Beiträge von tdoub

    Die langjährigen RS die ich kenne, sind eben deswegen langjährige RS, weil sie nicht die Ambitionen und/oder geistigen Kapazitäten (klingt blöd, finde aber die Tatsache an sich nicht schlimm) haben, den RettAss, oder jetzt den NotSan zu machen. Die machen einen guten Job als Fahrer und Assistent von NotSan und Notarzt, und das langt ihnen meist auch. Diese Gruppe würde man glaube ich eher durch attraktive Arbeitszeitmodelle und wertschätzendes Verhalten im Kollegium und durch den Arbeitgeber (und damit meine ein Betriebsklima das auch abseits von Floskeln und Unternehmenszielen besteht) halten. Die Gruppe, die sich im Job wirklich unterfordert fühlt, die Ausbildung zum NotSan aber nicht wuppt und deshalb den Rettungsdienst verlässt, ist meiner Beobachtung nach eine eher zu vernachlässigende Zahl. Gilt natürlich nur für den Mikrokosmos den ich kenne.


    Edit: Ergänzung und 1000 Tippfehler…

    Das überrascht mich dort auch nicht. Gedanken mache ich mir eher um das "hier". Ich könnte mir vorstellen, dass bei einer Novellierung der RettSan-Ausbildung, vor allem bei einer Verlängerung der Ausbildung, der Katastrophenschutz Angst bekommt und befürchtet, dass im die Felle weg schwimmen. Die Frage ist jedoch auch, wie umfangreich die EMT-Ausbildung in den USA ist? Das Video konnte ich mir nämlich noch nicht anschauen (gefühlt komme ich nur noch zum essen und schlafen nach Hause), aber ich meine aus der Vergangenheit zu wissen, dass die Ausbildung in den USA sehr unterschiedlich geregelt ist. Hier übernehmen freiwillige Feuerwehren auch als First Responder Aufgaben, die dafür entsprechend (mehr als EH) ausgebildet werden.

    In der Rettungsdienst 9/2011 ist ein ausführlicher Bericht über Medic One. Hier steht zu den EMTs:


    „Ausbildung EMT

    Jeder Feuerwehrmann wird nach Abschluss seiner feuer- wehrtechnischen Ausbildung auch zum Emergency Me- dical Technician (EMT) ausgebildet. Der EMT mit seiner 132-Stunden-Ausbildung (zzgl. 10 Stunden Krankenhaus- praktikum) ist allerdings nur bedingt mit dem deutschen Rettungshelfer vergleichbar. Der EMT kommt in Seattle und King County primär in der Notfallrettung zum Ein-

    satz. Seine Regelkompetenz beschränkt sich auf BLS-Maß- nahmen inkl. der halbautomatischen Defibrillation. Seine jährlich zu erfüllende Fortbildungspflicht liegt bei 10 Stun- den. Maßnahmen wie das Legen von venösen Zugängen oder Medikamentenapplikation mit Ausnahme von Aspirin und Gluco-Gel sind ihm untersagt und dürfen nur von Pa- ramedics durchgeführt werden. Ein Überschreiten seiner Kompetenzen ist dem EMT auch nicht möglich, da dieses Material auf den BLS-Fahrzeugen nicht mitgeführt wird.“


    An anderer Stelle steht, dass nur in ca 30% der Einsätze ALS Units zum Einsatz kommen, rund 70% der Einsätze also alleine von EMTs abgearbeitet werden. Kann den Bericht sehr empfehlen, dort ist auch beschrieben, dass es so was lapidares wie Analgesie bei Extremitätenfrakturen dort nicht gibt. Ohne die zweifellos beeindruckenden Erfolge bei der Wiederbelebung kleinreden zu wollen, aber das relativiert für mich die Übertragbarkeit auf unsere Verhältnisse.

    Gegenwind war zu erwarten bei dem Thema :-)

    Zitat

    Naja, man hat 2016 angekündigt umzustellen (weil man es muss). Und die KVB-Ärzteschaft ist für die Erbringung verantwortlich - es obliegt nicht dem Rettungszweckverband hier einzugreifen. Ihm sind wortwörtlich die Hände gebunden da die KV den Vorgriff hat.
    Wenn selbige nicht leistet muss der Zweckverband gemeinsam tätig werden.
    Die KV wiederrum verweist zu Recht auf die Vorlauf-Zeit und lässt sich nicht erpressen.


    Ich rede ja auch vom Leistungserbringer, ergo der KVB. Ankündigen kann man viel, das bringt aber nix, wenn die alten Leistungsträger zu den Bedingungen nicht mitziehen. Grundproblem ist auch in meinen Augen tatsächlich die KVB. Ich habe auch nur begrenzten Einblick als im Notarztdienst der KVB geduldeter Klinikarzt, aber dass die Selbstverwaltung (auch) in diesem Bereich an vielen Standorten nicht funktioniert ist für alle im bayerischen Rettungsdienst Beteiligten offensichtlich. Ohne jetzt tiefere Kenntnisse über Neu-Ulm zu haben kann es doch nicht angehen, irgendwann mal eine tiefgreifende Änderung anzukündigen, von der völlig klar ist, dass sie von den bisherigen Ärzten abgelehnt wird, ohne einen Plan B in der Tasche zu haben, wie der Sicherstellungsauftrag gewährleistet wird. Und das Ärztebashing geht mir tierisch auf die Nerven, wenn ich will, dass der Niedergelassene den Notarztdienst leistet, kann ich nicht verlangen, dass er seine Praxis währenddessen zusperrt und sich auf eine Wache hockt. Dann muss ich mir vorher Gedanken machen, wer diesen Dienst abdecken soll.
    Und wer ein bestehendes, möglicherweise nicht optimales, aber laufendes System ändern will, muss vorher erstmal eine bessere Alternative organisieren, bevor er das Alte abschafft.

    Dass Selbstfahrer im Jahr 2019 nicht mehr state of the art sind, gehe ich völlig d‘accord. Aber kann wirklich keiner von Euch nachvollziehen, dass eine Notärzteschaft, die tlw. jahrzehntelang die Dienstpläne von zu Hause oder von der Praxis aus gestemmt hat, nicht begeistert ist nun auf einmal Bereitschaftsdienst auf einer Wache leisten zu müssen? Und was ich eigentlich bodenlos finde, ist dass ein Leistungserbringer das dann umstellt, ohne sich vorher ernsthaft Gedanken zu machen, wie man das ganze dann ohne die Verprellten stemmen kann, sondern mal nen halben Monat einfach als Springerdienste ausschreibt. Tolle Wurst, und so überraschend.

    Zitat

    Das finde ich sehr lobenswert. Die tägliche Praxis zeigt mir jedoch, ich hatte vor einigen Tagen dazu in einem anderen Thread einige ausführliche Beispiele genannt, dass genau dieses ganz oft nicht passiert. Leider muss eben genau das der Krankentransport häufig ausbaden.


    Mir ist völlig klar wie die Realität ist. Dass Versäumnisse aber im Sinne von Shit is Running down the hill weitergereicht werden finde ich schade.

    Zitat

    WTF? Natürlich kann ein Patient mit einem instabilen Knie bei entsprechender Betreuung nach Hause entlassen werden. Das Knie wird ja auch nicht bloss davon stabiler das es in der Klinik ist.


    Naja, wenn das simple in die Wohnung getragen werden reicht, dass danach ?das Knie gebrochen ist? (was auch immer das heißen mag), hab ich schon meine Zweifel an der Entlassungsfähigkeit. Insgesamt komische Geschichte. Und wenn ich mir vorstelle, ich würde von nem KTW nachgefordert um zu entscheiden wie ein mir völlig unbekannter Patient in die Wohnung befördert werden soll, wird?s noch absurder. Insgesamt hört sich das für mich, auf Basis der bekannten, etwas dürftigen Fakten nach einer Entlassung an, die vom Entlasser nicht wirklich durchdacht war. Idealerweise müsste doch, wenn der Befund so absehbar instabil ist, der Patient vernünftig instruiert und die häusliche Situation gescheit abgeklopft werden. Das diese Versäumnisse die KTW Besatzung ausbaden darf, finde ich medizinisch nicht akzeptabel, juristisch kann ich das nicht beurteilen.

    Das ist mir tatsächlich passiert, ist aber zugegeben ein Einzelfall. Da es in "meinen" (bayerischen) Rettungsdienstbereichen noch nicht so viele NotSan gibt, ist meine Erfahrung mit NotSan noch gering. Was mir persönlich aufgefallen ist, ist dass die 3-Jahres-Azubis tendenziell deutlich forscher auftreten als die "ergänzungsgeprüften" ehemaligen RettAss. Interessanterweise betrifft das auch das Verhalten gegenüber den RettAss, mit denen sie auf den RTW sind. Befreundete Assistenten, die ich persönlich als sehr kompetent und erfahren beurteile, haben mit mehrfach berichtet, dass auch ihnen gegenüber sehr überheblich aufgetreten wird. Das kann natürlich auch durchaus ein Persönlichkeitsproblem sein, baut natürlich aber keine Kontaktängste zum neuen Berufsbild ab.
    Unter meinen Notarztkollegen habe ich seit Einführung des NotSanG teilweise schon paranoide Ängste bezüglich der Einführung eines Paramedicsystems festgestellt. In Bayern fiel das NotSanG in eine Zeit größerer Honorardiskussionen, so dass viele tatsächlich hier einen Zusammenhang sehen und den NotSan als Bedrohung empfinden. Das bayerische Vergütungssystem, das stark nach Einsatzzahl abhängt, dürfte die Konkurrenzängste deutlich verschärfen.
    Interessanterweise kann ich bei mir selber eine Veränderung in der Beurteilung des neuen Berufsbilds erkennen. Als langjähriger Rettungssanitäter, der dem RD immer noch sehr verbunden ist, habe ich mich über die Entwicklung einer vertieften Ausbildung mit verschärften Zugangsvoraussetzungen und erweiterten Kompetenzen sehr gefreut. Nach ersten persönlichen Kontakten zu frischen NotSan in der freien Laufbahn stellt sich aber langsam Ernüchterung ein. Außer großspurigem Auftreten und teilweise lauthals vorgetragenen hahnebüchenen Rechtsauffassungen kam im real life bei mir noch nicht viel an. Aber das ist hoffentlich wie gesagt noch nicht repräsentativ und ich gebe die Hoffnung noch nicht auf.


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    Neulich sagt ein junger, frisch fertig gelernter NA zu mir:
    "Ach, du bist Notfallsanitäter! Du bist son Arzt-Light mit wenig Ahnung der weniger kostet als ein richtiger Notarzt." :-D


    Mann kann die NA Kurse natürlich super für die Beeinflussung der nächsten Generation nutzen.


    Neulich sagte ein NotSan Azubi am ersten Tag seines Intensivpraktikums: "Ich muss hier Thoraxdrainagen legen lernen, in fünf Jahren gibt es keine Notärzte mehr, deshalb muss ich das können." Man kann die NotSan Kurse natürlich super für die Beeinflussung der nächsten Generation nutzen.
    Und um ausufernden Diskussionen vorzubeugen: das gegenseitige Aufzählen von auffälligen Persönlichkeiten dürfte, wie so oft, auch hier nicht hilfreich sein.


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    Auslegungssache. Fakt ist, dass es einige (nicht alle) Krankenkassen gibt, die die Dokumentenechtheit von Thermo-Ausdrucken nicht akzeptieren wollen bzw. sich nicht damit anfreunden können. War eben auch vor einigen Monaten in Bayern ein Thema, ist aber irgendwie in der Versenkung verschwunden.


    Da ging es um Transportanweisungen auf Thermopapier, die von den Kostenträgern nicht akzeptiert werden. Das liegt aber nicht am Thermopapier an sich, sondern dass Transportscheine nur auf dem entsprechenden Formular oder auf speziellem Papier mit Wasserzeichen der KVB akzeptiert werden. Einen Laserausdruck auf handgeschöpftem Papier würden die auch nicht anerkennen :rolleyes:

    Zitat

    Ich schätze, dass es sich bald mit dem Notarztsystem in der jetzigen Form erledigt hat. Meiner Meinung nach kommt man nicht daran vorbei, der KVB den Sicherstellungsauftrag zu entziehen und ihn an die Krankenhäuser oder an die Durchführenden des RD zu übertragen.


    Gut möglich. Da wird sich zeigen, ob die grauen Notarzteminenzen noch Einfluss haben :-)

    Ich bin etwas gespalten. Einerseits würde glaube ich dem ärztlichen Rettungsdienst etwas Supervision und Qualitätskontrolle nicht schaden (vorsichtig gesagt). Allerdings sehe ich nicht, wie im aktuellen System mit Sicherstellungsauftrag durch die KVB und freiberuflich tätigen Notärzten ein ÄLRD sein Weisungsrecht durchsetzen können soll.
    Bezüglich der Delegation der ÄLRD an den NotSan sieht die agbn ja, wenn ich richtig verstehe, die selben Probleme wie unsere Forumsjuristen.

    Auf dem Bild ist für mich nicht mal klar zu erkennen, ob es sich um einen KTW (also Rettungsdienstfahrzeug) oder um ein "Liegendtaxi" handelt, mit dem die Hiorg unabhängig von irgendwelchen Leitstellen machen kann was sie will- und sei's den Zivi zum Sonnen schicken... :D

    Zitat

    Original von Sven
    Warum auch, die Kiddies tragen heutzutage halt MP3 Player / Discman usw./ was verboten ist, ist cool ! :(
    Du kannst Dir noch so viel Mühe geben, irgendwann wird Dir oder `nem Kollegen ein Blag vor`s Auto rennen ! ;(
    X(


    mp3-Player sind verboten? Verdammt, ich will nicht in den Bau... Aber im Ernst, vor dem Hintergrund dieses Unfalls von einem Blag zu reden finde ich nicht sonderlich angebracht. Und deinen meiner Ansicht nach übertriebenen Pessimismus kann ich auch nicht teilen. Obwohl man das Risiko natürlich nicht unterschätzen darf und es theoretisch jeden jederzeit auch bei maximaler Vorsicht treffen kann, sind solche Unfälle ja zum Glück doch nicht an der Tagesordnung. Man kann solche Vorfälle immer nur wieder zum Anlass nehmen, sich die eigene Fahrweise selbstkritisch anzuschaun.


    Edit: 2 Rechtschreibfehler...