Beiträge von thh

    Feuerwehr und Rettungsdienst führt von vorne.

    Das würde ich für den Rettungsdienst so gerade nicht unterschreiben. Die Feuerwehr führt von vorne, aber der Rettungsdienst hat nach meiner Erfahrung regelmäßig (wenn er nicht von der Feuerwehr betrieben wird) keine eigenen Führungsstrukturen unterhalb einer Großschadenslage (und die funktionieren, je nachdem, wie häufig sie zum Einsatz kommen, auch manchmal nur so mittelgut, nicht zuletzt, weil im Rettungsdienst die Arbeit in größeren Strukturen - außerhalb eines RTW-NEF-Teams - ungewohnt ist). Daher hat die Leitstelle häufig auch ausdrücklich die Führung der Rettungsdienstfahrzeuge als ihr zugewiesene Aufgabe.

    D.h., dass in der Leitstelle in der Regel kein "gehobener Führer" benötigt wird und die Leitstelle (für die Feuerwehr) eine reine Alarmierungseinrichtung ist (bis zur Grenze des Katastrophenfalls eben).

    Für die Feuerwehr ja, für den Rettungsdienst nein.

    Was man sicher nicht vergessen darf- die Katastrophe wird von bestimmten Gruppierungen zur Propaganda missbraucht. Und das geht weit über das übliche Poltikgeplänkel zwischen den Parteien hinaus.
    Aus der Richtung wird auch die Hetze gegen staatliche Strukturen in jeglicher Form gepusht und kollektives Staatsversagen herbeibeschworen.

    Bei allem Unverständnis gegenüber den Versuchen, die Katastrophe für einen "Klimawahlkampf" einzuspannen oder Vorwürfe mangelnder Vorbereitung und Reaktion nur gegen den Ministerpräsidenten eines der betroffenen Länder zu erheben, weil er nun eben auch Kanzlerkandidat ist, finde ich das ein wenig hart formuliert.

    Das ist vermutlich ähnlich sinnvoll, wie dass in Deutschland abgelaufene oder optisch wenig ansehnliche Lebensmittel lieber weggeworfen und gegen Mülldiebe verteidigt werden, als sie Menschen zukommen zu lassen, die sie noch verbrauchen möchten. Notfalls auch mit richterlicher Unterstützung.

    Aus Sicht des Verkäufers ist es durchaus sinnvoll, verhindert es doch, dass der Kauf der Lebensmittel unterbleibt, um sie dann (nach Ablauf des MHD) kostenlos zu erhalten.

    Auch hier bei mir gibt es einige (wenige) Beatmungs-Wohngemeinschaften. Problem dabei ist, dass solche Pflegewohngemeinschaften nicht unter das Heimgesetz fallen, solange eine bestimmte Anzahl pflegebedürftiger Personen nicht überschritten wird. Daher greifen auch die (Sonder-) Bauverordnungen für diese Einrichtungen nicht, da sie eben keine Heime sind. Daher keine Brandmeldeanlage, keine Notstromversorgung, keine Aufzüge, usw.

    Ja, in solchen Wohngemeinschaft geht es manchmal interessant zu. https://www.stuttgarter-nachri…05-bc34-c83f2bac5a7e.html

    Okay, danke. Bei der geringen Ausbildungszeit überrascht mich der große Anteil der EMT in der FF dann nicht.

    Die vergleichsweise kurzen - und in der Regel primär praktischen - Ausbildungszeiten sind mir in den USA schon öfter ausgefallen; bei der Polizei ist das bspw. auch oft nicht anders.

    Du wirst lachen, aber genau das würde ich mal gut finden, auch für meinen Bereich der Hebammenarbeit.

    Einfach um auch über den Tellerrand zu schauen.

    Ich rede nicht von 3 Monaten sondern mal 1 Woche z.B. als 3. auf dem RTW mitfahren.

    Ja, ich würde das auf jeden Fall unterstützen, halte das aber eher für etwas für die Fortbildung - zum einen, um die Ausbildung nicht zu überfrachten, zum anderen, weil das Hospitieren anderswo insbesondere dann etwas bringt, wenn man sich im eigenen Tätigkeitsbereich schon etwas auskennt.

    Ich zäume das Pferd einmal von hinten auf:

    Wir planen in die Notfallrettung einzusteigen und brauchen dafür Notfallsanitäter. Der Markt ist leer, jeder Rettungsdienstbetreiber hat offene Stellen.

    [...]

    Deshalb wollen wir mit dem Notfallrettungsssanitäter die Brücke zwischen den beiden Berufen schlagen: Eine Zusatzqualifikation für erfahrene Rettungssanitäter mit der Möglichkeit zur berufsbegleitenden Weiterqualifikation zum Notfallsanitäter!

    Äh ... nein. Ihr wollt in die Notfallrettung einsteigen und dafür Personal mit der notwendigen Qualifikation herbeizaubern.


    Ich verstehe die Schwierigkeiten, vor denen man steht, wenn man kein Personal bekommt und auch selbst keines ausbilden kann. Die Lösung ist dann allerdings nicht, stattdessen Personal einzusetzen, das die Qualifikationsanforderungen nicht erfüllt.

    Wenn ich mir ein Stufenmodell wünschen dürfte für die Qualifikationen im Rettungsdienst:


    Grundvoraussetzung RettSan: EH-Kurs, EH-Kind, Brandschutzhelferlehrgang, Sanitätslehrgang (mind. 48 UE), C1 mit BOS-Fahrsicherheitstraining. Dann muss man nicht mehr über die grundsätzliche Funktion eines Ambu-Beutels kurz vor der M1-Prüfung diskutieren und ein großes Auto hat dann auch jeder schonmal gefahren und dieses komische rote Ding hat auch jeder mal in der Hand gehabt.


    RettSan-Ausbildung 3,5 Monate (6 Wochen Schule und 4 Wochen M2). Somit auch noch bis hierhin ehrenamtlich leistbar.

    Nun ja, das ist mehr oder weniger das System, das ich kennengelernt habe. Selbstverständlich waren die theoretischen Inhalte des M1 vor dessen Beginn durch Ausbildung und regelmäßige Fortbildung bereits weitgehend bekannt, und selbstverständlich gab es mindestens 1-2 Jahre Erfahrung im Sanitätsdienst (mit ein paar Schichten als Praktikant im Rettungsdienst oder Krankentransport).

    Den beruflichen Alltag der Leute kann man da kennenlernen. Dabei wird man bemerken, dass man es mit ganz normalen Leuten zu tun hat und bekommt vielleicht einen anderen Blick auf die von uns so gern beschimpften Schnittstellenprobleme.

    Und die Pflegekräfte in der Altenpflege machen dann ein verpflichtendes Praktikum im Rettungsdienst? :)

    Ich bin natürlich der Meinung, dass die Zeit in der RD-Ausbildung auch anderweitig genutzt werden kann/muss, aber das bedeutet nicht, dass ein Praktikum im Pflegeheim abseits einer Klinik sinnlos wäre.

    Wenig im Leben ist wirklich sinnlos. Man könnte auch Praktika bei der Feuerwehr machen, bei der Polizei, auf Palliativstationen, im Kindergarten (Umgang mit jungen Patienten!), in der Verwaltung (Verständnis für Dienstplangestaltung und die Schwierigkeiten der Abrechnung), bei Streetworkern, in einer Entzugsklinik, ... All das weckt sicherlich Verständnis, hilft aber bei der Erreichung der primären Ausbildungsziele nicht erkennbar weiter.


    Daher: schön, wenn es Möglichkeiten für Interessierte gibt, dort im Rahmen einer Fortbildung zu hospitieren, gerne auch als Austauschprogramm. Als fester Part der - zeitlich ja eh eher knapp bemessenen - Ausbildung sehe ich das eher nicht.

    Anmerkung: Von meiner obigen Aussage nehme ich alle Kollegen aus, welche wirklich richtig Berufserfahrung haben und die RS-Solo-RTWs noch erlebt haben.

    Auch da wird auf Dauer nur derjenige mithalten können, der sich auch kontinuierlich fort- und weitergebildet hat, über die Pflichtfortdilbungen hinaus, neben seiner Arbeitszeit. Und es spricht ja durchaus nichts dagegen, Konzepte zu erproben, die die vollständigen (!) theoretischen und praktischen Anteile der NotSan-Ausbildung berufsbegleitend vermitteln - oder eine Tätigkeit als Rettungssanitäter auf Praktika anzurechnen, wenn sie in gleicher Weise wie bei einem Auszubildenden zum Notfallsanitäter erbracht wird, also unter denselben Anforderungen und in derselben Weise.


    Problematisch wird es nur, wenn man gerne mit weniger dasselbe erreichen möchte.

    1. Nachwuchsmangel: Es stehen zwar genügend Bewerber auf Notfallsanitäter-Ausbildungsplätze zur Verfügung, nur wenige bekommen aber einen Ausbildungsplatz. Dies liegt daran, dass pro Rettungswache in der Regel nur ein Azubi eingestellt wird und die Plätze an den Schulen begrenzt sind. Viele motivierte Bewerber bleiben auf der Strecke.

    Wenn alle Ausbildungsplätze besetzt werden können, gibt es keinen Nachwuchsmangel. Dann gibt es vielleicht eine Knappheit an Ausbildungsplätzen oder einen Nachwuchsüberschuss, aber keinen Mangel. Wenn "motivierte Bewerber" ihren Wunschberuf nicht antreten können, ist das schade, aber kein Spezifikum des Rettungsdienstes.

    2. Die fehlende Möglichkeit zur Weiterentwicklung von Rettungssanitätern. Ein Rettungssanitäter mit einigen Jahren Berufserfahrung steckt jeden Notfallsanitäter frisch von der Schule locker in die Tasche, denn er hat etwas, das keine Schule vermitteln kann: Erfahrung!
    Es ist diesen Kollegen nicht zuzumuten, für deutlich weniger Geld noch einmal die Schulbank zu drücken um dann im ersten Lehrjahr als Azubi auf dem KTW mitzufahren.

    Ein Rettungssanitäter ist ein angelernter Hilfsarbeiter. Natürlich gibt es keine Weiterentwicklungsmöglichkeiten für angelernte Kräfte - Voraussitzung für Weiterbildung ist das Erlernen eines Berufs, also die Ausbildung. Jeder Beruf erfordert eine Ausbildung; der Lagerist braucht eine Ausbildung, die Bäckereifachverkäuferin braucht eine Ausbildung, warum sollte ausgerechnet die anspruchsvolle Tätigkeit in der Notfallrettung allein durch "Erfahrung" erlernbar sein?


    Die Annahme, Schule und Ausbildung seien durch Erfahrung zu ersetzen, ist so falsch wie die Annahme, wer gut ausgebildet sei, könne deshalb schon alles und benötige keine Erfahrung mehr. Beides ist falsch; wer in seiner Tätigkeit gut sein will, benötigt eine qualifizierte Ausbildung, eine ausreichende Berufserfahrung und eine ständige Weiterbildung. Abgesehen davon, dass ich erhebliche Zweifel an der Behauptung habe, ein Rettungssanitäter stecke nach einigen Jahren Erfahrung jeden frisch ausgebildeten Notfallsanitäter in die Tasche - schon deshalb, weil die langjährige Ausübung einer Tätigkeit zwar oft, aber eben keineswegs zwingend zur Verbesserung des Kompetenzniveaus beiträgt; es gibt durchaus auch lernresistente, faule und dumme Menschen -, geht dieser Vergleich schon deshalb fehl, weil man sinnigerweise den gerade fertigen Notfallsanitäter nur mit dem gerade fertigen Rettungssanitäter vergleichen kann. Ein Notfallsanitäter mit einigen Jahren Berufserfahrung steckt nämlich regelmäßig den Rettungssanitäter mit einigen Jahren Berufserfahrung in die Tasche - und das (gut ausgebildetes, erfahrenes Personal) ist, was gesicht wird.


    Und selbstverständlich ist es einer angelernten Kraft zuzumuten, eine Ausbildung zu machen - sonst bleibt sie halt Hilfsarbeiter.

    3. Die falsche Akademisierung des Berufs. Der Notfallsanitäter soll in Deutschland nicht den Notarzt ersetzen, das will die Politik so nicht. Deshalb ist es auch nicht nötig, ärztliches Wissen im größeren Umfang zu vermitteln. Die Aufgabe des Notfallsanitäters liegt in der Praxis und Praxis lernt man in der Praxis!

    Ich bin ebenfalls der Ansicht, dass eine Akademisierung der Notfallsanitäter nicht zwingend ein Gewinn wäre. Richtig ist auch, dass der Notfallsanitäter nicht den Notarzt ersetzen soll und kann; der Gedanke, man könne mit einer dreijährigen Ausbildung und viel Praxis ein sechsjähriges Studium plus einiger Jahre ärztlicher Berufspraxis ersetzen, ist schließlich ebenso realitäts- und lebensfremd wie die Annahme, man könne mit vier Wochen Lehrgang, ein paar Wochen Praktika und einer Prüfungswoche eine dreijährige Ausbildung ersetzen.


    Dessen ungeachtet braucht der Notfallsanitäter das notwendige Wissen und das praktische Können, um die Versorgung eines Patienten überbrückend bis zum Eintreffen eines Notarztes leisten zu können; das gälte selbst dann, wenn das weitere Ziel, in einfacheren Fällen über den Weg der Generaldelegation ohne Notarzt tätig zu werden, nicht erreichbar wäre.


    Und nein, Praxis lernt man nicht ausschließlich durch Praxis; die Praxis braucht vielmehr ein fundiertes theoretisches Fundament. Obwohl der Gedanke ganz reizvoll wäre, die - ausgesprochen praktische, "hands-on"-Tätigkeit eines Chirurgen ohne Studium erlernen zu können, wenn man nur lange genug OP-Kraft war und ein paar Module belegt hat.

    5. Die Eingangsvoraussetzungen. Viele Rettungsdienste stellten Notfallsanitäter-Azubis nur noch mit Abitur ein. Das diskriminiert den Großteil der jungen Menschen mit einem anderen Bildungsabschluss. Ein Abiturient bleibt nicht dauerhaft im Rettungsdienst, da die Work-Life-Balance zu ungünstig ist. Das ist eine Ressourcenfehlallokation.

    Wir können lange darüber streiten, wie man das schulische Bildungswesen gestalten sollte und warum es keinen Sinn macht, wenn möglichst viele junge Menschen Abitur machen; dessen ungeachtet ist die Realität so, dass es einen hohen Abiturientenanteil gibt und dass damit auch eine Senkung der Anforderungen einhergegangen ist (nein, die Menschen sind nicht einfach klüger geworden als früher). Nun ist aber die Welt so, wie sie ist - und ja, natürlich ist das eine Ressourcenfehlalokation -, und wenn sich Abiturienten auf Ausbildungsberufe bewerben, dann kann es gut sein, dass man sie auch einstellt und der Hauptschulabsolvent in die Röhre guckt. Dafür gibt es eine einfache Lösung, wenn es denn daran hängen sollte: man kann Abitur machen. Schwups, Problem gelöst. So hat man dann auch die Zeit bis zur Volljährigkeit überbrückt, und Wissen hat noch niemand geschadet, auch nicht im Rettungsdienst.


    Dessen ungeachtet ist es nicht unbedingt ungewöhnlich, dass auch Abiturienten Ausbildungsberufe ergreifen - das war vor 30 Jahren so, und das ist heute nicht anders. Zwischen 20% und 40% der Abiturienten machen eine Ausbildung - warum auch nicht? Das bedeutet nicht, dass diese Ausbildung für sie nur eine Durchgangsstation ist. Und wenn eine hohe Fluktuation auf eine schlechte Work-Life-Balance zurückzuführen sein sollte, dann wird man an dieser Work-Life-Balance arbeiten müssen; die Lösung kann ersichtlich nicht sein, dann Personal einzustellen, dessen Qualifikationen so schlecht sind, dass sie keinen anderen Beruf finden und daher trotz schlechter Work-Life-Balance im Rettungsdienst bleiben müssen. (Diese Argumentation ist einigermaßen skurril.)

    Deshalb braucht es einen alternativen, nicht-verschulten Weg, zum Berufsbild "Notfallsanitäter" zu kommen.

    Diesen wollen wir mit dem Notfallrettungssanitäter schaffen.

    Man sammelt sich salopp gesagt seine Sporen als Assistent des Notfallsanitäters und kann ab einer gewissen Reife mit wenig Aufwand dann zum Notfallsanitäter aufsteigen.

    Nein, eine Schnellbleiche braucht es sicherlich nicht, insbesondere nicht in einem anspruchsvollen Berufsbild wie dem Rettungsdienst. Es gibt keinen Grund, warum ausgerechnet das Retten von Menschenleben nur praktisch erlernt werden könnte, das Backen von Brot und das Schreinern von Tischen aber einer schulischen Ausbildung bedürfte. Wer - aus welchem Grund auch immer - dem Glauben anhängt, ausgerechnet in unserer heutigen, hochkomplexen, technisierten und arbeitsteiligen Welt brauche es statt einer schulischen Ausbildung mehr reine Praxis, irrt. (Und wir reden ja nun nicht über irgendein hochkomplexes Universitätsstudium, sondern über den Besuch der Berufsschule. Himmel.)


    Ich verstehe den Reiz, "mit wenig Aufwand" quasi von selbst allein durch Zeitablauf eine Qualifikation zu erwerben; es gibt aber keinen Anlass, von der allgemeinen Mindestanforderung eines Ausbildungsberufs abzusehen. Wer gerne Notfallsanitäter werden möchte, kann das tun; dann muss er aber eben das Lernen, was ein Notfallsanitäter wissen muss, einüben, was ein Notfallsanitäter können muss, und dann eine Prüfung ablegen, die belegt, dass er das notwendige theoretische und praktische Wissen erreicht hat.


    Den Irrweg, berufliche Mindestanforderungen durch "Praxis" und "ehrenamtliches Engagement" zu ersetzen, ist gerade der Rettungsdienst lange genug gegangen. Eine Berufsausbildung ist Praxis, auch wenn sie notwendigerweise theoretische Anteile enthält - je komplexer der Beruf, desto eher. "Vormachen - Nachmachen - drillmäßig Üben" ist kein alleine tragfähiges Konzept; nicht ohne Grund enthält selbst der EH-Kurs Theorie-Anteile. Primär theoretisch arbeitet man vielleicht an einer Hochschule ...

    Dies ist auch der Weg, den die Rettungsassistenten gingen. Und diesen will hoffentlich niemand die Kompetenz absprechen!

    Überraschenderweise gibt es Gründe dafür, dass man die Fehler der Rettungsassistentenausbildung - die oft genug eben keine war -, mit dem Notfallsanitäter nicht wiederholen wollte.

    Bist du denn der Sache offen, oder erklärst du dann wieder pauschal, dass das Thema bereits ausreichend besetzt ist? Und alles was nicht besetzt ist, kann nicht besetzt werden?

    (das soll nicht zickig klingen, aber wenn für dich alles bereits eindeutig ist, ist es müßig sich auszutauschen.)

    Mich würde auch interessieren, was der eigenständige Inhalt der "Rettungswissenschaften" ist - unter der Prämisse, dass "Medizin" einschließlich der Notfallmedizin bereits durch, nun ja, Mediziner (im Sinne von Ärzten) abgedeckt ist. Da sehe ich wenig Potenzial, sich durch ein Bachelorstudium weitergehend einzubringen.

    Hm. Ich vergleiche das mal mit anderen Bereichen, in denen für eine sehr praxisorientierte Tätigkeit studiert wird. Da fällt mir als erstes die Polizei ein, die in manchen Bundesländern nur noch in den gehobenen Dienst einstellt, der ein Bachelorstudium voraussetzt, und in anderen - wie in Baden-Württemberg - beides anbietet, Ausbildungsberuf und Stuidum. Abgesehen von der höheren Besoldung sehe ich, ehrlich gesagt, bei der Schutzpolizei keinen wesentlichen Unterschied in der Tätigkeit zwischen einem Polizeimeister oder einem Polizeikommissar. Klar, Führungspositionen - sowohl die "außendienstnahen" wie Dienstgruppenleiter als auch die Stabspositionen - stehen nur dem gehobenen Dienst offen (die höheren Positionen, wie Revierleiter oder auch Inspektionsleiter bei der Kriminalpolizei, nur dem höheren Dienst), aber abgesehen von der Möglichkeit des Aufstiegs ist die Arbeit "an der Front" (und um die soll es hier ja gehen, nicht um die Möglichkeit, Schichtführer, Rettungswachen- oder Rettungsdienstleiter zu werden) dieselbe. Da gibt es keine besondere Perspektive mit einem Studium.


    Auch pflegen Polizeibeamte regelmäßig nicht zu forschen - ich will nicht ausschließen, dass es das gibt, aber es hat jedenfalls null Relevanz für die Praxis und für 99,9% der Kommissare. In Betracht kommt da allenfalls der Lehrbetrieb an den Fachhochschulen, und der ist überschaubar - zumal polizeiliche Lehrkräfte vor allem im Bereich der Kriminal"wissenschaften" - Kriminaltaktik, Kriminalrechnik, ... - und Einsatz"wissenschaften" - tätig sind. Der rechtliche Bereich ist, AFAIS, weitgehend von Juristen besetzt.


    Im präventiven Bereich agiert die Polizei - studiert oder nicht - weitgehend selbständig, aber der Rahmen des Polizeirechts und seiner Auslegung kommen von Juristen; da kann man, wenn man will, eine Analogie zum "roten Bereich" der Feuerwehren ziehen, also Brandbekämpfung und techn. Hilfeleistung. Die Vorgaben (u.a. Dienstvorschriften, kurz DV - auch hier eine augenfällige Parallele zur Feuerwehr) kommen primär aus den Fachministerien und von polizeilichen Führungskräften; die haben studiert, aber sie prägen den Bereich nicht deshalb, sondern weil sie eben Führungsaufgaben wahrnehmen. Ich kann keinerlei Unterschied in der Mitwirkung an der "Gestaltung des Arbeitsplatzes" oder der "Forschung" zwischen Polizeimeistern (Polizeiober- oder -hauptmeistern) und Polizeikommissaren (-ober- , -hauptkommisaren) erkennen. Im repressiven Bereich, im Kern also dem Strafrecht, der sich ein wenig mit dem Rettungsdienst, der ja primär Medizin ist, vergleichen lässt, entscheiden aber allein - externe! - Juristen, wie es im Rettungsdienst die Mediziner tun; da wirkt kein B.A. Police Service (und auch kein Master Police Management) in irgendeiner relevanten Weise mit. Der Input beschränkt sich wenn, dann auf den kriminalistischen Bereich; wenn ich da den Vergleich zu Medizin und Rettungsdienst ziehe, ist mir nur nicht so recht klar, was an spezifisch "rettungswissenschaftlichem" bleibt, wenn man die Medizin ausklammert.


    Auch Rechtspfleger absolvieren ein Fachholschulstudium (und Amtsanwälte sogar zwei). Die juristische Forschung bleibt dennoch, soweit ich das überblicken kann, die Domäne derjenigen, die ein rechtswissenschaftliches Universitätsstudium abgeschlossen haben. Auch Gerichtsvollzieher machen in Baden-Württemberg seit einigen Jahren einen Bachelor of Laws. Dass sich dadurch der Einfluss auf die Gestaltung des Arbeitsplatzes oder die Mitwirkung an der Forschung geändert hätte, sehe ich nicht.

    Dein Scharfsinn ist verdammt beeindruckend. ;)

    Ich weiß! - Für Sherlock Holmes fehlt mir aber die musische Begabung (oder der notwendige Fleiß).

    In einer Geschäftsanweisung der BF fand sich der zitierte Satz als Zusatz-Info. Für die BZ reicht es als Hinweis, das in Berlin die Autos alle abfallen.

    Übrigens stehen auch in Berlin Streifenwagen unbewacht in der Öffentlichkeit, ohne das sie „gerne mal brennen“.

    Ich mutmaße, dass die meisten Leser in der Lage sind, die Mitteilungen der eher boulevard-mäßig orientierten Presseerzeugnisse auf ihren Faktenkern zurückzuführen; offensichtlich meint die BF Berlin nicht, dass niemand mehr mit dem Auto kommen soll, sonst hätte sie das ja geschrieben.


    Dennoch finde ich es - im negativen Sinn - bemerkenswert, dass eine solche Zusatzinformation für erforderlich gehalten wird. Vielleicht ist das ja heute einfach so, weil die Welt sich geändert hat. Daher wäre es ja interessant zu wissen, ob auch in anderen Großstädten - Hamburg, Bremen :), Frankfurt, Köln, München - ebensolche Hinweise erteilt werden mussten (respektive erteilt wurden). In Bremen - so entnehme ich Deinem früheren Posting - wohl nicht.

    Wenn dir Vergleiche schwierig erscheinen, dann darfst du das auch auf die Medizin übertragen und Entscheidungen nicht mehr aufgrund medizinischer Studien und Evidenz treffen, da diese fast ausschließlich mit Vergleichen arbeiten oder sogar an komplett anderen Spezies gewonnen wurden.

    Studien in der Medizin lassen sich in keiner Weise mit kriminologischen Untersuchungen vergleichen. Sie erfolgen in der Regel mit einem zuvor konkreten Studiendesign, das genau auf die zu untersuchende Frage zugeschnitten ist, und (Doppel-)Verblindung, nicht aber retrospektiv.


    Will ich bspw. wissen, ob eine bestimmte verschärfte Strafdrohung zur Abschreckung anderer Täter führt, muss ich erst einmal feststellen, ob die verschärfte Strafdrohung auch zur Verhängung höherer Strafen für dieses Delikt geführt hat. Das ist nicht einfach, weil es dazu keine Statistiken gibt. Der Affwand ist also ganz beträchtlich (bundesweit alle Gerichte oder Staatsanwaltschaften anschreiben, die dann neben ihren sonstigen Aufgaben die passenden Akten heraussuchen müssen, die die Forscher dann durchgehen). Dann kann ich prüfen, ob in den Jahren danach weniger solche Taten begangen wurden (sinnigerweise am einfachsten mit der polizeilichen Kriminalstatistik, die aber (a) nicht besonders trennscharf auflöst und (b) auch große Unschärfen hat, weil als Tatbestand das erfasst wird, was der Polizeibeamte bei Fertigstellung des Falles anklickt - das ist nicht die abschließende Bewertung der Staatsanwaltschaft oder gar des Gerichts und manchmal geradezu skurril falsch); ggf. muss ich auch dazu umfangreiche Aktenstudien vornehmen. Und nach der ganzen Mühe habe ich primär eine Korrelation, bei der die Kausalität noch nicht belegt ist.


    Die Studien zu Rückfallquoten sind etwas datenbezogener, weil man da tatsächlich konkrete Personen nachverfolgen kann, haben aber auch ihre Schwierigkeiten (in der Regel läuft die Nachverfolgung schon aus Zeitgründen nur über wenige, vielleicht fünf, Jahre, und erfolgt anhand des Bundeszentralregister; bis eine begangene Tat entdeckt wird (wenn überhaupt), dann das Ermittlungsverfahren abgeschlossen, Anklage erhoben und das Verfahren durch mehrere Instanzen bis zur Rechtskraft betrieben wurde und dann die Datenübermittlung erfolgt ist, können aber bereits etliche Jahre vergehen).


    Nehmen wir doch einmal die TTM2-Studie zur Hypythermie nach Reanimation und stellen uns vor, sie wäre folgendermaßen abgelaufen:


    1) Man schreibt bundesweit alle Kliniken an und fordert sie auf, retrospektiv die in einem bestimmten Jahr (kurz nach Einführung der therap. Hypothermie) durchgeführten Reanimationen mitzuteilen und die Krankenaken zu übermitteln. Das müssen die dafür zuständigen Ärzte der entsprechenden Klinik für Innere Medizin oder das vorhandene Assistenzpersonal neben ihrer normalen Arbeit erledigen, so sorgfältig, wie das dann eben ist. Diese Krankenakten geht das Forscherteam jetzt mit großem Zeitaufwand durch und ermittelt, wie viele Patienten wie schnell auf welche Temperatur gekühlt wurden.


    2) Danach schaut es sich das Reanimationsregister an und prüft, ob sich in diesem Zeitraum die Überlebenszahlen verbessert haben. Die Ergebnisse werden nach Bundesländern getrennt dargestellt. Andere Faktoren - bspw. Ersthelferreanimationsprojekte pp. - versucht man herauszurechnen.


    Daraus werden dann Schlüsse gezogen.


    Böte eine solche Untersuchung eine ausreichende Basis für die evidenzbasierte Medizin? Daran hätte ich erhebliche Zweifel.


    Wie aussagekräftig Vergleiche sind, hängt eben auch vom Studiendesign ab; angeblich wirkt ja auch Homöopathie ...


    Ganz so einfach sehe ich das nicht. Das ist lediglich der aktuell ausgehandelte gesellschaftliche Konsens. In anderen Gesellschaften sieht das ganz anders aus bzw. war selbst hier auf "unserem" Boden schon diverse Mal in der Geschichte sehr unterschiedlich anders und kann nicht nur theoretisch auch sehr schnell wieder geändert werden.

    Vieles ist denkbar, und was alles möglich ist, sehen wir ja immer wieder in verschiedenen Ländern auf der Welt. Was bei uns möglich ist, ist allerdings (vorbehaltlich durchgreifender Umwälzungen) durch die Werte des Grundgesetzes, der Europäischen Grundrechtscharta und des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte beschränkt.