Beiträge von krumel

    Die Frage ist ja eher wie in dem Sinne das Schmerzgedächnis durch den prolongierten Schmerzzustand verändert wird.

    Alles was ich da zuletzt gelesen habe ging schon von einer verstärkten Veränderung je länger der Schmerzzustand dauert aus.


    Das wären dann durchaus schwere Folgeschäden.

    Aber da mag sich vielleicht jemand mit weniger rudimentärem Schmerztherapie-Verständnis Mal zum Forschungsstand äußern.

    Nein, das sage ich sicher nicht, auch nicht bei den meisten Patienten im Rettungsdienst, sondern therapiere sie zügig.

    Achso, ups, ich bin ja auch der Arzt, dessen Aufgabe es ist, die Patientin zu behandeln, und nicht der NFS, der sie zu mir bringen soll.



    Nein, es geht um die verdammte Gesetzeslage. Und soweit ich die nach aller Diskussion auf dem Schirm habe, ist es so, dass eine Behandlung durch NFS lediglich bei Notfällen oder durch SOP geregelten Erkrankungen zulässig ist. Ob es dir passt oder nicht. Wenn das demnächst anders aussehen sollte, können wir gerne noch einmal darüber reden.

    Nein, es geht mir nicht um die derzeitige Gesetzeslage. Hier sehe ich genauso wenig Raum für eine nicht-delegationsbasierte Antiemetikagabe wie du.

    Aber um mich selber zu zitieren:

    Mir ist wie gesagt auch vollkommen egal wie wir das regeln. Ob wir genug NAs besorgen, damit der RD bei jeder Übelkeit rechzeitig den NA dazu holen kann, ob wir es per Telenotarzt regeln, ob wir die Hausärzte aus dem Bett klingeln oder eine Delegation schaffen: Es ist mir komplett egal.


    Aber Fakt ist: Das Problem als "nicht so schlimm" zu erklären so wie du es tust ist keine Lösung und mit der Würde des Patienten nicht vereinbar.

    Was du hier machst ist ein Problem für "nichtig" zu erklären anstatt Lösungen vorzuschlagen. Auch wenn du es nicht wahrhaben möchtest: Ich denke die Mehrheit der RD Mitarbeiter und Patienten (und die wissenschaftliche Meinung, so ganz am Rande) sehen das nun Mal anders und würden gerne endlich eine Lösung sehen.


    Und das ist mein Problem hier. Wir haben ein Problem das keiner löst und das stattdessen wegignoriert bzw. mit warmen Worten versehen wird.

    Also, ich frage noch einmal:

    Wie möchtest du das lösen außer weiterhin "ist gar nicht schlimm" zu rufen?

    Das wirft bei mir die Frage auf, wie Dame sich ansonsten so im Alltag fortbewegt. Ohne Vomex-Dauerinfusion scheint das ja kaum zu gehen.

    Dir ist in deinen ganzen Jahren noch nie eine Patientin untergekommen die massive Probleme mit Reisekrankheit hat?

    Kinetosen sind eine Volkskrankheit und fast nie ein Problem für den Fahrer. Ich würde deswegen vermuten: Indem sie sonst fährt.


    ...Doof wenn halt das HG gebrochen ist, da ist mit selber in die Klinik fahren eher nix.


    Vielleicht ein eher unpassendes Beispiel. Schließlich hat das Erbrechen in diesem Fall eine sinnvolle Funktion, welche man nicht unbedingt unterdrücken sollte, nur weil man es kann und der Patient das wünscht. Noro-Virus kann eine Transportindikation darstellen, richtig, aber warum dann konsekutiv Ondansetron gegeben werden muss, erschließt sich mir nicht.

    Ergänzung: Ondansetron hat bei Noro-Virus-Infektionen noch nicht einmal ein Zulassung. Vielleicht tatsächlich besser, dass das in einem anderen Land gemacht wurde.

    In der beginnenden Phase eines Norovirus kann das Erbrechen durchaus noch "nicht zwingend schlecht" sein (wobei es auch hier Fälle gibt die sich anders lagern, z.B. bei dementen Patienten, Paresen, etc.) - das sind aber meist nicht die Zeiten in denen der RTW aufschlägt. Sondern der kommt wenn schon lange nur noch Galle kommt und der Patient beginnt Synkopen zu schieben weil er dehydriert ist. Da ist die Übelkeit und das Erbrechen schlichtweg nur noch ein massives Problem und eine Hilfe bei selbigem ist ein Gebot der Menschenwürde.


    Erbrechen und starke Übelkeit wird von den meisten Menschen als absolut entwürdigend wahrgenommen - du wirst viele Patienten finden die Schmerzen gegen Übelkeit/Erbrechen eintauschen würden...


    Und wie gesagt, du musst nicht hyperventilieren, selbstverständlich war das gute Onda dort für die Indikation zugelassen.

    Natürlich fällt es dem Retter-Ego schwer zu sagen, "Frau Müller, jetzt haben Sie schon seit 3 Stunden Übelkeit und Erbrechen, die 25 Minuten zum Krankenhaus halten Sie sicher noch durch." Sehr viel cooler ist es natürlich, eine Spritze und Ampulle zu zücken und etwas zu spritzen...

    A) Schön das es bei euch noch 25 Minuten sind, meine Transportzeiten momentan liegen bei eher 45-60 Minuten.

    B) Finde ich die Aussage ehrlich gesagt eine Zumutung und ein Statement das für mich mit der Menschenwürde nicht vereinbar ist.

    C) Ist dir aber schon klar, dass ein Transport (und sein es auch nur 25 Minuten) immer etwas anderes ist als das ruhige liegen auf dem Sofa/dem Bett und gerade dann eine Verschlechterung zu erwarten ist?


    Sagst du das zu deinen PONV Patienten eigentlich auch? "Frau Müller, das dauert jetzt höchstens noch 3-4 Stunden, dann wird das wieder besser!"

    Achso, ups, da ist es ja ein schmerzensgeldpflichtiger Kunstfehler.


    Und glaube mir: Ich habe in meinem Leben aufgrund meiner Auslandstätigkeit schon so viel gespritzt das da absolut kein Coolnessfaktor mehr vorhanden ist.

    Mir ist wie gesagt auch vollkommen egal wie wir das regeln. Ob wir genug NAs besorgen, damit der RD bei jeder Übelkeit rechzeitig den NA dazu holen kann, ob wir es per Telenotarzt regeln, ob wir die Hausärzte aus dem Bett klingeln oder eine Delegation schaffen: Es ist mir komplett egal.


    Aber Fakt ist: Das Problem als "nicht so schlimm" zu erklären so wie du es tust ist keine Lösung und mit der Würde des Patienten nicht vereinbar.

    Ich bin schwer überrascht, welch schwerwiegendes Problem Übelkeit und Erbrechen im Rettungsdienst darstellt. Auch mit dem Hintergrund, dass eine medikamentöse Therapie selbst in Kombinationsgabe oft nur sehr insuffizient hilft.

    Wundert mich nicht, da es eben ein Problem ist das der nicht-ärztliche RD meist eben "abfedert". Leider aus oben genannten Gründen - das ist kein Zustand, da sind wir Entwicklungsland. Zeigt das hier alles ja auch.

    Und meine Position ist zur Zeit immer noch eine andere, als die des Rettungsdienstmitarbeiters.

    Nochmal: Es geht weder um dich noch um mich. Es geht um den verdammten Patienten dem es schlecht geht.

    Da sind deine Standesdünkel genauso scheiß egal wie meine.

    Hilope Die Patientin mit der unkomplizierten Unterarmfraktur die schon unter normalen Autofahrten Dank ausgeprägter Reisekrankheit spuckt darf ich dann also weiterhin rückwärts liegend durch den Schwarzwald karren, egal wie sehr sie spuckt, oder?


    ...Ich kann ihr angesichts der Grenzschließungen ja nicht Mal empfehlen das nächste Mal 35km weiter südlich wandern zu gehen.


    ...Von der Tatsache, dass ich auch schon Noro-Patienten eine Ondansetron verpasst hab (keine Angst,im richtigen Land) weil Noro einfach auch Mal eine Transportindikation darstellt ganz zu schweigen.


    Übelkeit kann eben schon Teil der Rettungsdienstversorgung sein. War es schon immer,wird es immer sein. Und entweder führen wir uns weiter auf wie in einem Entwicklungsland ("Joa Frau Müller,da ist die Tüte, immer schön durch den Ring brechen, wird bald wieder besser, wir sind schon in 25min da), sorgen dafür das es wirklich genug NAs gibt die auch auf solchen Bullshit mitfahren wollen oder wir ändern die Regeln so,dass endlich Mal der Patient und nicht das Ego (beider Seiten) im Mittelpunkt steht.


    Mir ist dabei, wenn wir vernünftiges Netz in den Schwarzwald und den Heuberg kriegen, sogar egal ob das per Delegation, Telenotarzt oder Gesetzesänderung erfolgt.


    Was ich aber garantiere: Sollten meine Familie oder ich Mal Geschädigter von so einer Situation werden uns es existieren im betreffenden RD Bereich keine Möglichkeiten Emesis zu unterbrechen dann werde ich mir sehr genau klären ob ich das Mal rechtlich kläre.

    Wir müssen ein "gegenseitiges Teaching" imho auch mehr zum Standard machen. Dazu gehört u.a. das jeder "gescheite" Einsatz im Team (aus RTW+NEF) nachbesprochen wird, das gerade die erfahrenen NA auch den RD mal "an die Hand nehmen" (ich bin bis heute froh darum, dass das zu Beginn meiner Karriere so war und ich meine ersten Ketamin-Dormicum Gaben zusammen mit einer NA durchführen konnte) und sich umgekehrt jüngere NA dafür auch einsatztaktischen Rat bei den erfahrenen RDlern holen.


    Dieser Wissenstransfer ist in meinen Augen in vielen Bereichen in Deutschland absolut nicht regelhaft vorhanden - und imho sogar schlechter als noch zur Zeit als ich im RD anfing. Was sehr schade ist.

    Sim-Training ist nicht schlecht und hat seinen Stellenwert. Das richtige Können, sprich das geforderte Beherrschen, kann man nur in der realen Anwendung lernen.

    Absolut, ich glaube da haben wir uns missverstanden. Ich habe nur im Umgang mit Praktikanten immer wieder festgestellt,dass einerseits die Abläufe noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen waren (kann man gut bis zum Erbrechen an der Puppe/am Simulator üben), andererseits die in der Klinik erlernten Abläufe und Skills nicht ideal auf die Präklinik übernommen werden konnten weil der Skill aus der Klinik zwar vorhanden aber in dem Moment nicht abstrakt angewendet werden kann. (Von der Kommunikation ganz abgesehen)

    Beides betrifft imho durchaus bzw. verstärkt die älteren Kollegen,da hier oft ein höherer innerer Druck gegen sich selber herrscht.


    Beides sollte imho vorher und nachher durch entsprechende Lehrformate abgemildert werden um aus der begrenzten Klinikzeit (die Praktikumsplätze dort sind ja auch endlich/knapp) möglichst viel mitzunehmen.

    Ich denke hier sollten wir uns um Gottes Willen nicht so sehr an den Ärzten orientieren - deren Arbeitsverhältnisse sind de facto fast noch prekärer als die der NotSan zu mindestens was Arbeitsschutz und Fortbildung angeht.


    Fragt mal in der IT Branche oder der Autoindustrie wie viele Kollegen dort ihre Fortbildungen zu "Arbeitgeber-nahen" Themen selber zahlen würden, erst Recht wenn sie danach keinen Gehaltsvorteil erwarten dürfen.


    Selbst in der Pflege ist da ziemlich schnell der Ofen aus.

    bist Du auf der Landesliste und wenn ja, welche Partei?

    In Baden-Württemberg gibt es keine Landeslisten, da es hier nur Erststimmen gibt und die Zweitmandate abhängig von der Erststimme vergeben werden.

    Aber ich trete für Die LINKE an - bei uns wird es also richtig knapp ehrlicher Weise.

    Dafür bin ich einer der wenigen (oder andersherum gesagt - der einzige von dem ich es weiß, leider nennen nicht alle ihre Berufe auf deren Websites, daher ist die Datenlage unklar) Rettungsdienstler der dieses Mal für eine der größeren Parteien antritt.