problem lag. Dann kann er zusammen mit dem Leitstellen-QM nachjustieren (wenn er will).

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  • Gespräche dahingehend sind sinnlos. Es gab schon diverse frustrane Versuche in diese Richtung. Ich frage mich aber weiterhin, warum überhaupt NFS bei uns auf der Leistelle sind (Ausnahme Feuerwehr, da auch RS, also diejenigen mit sehr wenig Praxiserfahrung), wenn nicht vom Programmvorschlag abgewichen wird. Wieso sonst fährt man ebenso als NAW zu einer Amputation des Ringfingerendgliedes (stand so sogar wortwörtlich auf dem Melder)?

  • Das ist schade, dass das Leitstellen-QM und der ÄLRD so wenig Interesse an einer Weiterentwicklung (und Verbesserung) haben. Dann liegt da aber eher das Problem, nicht in der Sache ansich (standardisierte Abfrage). Denn die (meisten) Systeme lassen sich anpassen gemäß den Erfordernissen und nach „Lerneffekten“.

    Ich komme aus Ironien, das liegt am sarkastischen Meer.

  • Ich vermute eher, dass HILOPE die Kombination aus RTW und NEF meint, die so zum NAW werden.

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  • Wir sind gestern als NAW zu Nasenbluten alarmiert worden, obwohl es bei uns ein standardisiertes Abfragesystem gibt. So lange solche Einsätze disponiert werden, braucht man über vernetzte Leitstellen nicht nachdenken. Für den selben bullshit fahre ich nämlich auch ins Nachbarbundesland.


    Das es überhaupt noch NAWs gibt :grinning_face_with_sweat:

    Oder stand das NEF wegen Personalmangel und ihr seitennot gedrungen kompakt gefahren ?

    Dann wird der NAW vermutlich als RTW disponiert gewesen sein, weil kein andere verfügbar war.

    Und du als NA warst halt Colateral damage...

  • Hamburg hat z.B. tatsächlich noch NAW, die meist entweder als ITW light oder als NEF mit zusätzlichem RTW disponiert werden. In SH kennt das RDG keinen NAW mehr, es gibt lediglich Baby-NAW und ITW. Letztere werden aber gelegentlich auch mal als NEF disponiert aber eher sehr selten. Ein 12t NEF mit Doppelkabine kommt auch wirklich nicht mehr so gut in jede Seitenstraße.

    Land zwischen den Meeren,
    vor dem sich sogar die Bäume verneigen,
    du bist der wahre Grund,
    warum Kompassnadeln nach Norden zeigen!