Beiträge von Hilope

    Ich war bei vielen Übungen dabei, die fehlgeschlagen sind. Das ist auch kein Wunder, da man solche Dinge viel zu selten übt. Dass Übungen schlecht laufen, ist nach meiner Erfahrung eher der Normallfall. Nur sagt dann hinterher immer jemand: "Wow, Glückwunsch, das ist ja toll gelaufen."

    Kenne ich auch so. Oft werden dennoch negative Dinge angesprochen, die beim nächsten Mal dann genau wieder so schlecht ablaufen.

    Talking Down wird bei diesen Personen nicht funktionieren - das weiß man aber natürlich erst, wenn man es versucht hat. Was man natürlich nicht überstrapazieren darf, aber wenn man es gar nicht erst versucht, weil man ja "weiß" das es nicht funktionieren wird, dann wird man auch die Personen verpassen, bei denen es wirken würde. Und, auch während und insbesondere nach der Maßnahme sollte man weiter/wieder mit dem Patienten reden, es kann nicht schaden und man weiß nie wieviel doch durchdrängt (und sei es unbewusst). Eben wie bei unseren Patienten zB auf Intenisv.

    Dass ich das so nicht handhaben würde, habe ich mit keiner Silbe gesagt, und das würde doch auch jeder erst einmal so machen. Zumindest gehe ich jetzt mal vom durchschnittlichen Mitarbeiter im Rettungsdienst aus, insbesondere von den aktiven Mitgliedern hier im Forum.

    Wie gesagt, wir reden nicht vom Standardgegenüber, dass nur gerade seine antisoziale Ader auslebt oder "wütend" ist. Wir reden hier vom völlig ausgerasteten Psychotiker oder einem der so auf Stoff ist, dass er sich nicht nur für Hulk hält - also eben unserem Risikoklientel. Aber halt auch genau das, was man nicht simulieren kann.

    Und diese Personen kann man nicht mit Talking Down erreichen. Nie. Das ist ja das Problem.

    Das hatte ich doch schon auf Seite 1 geschrieben. Da wurde mir von dir vorgeworfen, ich würde solche Patienten und dazu auch noch Obdachlose schlecht versorgen.

    Weil das hier angeklungen ist, auch sedierte oder psychotische Menschen haben das Recht das wir mit ihnen reden - ruhig und angemessen. Und wenn du den Menschen nur auf dem Niveau eines Dreijähigen erreichst, dann bitte. Mit einem Dreijährigen wirst du ja wohl auch reden, oder? So wie ich mir sicher bin, dass du (hoffentlich) mit tief sedierten oder komatösen Patienten redest. Alles andere ist unprofessionell. Der Anschein, der da erweckt wird, macht mich wütend, denn das Menschen in psychischen Ausnahmesituationen/mit psychiatrischen Erkrankungen genauso wie Obdachlose relevant shclechter versorgt werden als andere Menschen ist gut untersucht (auch in Deutschland). Man sollte sich diesem Umstand also bewusst sein und nicht in diese Falle tappen. Auch wenn es nervt, stinkt und unangenehm ist udna uch wenn wir zum 4ten Mal diese Woche bei diesem einen Patienten sind - das ist unser Job und diesen müssen wir professionell ausfüllen!

    Und einen recht guten Venenstatus beim Patienten, damit das zügig klappt. Das ist ja auch nicht zwingend bei allen Patienten so, hoher Blutdruck durch Erregungszustand hin oder her.

    Eben. Wenn man einen Zugang hat, hat man fast immer so gut wie gewonnen, egal bei welchem Patienten.


    Ein kleiner Vorteil bei renitenten Patienten ist, dass durch die muskuläre Anspannung schon ein gewisser Stau in den Venen entsteht.

    Ich habe bei diesen Patienten sehr gute Erfahrung mit Propofol i.v. gemacht, gerne in höheren Dosierungen „aus der Hand“.

    Das mit dem Zugang ist ja das Problem bei sehr renitenten Patienten, ansonsten würde ich immer Propofol nehmen. Gerade als Anästhesist ;)

    würde ich mich bevorzugt auf publizierte Empfehlungen oder Studien, als auf Eure Erfahrungsschilderungen in diesem Forum beziehen.

    In der von dir verlinkten Studie wird von Untersuchungen in der Vergangenheit gesprochen, die besagen, dass Haldol auch durchaus nach 5 Minuten wirken würde. Außerdem war das Auftreten von schwerwiegenden Komplikationen bei Ketamin doppelt so häufig wie bei Halodol plus Benzodiazepin. Das sollte bei der Auswahl der Therapie auch berücksichtigt werden.

    Ich bin bestimmt nicht immer Hilope Meinung, aber ich habe Haldol i.m. schon sehr oft und eigentlich immer erfolgreich eingesetzt. Handelsübliche Frau 5mg, ggf erneut 5mg, handelsüblicher Mann 10mg, ggf 5mg erneut. Anschlagzeit üblicherweise 5 bis max. 10min. 20min habe ich noch nie gewartet (dann wirkt es gar nicht) und so geht es auch meinen Kollegen - hier ist es das first line Medikament. 250mg Es-Ketamin kommt hier eigentlich nur als Rescuestrategie zum Zug, dh entsprechend selten. Mit Midazolam nasal haben wir hier eher schlechte Erfahrung gemacht (wirkt nicht), Midazolam i.m. habe ich in dem Setting bisher erst 1x gemacht , funktioniert auch, macht aber deutlich müder.

    Das entspricht in etwa meinen Erfahrungen, auch was die Dosierungen angeht.

    Das ist deine Ansicht, ob diese korrekt ist, ist nicht gesagt.

    Aber eigentlich ging es doch um den langsameren Wirkeintritt von Haloperidol und dass Du diesen bezweifeltst. Ist Deine Verschiebung der Fragestellung von Wirkeintritt auf Dosis als Akzeptanz des schnelleren Wirkeintritts von Ketamin vs. Haloperidol zu werten? Oder eher als zur Kategorie "Schau mal da, ein Schmetterling!" gehörend?

    Rocuronium hat bei einer Dosierung von 0,5 mg/kgKG eine Anschlagszeit von 2 bis 3 Minuten, bei 1 mg/kgKG eine Anschlagszeit von unter 1 Minute. Es gibt also Zusammenhänge von Dosis und Wirkeintritt. Wenn ich nun Succi mit Rocuronium vergleiche, muss ich bei Rocuronium schon die richtige Dosis wählen, um beide Medikamente korrekt vergleichen zu können. Die Aussage, Succi wirkt mit unter 1 Minute Anschlagzeit drei Mal schneller wie Rocuronium, ist nur dann richtig, wenn man Rocuronium mit 0,5mg/kgKG dosiert.


    Ob das bei Halodol auch so der Fall ist, weiß ich nicht, aber unwahrscheinlich ist nun mal nicht.

    Z. B. hierher:

    Haloperidol braucht also ca. drei mal länger als Ketamin zur "Rapid Agitation Control", vulgo Sedierung.

    5mg Haldol sind bei wirklich agitierten Patienten auch zu wenig, auch, wenn das die empfohlene Dosis ist.


    Die i.m.-Gabei ist bei beiden Medikamenten gleich anspruchsvoll.

    Also gibts im Handling keinen Unterschied.


    Mir bei 100 % der präklinischen i.m.-Gaben von Haldol (n=1).

    Das wissen nur die Gött:innen, vielleicht in BW die SQR. Routine ist das m. E. aber nicht.
    Das spricht m. E. auch für Ketanest statt Haldol durch NotSan im Notstand, da auf dem RTW (meist?) vorhanden und bekannt.
    Des Weiteren ist Seltenheit allein m. K. n. weder Vor- noch Nachteil eines Verfahrens.

    In dieser Diskussion erhalte ich den Eindruck, dass das sehr häufig angewandt wird und auf einen breiten Anwendungserfahrungsschatz mit der Sedierung über Ketamin zurückgegriffen werden kann, was mich erstaunt, weil ich selbst in den letzten 14 Jahren nur sehr wenige Einsätze diesbezüglich hatte.


    Also n<=10. Damit entspräche Deine o. g. eine Ausnahme beim Wirkeintritt >= 10 % Deiner Fälle.

    Bei dem Einsatz konnte ich, soweit ich mich erinnere überhaupt keinen Effekt feststellen, weiß aber, wie erwähnt auch nicht, ob das Medikament überhaupt bzw. richtig verabreicht wurde, weil das durch die Polizei erfolgte.


    Wen meinst Du mit "man"? „Man“ erzeugt m. E. den Eindruck einer allgemein akzeptierten, offensichtlichen Sichtweise der folgenden These, "dass Patienten in psychiatrischen Krankenhäusern nicht medikamentös behandelt werden dürfen, wenn die Patienten dem nicht zustimmen".

    Man sind Fachärzte für Psychiatrie, die in mehreren Fachzeitschriften über diese Problematik berichtet haben. Sie beklagten das Dilemma, Patienten fixieren zu müssen, obwohl es eine "sanftere" Alternative wie eine medikamentöse Behandlung gäbe.


    Hierzu z. B. das PsychKHG BW:

    Eine Behandlung ohne "Zustimmung" bzw. Einwilligung des Patienten ist - in engen Grenzen - also möglich.

    Das ist sicher richtig.


    Eine "schnelle Sedierung" bei akutem HDSA liegt m. E. innerhalb dieser Grenzen.
    Deine These "dass Patienten in psychiatrischen Krankenhäusern nicht medikamentös behandelt werden dürfen, wenn die Patienten dem nicht zustimmen" ist damit - insbesondere im Kontext HDSA - m. E. falsifiziert.

    Das ist deine Ansicht, ob diese korrekt ist, ist nicht gesagt, so dass meine These auch nicht falsifiziert ist. Wenn andere Maßnahmen möglich sind, wäre eine medikamentöse Sofortbehandlung nicht unbedingt notwendig. Es kommt auf den Einzelfall an.


    Offensichtlich kein Sachargument.
    Ironie, Sarkasmus, rhetorische Spitze... ?

    Das kann ich zurückgeben. Ironie? Sarkasmus? Oder verstehst du meine Aussage nicht?

    Aus der Praxis, rein suvjektiv: Ketamin ist dem Haldol insbesondere bei affektiven Psychosen und Stimulanzien Meilenweit überlegen was das Handling und den Wirkeintritt angeht, von den UAW ganz abgesehen.

    Ich würde gerne mal wissen, woher das mit dem langen Wirkeintritt von Halodol kommen soll? Bevor der Ketamin-Hype in den letzten Jahren aufkam, sind Patienten mit Haldol ausreichend sicher sediert worden. Und an Wirkeintritten von über 10 Minuten sind mir mit einer Ausnahme nie begegnet. Deswegen kann ich nicht nachvollziehen, dass 1 bis 2 Milliliter in den Oberarm oder Oberschenkel zu verabreichen irgendwie schwierig sein sollen, was Ketamin "meilenweit" überlegen macht.

    Wie oft werden denn hier Randalierer vom Rettungsdienst sediert? Ich kann das in meiner Karriere an zwei Händen abzählen. Wenn man bedenkt, dass Patienten in psychiatrischen Krankenhäusern nicht medikamentös behandelt werden dürfen, wenn die Patienten dem nicht zustimmen, scheint im Rettungsdienst ja ein ausgeprägter Erfahrungsschatz damit vorzuliegen.

    Eigentlich nichts, nur meiner Erfahrung nach dauert der Wirkeintritt erheblich länger. Ohne auf die Uhr geschaut zu haben, scheint es erst nach 20 min. effektiv zu wirken.

    Das kann ich so nicht bestätigen. Mir sehr gut erinnerlich sind 3 Anwendungen, da war nach weniger als 5 Minuten zumindest ein ruhiges Arbeiten inklusive Zuganglegen möglich. Bei einem vierten Patienten hatte Haldol gefühlt keine Wirkung, wobei das durch die Polizei verabreicht wurde und ich auch nicht sehen konnte, ob dies korrekt ausgeführt wurde.

    ad d) Du bist in der Veranwwortung sobald die Garantenstellung greift. Mutmaßlich mit Beginn der Alarmierung und spätestens ganz praktisch mit dem ersten Kontakt zum Patienten.

    Ich bin dann in der Verantwortung, wenn es einen Patienten, also ein medizinisches Problem gibt. Ich bin sicher nicht für irgendwas verantwortlich, wenn sich die Polizei mit einem Randalierer prügelt. wenn sich dabei ein behandlungsbedürftiger Zustand und damit auch ein Patient ergibt, bin ich sicher in der Verantwortung, aber zuvor sicher nicht.



    Und wieviel Aufwand zur Überwachung ist geboten? Jeder mögliche Aufwand! Ergo, das shcließt jede genannte Option (und vermutlich noch mehr) ein. Was ist das für eine Frage bitte? Ich kann doch nur weil etwas aufwendiger, nerviger oder anstregender ist als sonst nicht eine gebotene Maßnahme unterlassen.

    Natürlich ist jeder mögliche Aufwand geboten, aber eben nur jeder MÖGLICHE. Wenn das aufgrund der Einsatzsituation nicht möglich ist, dann eben auch nicht. Ich habe nirgends geschrieben, dass mir das zu anstrengend oder nervig wäre. Was möchtest du mir da eigentlich die ganze Zeit unterstellen?


    Das ist unser Job und wer nicht bereit ist den auszufüllen, der soll bitte etwas anderes mache, DAS macht mich wirklich sprachlos, wenn es ernst gemeint ist.

    Wenn du mir nichts unterstellen würdest, dann müsstest du dich auch nicht sprachlos sein.


    Weil das hier angeklungen ist, auch sedierte oder psychotische Menschen haben das Recht das wir mit ihnen reden - ruhig und angemessen. Und wenn du den Menschen nur auf dem Niveau eines Dreijähigen erreichst, dann bitte. Mit einem Dreijährigen wirst du ja wohl auch reden, oder? So wie ich mir sicher bin, dass du (hoffentlich) mit tief sedierten oder komatösen Patienten redest.

    Offensichtlich hast du noch niemals einen wirklich psychotischen Menschen behandelt, ansonsten würdest du so etwas nicht sagen. Wenn Menschen nicht erreichbar sind, kann ich noch so freundlich und empathisch sein, sie werden nicht erreichbar sein. Wenn ein Mensch den Eindruck hat, ich möchte gerade verbotene Experimente an ihm durchführen, oder ich wäre schlicht ein Alien, das ihn entführen möchte, kann ich noch so freundlich meine Maßnahmen erklären.


    Der Anschein, der da erweckt wird, macht mich wütend, denn das Menschen in psychischen Ausnahmesituationen/mit psychiatrischen Erkrankungen genauso wie Obdachlose relevant shclechter versorgt werden als andere Menschen ist gut untersucht (auch in Deutschland). Man sollte sich diesem Umstand also bewusst sein und nicht in diese Falle tappen. Auch wenn es nervt, stinkt und unangenehm ist udna uch wenn wir zum 4ten Mal diese Woche bei diesem einen Patienten sind - das ist unser Job und diesen müssen wir professionell ausfüllen!

    Ok, ich frage nach, wie viel Überwachung bei einem Randalierer, also einem Menschen, der wild um sich schlägt, der durch Worte nicht erreichbar ist, zu erwarten ist, deswegen versorge ich jetzt sowohl solche Patienten schlecht als auch Obdachlose, weil diese stinken. Alles klar. Aber sonst gehts dir noch ganz gut?

    Ich habe (wieder mal) das Gefühl du möchtest mich nicht verstehen

    Ich glaube, du mich auch.



    Ich habe (wieder mal) das Gefühl du möchtest mich nicht verstehen... muss das sein?


    Wenn du allerdings in Frage stellst, dass man einen sedierten Menschen im RD nicht adäquat und leicht monitoren kann, dann solltet ihr dringend mal eure Technik udn Arbeitsbedingungen überprüfen (oder du deinen Anspruch), denn überall sonst in der Republik im urbanen und normalen ländlichen Raum scheint das kein Problem zu sein. Und da du es herausforderst: Moderne Techni macht durchaus auch kenntlich, wenn Werte nicht plausibel sind, bzw wie sicher der angegebene Wert auch korrekt ist. Zudem haben wir bei einem solchn sedierten Patienten typischerweise nicht nur einen Vitalparameter, dh selbst wenn das Pulsoxy ausfällt sehen wir immer noch das EKG, den Blutdruck und die Kapnographie (sollte obligat sein mittlerweile). D.h. es besteht genug technische Redundanz. Und, auch diese dar nie alleine stehen, denn die klinische Beurteilung gibt es ja auch noch.

    Wenn du mir live vormachst, wie du einen Patienten im Tragetuch über mehrere Stockwerke hinweg sicher monitorst, werde ich dazu nichts mehr sagen. Ansonsten bleibe ich dabei, dass diese Behauptung eine maßlose Selbstüberschätzung ist, wenn man berücksichtigt, dass das C3 ab dem Anheben des Patienten durchgängig Alarme bei allen Werten gibt, Sättigung, RR und EKG und ein Patient im Tragetuch so gut wie nicht sichtbar ist. Ich kann mich auch an keine Fahrt erinnern, an dem nicht irgendein Wert Alarm gibt. So etwas gibt es in diesem Ausmaß in keinem OP. Und wenn ein solcher Patient auf dem Bauch mit mehreren Polizisten darauf im RTW liegt, dann kann ich die Vigilanz bzw. auch das Hautkolorit als Zeichen der Entsättigung rein äußerlich nur schwer abschätzen. Wenn du das besser kannst und Sättigung, EKG und RR als schnelle Parameter einer Zustandsänderung insbesondere eines Atemstillstandes ansiehst, ok.


    ad c) Ich bin mir sicher, dass alle Menschen die länger als 5 Minuten im RD arbeiten Methoden kennen um zwischen "ich will nicht" und "ich kann nicht" mit dir reden zu diskriminieren. Könnte ich daher als Provokation(Vorsatz bewerten diese Aussage - tue ich abe rnicht, bin heute harmonisch. Anders ausgedrückt, ja, auch hier kann es mal sein, dass man den Patienten anfassen, vllt sogar einen Schmerzreiz setzen muss - das ist dann aber notwendig und ein Unterlassen kaum zu rechtfertigen.

    Einen Patienten aufzuwecken, wenn es das Ziel ist, dass dieser schläft, halte ich nach wie vor für sinnlos. Hier ist die Sedierung nicht Mittel zum Zweck einer OP, sondern das Ziel selbst. Natürlich müssen die Vitalparameter kontrolliert werden, dies muss aber nicht dadurch geschehen, indem ich meine Behandlungsziele selbst torpediere. dann sollte ich eine Sedierung unterlassen, wenn man das nicht anders hinbekommt.

    Wenn ein Mensch unter Obhut der Polizei ist, ist diese verantwortlich für sein Wohl. Wenn der unter unserer Obhut ist, sind wir dafür verantwortlich. Ohne die Kommunikation zu kennen, würde ich annehmen, wenn die Polizei mich nachfordert, dass sie mich in der Verantwortung sieht. Ist auch kein Problem, aber dann muss ich auch Einfluss auf die Art und Dauer der Fixierung haben.

    Das würde ich im Wesentlichen auch so sehen.

    Du bist doch ein erfahrener Anästhesist, richtig? Sedierte Menschen weckt man auch in der Klinik u.U. regelmäßig auf um zu sehen wie tief sie sediert sind.

    Die Sedierung während eines operativen Eingriffes hat einen völlig anderen Hintergrund als die bei der Ruhigstellung eines "Randalierers". In der Klinik überprüfe ich durch Ansprache, ob die Sedierungstiefe ausreichend ist, damit Manipulationen nicht bemerkt werden. Ein Wecken würde nur dann erfolgen, falls sich die Atmung unzureichend verlangsamt oder ganz einstellen würde. Bei so einem Patienten muss ich aber nicht damit rechnen, dass dieser als nächstes sich oder alle Umstehenden gefährdet.

    Bei der Sedierung eines solchen "Randalierers" ist dagegen das Behandlungsziel erreicht, wenn dieser nicht mehr um sich schlägt bzw. schlicht transportabel ist. Ob dieses Ziel erreicht ist, ist sehr leicht für alle Mitbeteiligten erkennbar, da muss der Patient auf keinen Fall eigens für geweckt werden. Dein Vergleich ist für mich daher nicht passend.


    Sedierte Menschen kann man super überwachen - die wehren sich nämlich nicht.

    Das würde ich für den Rettungsdienst so nicht unterschreiben. Während des Transportes sind sowohl technische Mittel wie die Sauerstoffsättigung aber auch die Messung der Atemfrequenz mittels EKG-Ableitung durch ständige Artefakte erheblich eingeschränkt und auch die visuelle Kontrolle durch Kleidung oder das Rütteln des Fahrzeuges nicht sicher möglich. Über den Transport im Tragetuch zum Fahrzeug möchte ich gar nicht erst anfangen, wie gut Patienten da überwacht werden.


    Anspruchsvoller sind die nicht sedierten Patienten, die fixiert auf einer Trage (zB) liegen. Um die geht es. Und die liegen gar nicht so selten auch mal ruhig da - und da sollte man dann doch mal checken ob es daran liegt das sie sich einfach beruhigt haben oder ob sie gerade bewusstlos geworden sind.

    Wenn ein Patient in so einer Situation nicht adäquat oder gar nicht antwortet, ist er dann für dich bewusstlos oder zumindest gefährdet oder hat er schlicht keine Lust zu antworten? Greifst du dann schon ein und wenn nein, ab wann?


    Deshalb nicht überwachen ist definitiv nicht die Lösung und wird vor Gericht auch ganz sicher nicht als Argument ziehen.

    Das habe ich nirgends geschrieben. Meine Frage war, ab wann bin ich bei einem solchen Polizeieinsatz in der Verantwortung und wie viel Aufwand kann von mir bei einer Überwachung verlangt werden. Dass ich bei so einem Einsatz nicht die selbe Sicherheit wie einem ruhigen OP-Saal bieten kann, dürfte ziemlich offensichtlich sein.

    Mehrere Optionen: Serielles Monitoring (PulsOxy-Clip immer wieder dran machen, auch wenn es nervt), Notfall-Sedierung (z.B. Midazolam oder Haldol oder Es-Ketanest), bewusste kontinuierliche Vitalzeichenkontrolle/Vigilanzüberwachung (ja, das bedeutet, dass man den Patienten/das Gegenüber ansprechen und anfassen muss).

    Patienten, die man sedieren möchte, ständig wieder zu wecken, um zu schauen, ob sie noch weckbar sind (?), um damit wieder das unerwünschte Verhalten zu provozieren, so dass man sie wieder (stärker) sedieren muss, ist für mich ein wenig sinniges Konzept.

    Die pulsoxymetrische Überwachung ist schon bei ruhigen Patienten während jeder Phase eines RD-Einsatzes sehr fehleranfällig von falsch zu hoch wie auch falsch zu niedrig gemessenen Werten.

    Ich würde es bestreiten, dass man massiv unruhige Patienten im RD wirklich sicher überwachen kann.


    Dabei nicht vergessen, auch Querulanten/Verdächtige/Randaliere und PSychotiker sind Menschen, d.h. man sollte zumindest versuchen freundlich zu sein und ihnen erklären was man tut und warum.

    Dass man Querulanten nicht als Menschen sehen sollte, oder man nicht freundlich mit umgehen sollte, würde ich nie bestreiten. Menschen im Ausnahmezustand oder mit aktut bzw. chronisch kognitiven Einschränkungen Maßnahmen zu erklären, ist ähnlich sinnvoll wie einem Dreijährigen zu erklären, dass eine Operation mit all den negativen Folgen für ihn jetzt wirklich das Beste ist. Wenn dies möglich wäre, wäre der Einsatz der Polizei mit Fesselung vermutlich schon nicht nötig.


    Sobald wir dabei sind und eine medizinische (Not)Lage erkennen, müssen wir auch Initiative ergreifen. D.h. mindestens Ansprache eines Polizeibeamten, der nicht unmittelbar gebunden ist. Man kann ja abhängig von der Situation durchaus auch Unterstützung i.S. einer Notfallsedierung (Güterabwägung!) anbieten. Dies darf aber natürlich nicht Teil der polizeilichen Maßnahme Fixierung/Gewahrsamsnahme sein, sondern muss immer eine medizinische Indikation haben (und sei es den Patienten vor Verletzungen oder eben einem drohenden HDS zu schützen, bzw. bei einer akuten Psychose einzugreifen).

    Das Problem ist ja, die medizinische Notlage zu erkennen. Ich denke nicht, dass man als RD der Polizei nicht rückmeldet, dass der Patient gerade verstirbt, wenn man das erkennen sollte. Natürlich kann man eine Sedierung anbieten, diese ist aber gerade in der Situation mit nicht weniger Risiken verbunden für den Patienten verbunden und auch für alle Beteiligten, weil die Sedierungstiefe und Dauer nicht sicher vorhersehbar ist.

    Da bin ich mal gespannt auf Details. Den Mitarbeitern des Rettungsdienstes werfe man Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen vor. Todesursache ist eine Hypoxie, die möglicherweise auf eine Fixierung in Bauchlage zurückzuführen ist.

    Da bin ich auch auf Details gespannt. Der Artikel liest sich so, als wenn die Fesselung schon vor Eintreffen des Rettungsdienstes erfolgte bzw. dieser erst nach der Fesselung gerufen wurde.


    Ich würde mich als NA auch stets hüten, in eine Polizeimaßnahme zu einzugreifen. Wenn der Atemstillstand vom Rettungsteam nicht rechtzeitig erkannt wurde, stellt sich mir dir Frage, wie viel Überwachung bei einem randalierenden Patienten überhaupt möglich ist bzw. was für Aufwendungen aufgebracht werden müssen, um irgendwie eine Überwachung hinzubekommen.

    Ich gehe mit dir mit, wenn du sagst, dass Herr Merz Versprechungen gemacht hat, die er nicht mal im Ansatz bisher erfüllt hat, und dass es erhebliche Zweifel gibt, dass er diese jemals erfüllen wird. In einem anderen Beitrag habe ich auch schon mal geschrieben, dass ich ihm das sehr ankreide, die Vorgängerregierung nur aus Eigeninteresse gestürzt und damit die AfD weiter gestärkt zu haben.


    Allerdings wurde ja nun ein Vorschlag vorgelegt, der zu Verbesserungen führen soll. Jetzt einfach nur zu sagen, dass ist aber totale Schei.e, ohne wirklich eine Alternative anzubieten, finde ich dagegen schwach. Wenn keine besseren Vorschläge genannt werden können, würde ich schlussfolgern, dass dann der gemachte Vorschlag aktuell der bestmögliche ist. Zudem, wenn man keine bessere Alternative hat, weil man sich nicht auskennt, dann gehe ich davon aus, dass man auch nicht die Kompetenz hat, über den gemachten Vorschlag zu urteilen.


    Natürlich darf man meckern, das ist ja nicht verboten. Aber was bringt das, außer schlechte Stimmung? Wie heißt es so schön: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten." (Das war jetzt nicht auf dich bezogen.) In diesem Land gibt es 80 Millionen Bundestrainer, Ärzte, Wissenschaftler, Politiker und so weiter. Aber wirklich Verantwortung übernehmen und tatsächlich etwas tun, macht nur ein kleiner Teil. Und der muss sich dann das Gemecker vom restlichen, untätigen Teil anhören. Naja.