Ihr arbeitet in Berlin nach einem standardisierten Abfrageschema, bei dem der Disponent keinerlei Einfluss mehr auf die bestmögliche Versorgungsstrategie hat?
Das ist im Zweifel eine Frage der Begrifflichkeiten.
Üblicherweise wird unter einer strukturierten Notraufabfrage ein Vorgehen verstanden, bei dem ein Schema oder Leitfaden vorliegt, von dem der Disponent aber auch in Formulierung und Reihenfolge abweichen kann. Auf dieser Grundlage kommt er zu einer Einschätzung der Situation und entscheidet dementsprechend, welche Rettungsmittel zu entsenden sind.
Hingegen wird unter einer standardisierten Notrufabfrage üblicherweise ein System verstanden, bei dem die Fragen fest vorgegeben und wörtlich zu stellen sind, wodurch ein Entscheidungsbaum durchlaufen wird, der am Ende einen Einsatzcode generiert, mit dem die zu entsendenden Rettungsmittel festgelegt werden. Bei einer standardisierten Abfrage ist es daher prinzipbedingt so, dass derjenige, der den Notruf abfragt, praktisch keinen Entscheidungsspielraum hat (außer das Gespräch so zu führen, dass er die Fragen verständlich rüberbringt und die Antworten richtig versteht und den Auswahlmöglichkeiten im Abfragesystem zuordnet).
Gab es da eine Verbesserung hinsichtlich nicht indizierter Rettungsdiensteinsätze?
Die einen sagen so, die anderen sagen so.
Haftungsmäßig ist das für den Disponenten die günstigste Lösung.
Und nur dann macht es Sinn, wenn der höchst Qualifizierte disponiert. Wenn die Call Taker wenig Ahnung von Medizin haben eher nicht.
Bei einer standardisierten Abfrage hat der Calltaker Fragen vorzulesen und die Antwort anzuklicken, um danach die nächste Frage vorzulesen. Weitergehende medizinische Kenntnisse sind dafür nicht erforderlich. Aus dieser fest vorgegebenen Abfrage ergibt sich dann üblicherweise über den Einsatzcode, welche Rettungsmittel zu alarmieren sind.
Die Aufgabe des Disponenten ist dann eigentlich nur noch, festzustellen, welche passenden Rettungsmittel am nächsten dran sind bzw. die erforderlichen Rettungsmittel zu besorgen. (Oder,ggf., welche in Betracht kommenden Rettungsmittel die Anforderungen erfüllen - das aber eben nur dann, wenn die Auswahl über "KTW, RTW, Notarzt" hinausgeht.)