Beiträge von Jörg Holzmann

    Aber war das nicht das Ziel, den Ehrenamtlichen keine Chance zur Ergänzungspüpfung zu geben? Wenn ich da an die ersten Aussagen, auch eines Berufsverbandes denke, der nur Personen, die Vollzeit bzw. minimal 75% im RD tätig sind, den Zugang zur Ergänzungprüfung ermöglichen wollte.

    Es kann ja eigentlich nur definierte Voraussetzungen und Anforderungen geben. Wer diese dann erfüllt, bekommt den Schein.

    Zitat

    Beim präklinischen Rettungsdienst liegt vieles im Argen. Es mangelt häufig an Professionalität. Es besteht dringender Reformbedarf – ein Weckruf.

    Der Notfall-Rettungsdienst wird jedes Jahr zu mehr als elf Millionen Einsätzen gerufen. Angesichts der schieren Zahl sollte man auf ein hohes Maß an Professionalität der Helfer vertrauen können. Doch die weist Mängel auf, was nicht selten Patienten gefährdet. Im Medizin­betrieb wird Fehlermanagement noch immer vernachlässigt. Rettungsdienstpersonal sieht sich mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Die örtlichen Gegebenheiten sind meist unübersichtlich, schwierige Wetterbedingungen, widersprüchliche Angaben von Augenzeugen und die Notwendigkeit, unter Zeitdruck handeln zu müssen, machen den Rettungsdienst zu einem Hochrisikoarbeitsplatz. Nicht wenig, wenn nicht alles, etwa das Leben der Patienten, hängt von einer effektiven Kommunikation ab. In dieser Hinsicht gleicht der Rettungsdienst anderen Hochrisikoarbeitsplätzen wie in der Luftfahrt oder der chemischen Industrie. Aus beiden Bereichen ist seit Langem bekannt, dass Kommunikationsfehler dramatische Folgen haben können. Oft sind es nur kleine Missverständnisse, die sich zu groben Fehlern addieren. Experten sprechen von Schweizer-Käse-Modell, kleine Irrtümer — schwerwiegende Folgen.

    Es gibt kaum Untersuchungen zur Häufigkeit von Fehlern im Rettungsdienst, schon gar nicht zur Qualität der Kommunikation innerhalb der Teams. Das ist verständlich angesichts der Vielfalt der Herausforderungen. Eine Studie zum Thema, die unter Leitung des Autors durchgeführt wurde, und jetzt im Journal Plos One publiziert wurde, förderte Ergebnisse zutage, die als beunruhigend zu bezeichnen weit untertrieben wäre. Die Resultate der Untersuchung sollten ein Weckruf sein, gerichtet an jene, die für die Organisation des Rettungsdienstes verantwortlich sind. […]

    Quelle: https://www.faz.net/aktuell/wi…mmunikation-17445401.html?

    Anm.: Vollständiger Artikel hinter einer Paywall

    Praktisch werden die meisten K-Schutz Organisationen personell nicht plötzlich ihr Länder-K-Schutz-Fahrzeuge PLUS MTF besetzen können, sondern werden entweder Mischformen, oder fast nur noch MTF Fahrzeuge verwenden.

    Ich glaube nicht, dass das so pauschal stimmt. Ich habe in den vergangenen Tagen erlebt, dass relativ unproblematisch Personalressourcen für unterschiedliche Funktionen/Komponenten zur Verfügung standen.
    Hier wurde beispielsweise mehr oder weniger gleichzeitig ein Fahrzeug (N-KTW) für das Landeskontingent Ba-Wü besetzt, Personal und Fahrzeugkontingente für eine organisationseigene Betreuungseinheit des Landesverbandes gestellt sowie darauf geachtet, dass „zu Hause“ die eigene Einsatzeinheit personell und materiell für den „Stadtschutz“ einsatzbereit bleibt. Das musste sicherlich koordiniert werden, hat aber funktioniert.

    "Einfach mal losfahren" ist jedoch auch keine gute Idee.

    Jetzt formiert sich überall die „Guerilla-Hilfe“, soll heißen, diverse Privatpersonen rufen über social media zu Sachspenden auf, packen ihre Kleintransporter und Familienkombis voll mit vermeintlichen Hilfsgütern wie Wolldecken, Kuscheltieren und frischen Käsebrötchen und brechen damit eigeninitiativ ins Kriegsgebiet Krisengebiet auf. Das ist vermutlich gut gemeint, aber im Gesamtkontext sicher wenig hilfreich.

    Wenn das Feuerwehren und Hilfsorganisationen (also die „Profis“) machen, finde ich das eher problematisch. Da wäre es schon sinnvoll, die (inzwischen ja etablierten) Strukturen und Anforderungswege einzuhalten. Oder?

    Livericker bei tagesschau.de: https://www.tagesschau.de/news…aelle-bei-WDR-und-Phoenix


    Mehrere Stadt- und Landkreise in verschiedenen Bundesländern befinden sich im Katastophenalarm, teilweise werden überregional und bundeslandübergreifend Einheiten des Bevölkerungsschutzes alarmiert.


    Ist jemand von euch direkt betroffen? Gibt es erste Lageeinschätzungen „aus der Nähe“ (wenn auch aus naheliegenden Gründen vermutlich nicht von direkt vor Ort)?

    Wenn nun ein anderer Anbieter kommt und mit NFS/RS kalkuliert, dann ist der natürlich deutlich günstiger, und was Personalkosten in einer Kalkulation ausmachen muss ich hier vermutlich niemandem erklären.


    Aber solange am System der Ausschreibung nichts geändert wird, sehe ich für diese Misere auch keine Lösung...

    Wo bekäme denn der konkurrierende Anbieter die ganzen RS her? Wieso wäre er für RS attraktiver als dein Arbeitgeber?

    Aber was hat der RS auf dem KTW für eine Perspektive? Der RS ist eine Sackgasse. Die Verkürzungsmöglichkeiten nach oben hatten wir schon mal, die sind aber ja nicht mehr gewollt.

    Gehalt finde ich angesichts der kurzen Ausbildungszeit ganz ordentlich. Bleiben die Arbeitsbedingungen. Ohne Schichtdienst geht es im RD nicht, das weiß man aber vorher wenn man in den Beruf einsteigt. Dienstplangestaltung könnte bei dem ein oder anderen Arbeitgeber evtl noch optimiert werden. Fachlich anspruchsvoll ist es auf dem KTW halt einfach net so wie in der Notfallrettung. Körperlich ist man nach längerer Zeit im Krankentransport halt einfach durch, und das zu verbessern wird schwer...

    Bei all dem Richtigen, was schon geschrieben wurde, darf man eines nicht vergessen: Es gibt auch Mitarbeiter*innen, für die das genau das Richtige ist. Also eine verlässliche Arbeitsumgebung mit kontinuierlichem, geringem Anspruch. Nicht jede(r) will fachlich herausgefordert werden, nicht jede(r) möchte sich in seiner Tätigkeit weiterentwickeln.

    Und im Vergleich zu anderen angelernten Tätigkeiten kann die Arbeit als RS durchaus - so wie sie ist - persönlich sinnstiftend und befriedigend sein, glaube ich. Ich selbst würde vermutlich lieber mein Leben lang KTW fahren als zum Beispiel Gabelstapler im Hochlager. Und selbst da gibts vermutlich Leute, die das gerne und sehr gut machen und nicht begeistert wären, wenn sie sich dauernd fortbilden und weiterentwickeln sollten.

    Ich glaube, wir haben schon verstanden, was du gerne willst. Die ganz überwältigende Mehrheit scheint es aber abzulehnen.


    Oder, um mal eine dir geläufige Argumentationsstruktur zu bemühen: Wenn jemand 20 Jahre lang ganz passabel einen Suzuki Swift gefahren ist und jetzt auf die Idee kommt, Fernfahrer zu werden, bekommt er auch nicht ehrenhalber die Führerscheinklassen C und E verliehen. Auch nicht, wenn er gerade echt weder Geld noch Zeit für die Fahrschule übrig hat und sich für Franz Meersdonk hält. Auch nicht, wenn er einen echten Kieskutscher kennt, der schon mal einen Auffahrunfall verschuldet hat (wegen zu viel Theorie in der Fahrschule). Echt nicht!

    Nein so einfach ist das natürlich nicht :)


    Fakt ist das viele Schüler das Gefühl haben, in der Schule zu viel Theorie zu lernen und zu wenig Praxis zu haben: Sie können am Ende was über Neuronen, Rezeptoren und Hormone erzählen, haben aber kein Gefühl für die Basics.

    Dabei ist Rettungsdienst doch ein handwerklicher Beruf wo es drum geht, dem Patienten zu helfen. Deshalb wollen wir als Alternative zur Schule einen Weg über mehr Praxis machen denn nirgends lernt man so viel wie beim selber machen (Zitat von Martin Richter!)

    Die Weiterbildung geschieht natürlich nach einem festen Katalog unter Aufsicht von erfahrenem Personal so dass am Ende eine sehr hohe Qualität steht.

    Ich bin sehr dafür, den Rettungssanitäter aufzuwerten!

    Gleichzeitig bin ich sehr dagegen, den Notfallsanitäter abzuwerten. Wem das zu komplex ist, der sollte halt weiter der Fahrer des RTW bleiben. Auch wenn das jetzt hart klingen mag.

    Hab ich das richtig verstanden: man wird Rettungssanitäter, wartet ein bisschen, macht dreimal einen Vier-Wochen-Kurs und wartet nochmal ein bisschen und dann wird man zum Notfallsanitäter geadelt?
    Klingt einfach. Geht das auch online? Dann will ich das auch!


    Das ist übrigens mein Lieblingsteil: „zum anderen haben viele keine Lust, drei Jahre auf die Schule zu gehen und Details zu lernen, die für den Beruf nicht wichtig sind.“


    Dass qualifizierte Berufsausbildungen auch immer so kompliziert sein müssen! Zeit, das zu ändern!

    Alle diese Überlegungen sind sicherlich nett, zeigen aber ja keinerlei empirische Grundlage. Den theoretischen Überlegung könnte man -rein dialektisch- zum Beispiel entgegen halten, dass das schnelle Verhängen von Freiheitsstrafen abschreckend auf das Umfeld wirken könnte. Man könnte auch unterstellen, dass den Opfern von Verbrechen der Umgang mit ihrer Erfahrung leichter gemacht würde, wenn Täter (subjektiv) härter bestraft würden.

    Ich bin überzeugt davon, dass es dazu empirische Forschung gibt (z.B. zum Vergleich der Erfahrungen in Deutschland und den USA, was den Erfolg von Freiheitsstrafen angeht). Die Ergebnisse wurden hier nur nicht zitiert.

    Davon angesehen halte ich auch "praktische Erfahrung" für ein valides Argument, insbesondere wenn diese von einem Praktiker vorgebracht wird.