Beiträge von thh

    Die Eintrittswahrscheinlichkeit hat aber wie ich finde jeder selbstständig denkende Mensch selbst in der Hand. Es gibt ausreichend FFP2-Masken, dann müssen diese halt auch konsequent getragen werden. Das heißt dann eben auch kein gemeinsames Essen, kein gemeinsames Rauchen etc. Tut weh, hilft aber. Seit bei uns und einem weiteren mir bekannten Bereich auf gemeinsame Pausen ohne Maske drakonische Strafen stehen, gibt es keinen Fall mehr beim Personal. Scheint ja zu gehen...

    Das bedeutet also, Du hälst die Priorisierung von medizinischem und Rettungsdienstpersonal für falsch, weil sich diese schützen können, und würdest sie nachrangig nach den 80- und den 70jährigen einordnen?

    Es spricht wohl einiges für eine Kombination aus OP- und Alltagsmaske:


    *klick*

    Dass eine OP-Maske, die üblicherweise alles andere als dicht anliegt [1], wenig Schutz bietet, erscheint mir offensichtlich; die einzig sinnvolle Alternative zu einer mehrlagigen, dicht sitzenden Stoffmaske ist daher sowieso FFP2.


    [1] Das wird nicht besser durch die seltsame Marotte, die Maske nicht abzulegen, wenn man sie nicht braucht, sondern stattdessen über das Kinn zu ziehen; oft sieht man dann Masken, die so locker sitzen, dass sie beim Sprechen schon "abrutschen".

    "Notarztindikation" ist für mich ein sehr relativer Begriff. Notarztindikationen sind nicht gottgegeben, sondern werden schlicht und einfach "festgelegt" - wobei meist nicht nur die medizinische Notwendigkeit eine Rolle spielt.

    Ich hatte den Eindruck - insbesondere nach dem "Berliner Urteil" -, dass die Haftungsrechtsprechung da sehr strikt ist und schon eher über den derzeitigen status quo hinausgeht.

    Versteh mich nicht falsch, aber: Ich wünschte auch, dass wir einfach bei jeder Rea einen vernünftig qualifizierten Notarzt mit umfangreicher Intensiverfahrung hätten. Haben wir aber schon lange nicht mehr - es ist mittlerweile in vielen Bereichen des Landes die Ausnahme.

    "Nicht mehr" scheint mir eine unzutreffende Beschreibung zu sein; auch in den 90ern gab es wenig qualifizierte Notärzte (und auch Standorte mit zu recht schlechtem Ruf).

    Wenn die Gesetzesänderung jedoch dazu beiträgt, die leider immer noch unglaublich hohe Zahl von nicht notwendigen NA-Einsätzen (und evtl. auch die Zahl der NA-Standorte) zu reduzieren (was vermutlich eher nicht Intention des Gesetzgebers ist): Gerne.

    Wie sollten sie das? Dass eine Erstversorgung durch Notfallsanitäter - und in den Jahrzehnten früher: durch Rettungsassistenten - tatsächlich und rechtlich möglich ist (und auch in den Jahrzehnten früher möglich war), ändert doch nichts an der Notarztindikation?

    Wäre das tatsächlich ein gamechanger?

    Es ersetzt die Rechtfertigung von Notfallmaßnahmen ("Notkompetenz") durch rechtfertigenden Notstand durch eine Erlaubnis solcher Maßnahmen, ändert im Ergebnis also die Rechtslage nicht und betrifft nur akute Notfälle, die eigentlich nie problematisch waren. Das kann kaum ein "Gamechanger" sein.

    Kann mir jemand erklären, warum das über das MTA-Gesetz laufen soll? Notfallsanitäter sind ja eigentlich Notfallsanitäter und keine MTA-F/V/R/L. Und so richtig "technisch" sehe ich die Notfallsanitäter jetzt auch nicht an.

    Das Gesetz befindet sich nun schon einmal im Entwurfsverfahren, da kann man es anhängen. Sonst muss man irgendwann später[tm] ein neues Gesetzgebungsverfahren anleiern. Das würde schon aufgrund der Diskontinuität - dieses Jahr wird der Bundestag neu gewählt - zu spürbaren Verzögerungen führen.

    Würde bedeuten, nur weil manche Patienten das bisherige System ausnutzen und eine zweite Rufnummer zur Verfügung haben, dieses umzustellen? Wenn es nur noch eine Nummer für medizinische Notfälle geben würde, diese einen Einsatz ablehnt, der Patient daraufhin bei der 110 anruft, dass dann irgendwann die Polizei auch den Rettungsdienst und den ÄBD übernimmt?

    Die Polizei gibt medizinische Notfälle oder Hilfeersuchen regelmäßig - entweder durch Weiterverbindung oder per "stille Post" - an die für den Rettungsdienst zuständige Leitstelle weiter.

    Im eigentlichen Artikel geht es meiner Meinung nach darum, dass die Leitstelle als medizinisches Assistenzpersonal mit einer EDV Hilfe eine bindende ärztliche Diagnose und Verordnung außer Kraft gesetzt hat, was nicht in ihrer Kompetenz liegt (liegen kann).

    Ist das so? Die Leitstelle hat üblicherweise die Aufgabe, Notrufe entgegenzunehmen und die Einsätze des Rettungsdienstes zu lenken bzw. zu leiten. Ich sehe da nicht viel Raum für eine ärztliche Weisungsbefugnis und bin vielmehr der Auffassun, dass es der Leitstelle obliegt, wann sie welches Rettungsmittel mit welcher Dringlichkeit disponiert. Dabei wird sich freilich ihr Entscheidungsspielraum regelmäßig auf Null reduzieren, wenn Fachpersonal vor Ort mit Kenntnis der Situation und des Patientenzustands ein bestimmtes Rettungsmittel anfordert, insbesondere dann, wenn es sich um die Anforderung eines Arztes handelt - andererseits weiß vermutlich auch jeder Praktiker, dass es auch ärztlicherseits ab und an immer noch eine bemerkenswerte Unkenntnis der unterschiedlichen Rettungsmittel und ihrer Möglichkeiten und Grenzen gibt.


    Ungeachtet dessen ist der Hinweis an den Pateinten: "Rufen Sie die 112 an und verlangen Sie Rettungswagen und Notarzt!" sicherlich keine Verordnung; zu diesem Behufe hätte der Arzt vielmehr selbst tätig werden müssen. Und eine "bindende ärztliche Diagnose" auf Basis eines Telefongespräches mit dem Patienten zu stellen hat so seine ganz eigenen - nicht nur berufsrechtlichen - Hürden.

    Zur erweiterten Systemkritik am ÄBD ist es schwieriger zu antworten. Ich sehe hier wie gesagt ein Problem, dass ein Patientenkollektiv im Anspruchdenkensbereich entstanden ist, das tatsächlich in niemandes Zuständigkeit wirklich fällt und durch die gegenwärtige Rechtslage am ehesten am Rettungsdienst hängen bleibt, weil dieser die größte Hürde zur Verweigerung gegen den Patientenwillen hat. Das macht aber im Umkehrschluss nicht automatisch jemand anderen zuständig.

    Der Rettungsdienst ist für medizinische Notfälle zuständig. Was kein medizinischer Notfall ist, ist - im medizinischen Bereich - Teil der vertragsärztlichen Zuständigkeit, nur im medizinischen Akutfall auch außerhalb der Sprechstundenzeiten (sei es durch den Hausarzt selbst, seinen Vertreter oder den vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst in welcher Form auch immer). Da gibt es dann auch genügend Raum, bindende ärztliche Diagnosen und Verordnungen zu treffen. :S Diesen originären Verantwortungsbereich muss man dann allerdings auch wahrnehmen, und zwar so, dass das funktioniert, nicht notwendig persönlich, aber organisiert durch die kassenärztlichen Vereinigungen.

    Ich sehe eine Lösung eher darin, dass man eine (politische) Möglichkeit schafft, dass auch im Rettungsdienst festgestellt werden kann, dass etwas kein Notfall ist und der Patient jetzt keine Akutbehandlung sofort benötigt, sondern eben zum Hausarzt soll, sobald dieser eigen regulären Termin für ihn hat.

    Die Möglichkeit gibt es ja; sie bringt nur Haftungsrisiken mit sich. Der Wunsch, diese Haftungsrisiken nicht selbst zu tragen, sondern der Ärzteschaft zu übertragen, die diese Kompetenzen ansonsten - zumeist durchaus mit Recht - für sich einfordert, ist m.E. aber auch nachvollziehbar. Es ist nicht verständlich, warum der Patient einen Hausbesuch verlangen können sollte, den der Arzt (berechtigt) ablehnt, worauf nunmehr der Rettungsdienst verständigt wird, der dann im Zweifel herausfährt, wo dann medizinisches Assistenzpersonal die Entscheidung tragen muss, ob der Patient einer weiteren ärztlichen Abklärung bedarf.


    Unter anderem das ist übrigens m.E. ein wichtiges Argument dafür, den ÄBD zusammen mit dem RD zu disponieren: dann weiß man nämlich, wer gerade eben noch auf der anderen Nummer angerufen hat, was er dort geschildert hat und was man ihm dort gesagt hat.


    Insgesamt ist das - die Unfähigkeit, die Dringlichkeit einer eigenen Erkrankung oder Verletzung korrekt einzuschätzen, sich selbst zu helfen und das Verlangen, zu jeder Tages- und Nachtzeit unverzüglich möglichst ohne eigenen Aufwand eine umfassende Abklärung herbeizuführen, egal durch wen, egal mit welchem Aufwand - aber ein Problem, das sich m.E. letztlich nur durch (auch monetäre) Steuerungsmechanismen lösen lässt. Solange Patienten letztlich kosten- und konsequenzlos den Einsatz des Rettungsdienstes oder eine Untersuchung und Versorgung in der NotAUFNAHME einer Klinik erzwingen können, lassen sich Überlastungen gerade auch hochwertiger Ressourcen nicht vermeiden. Möchte man solche Steuerungseffekte vermeiden, weil damit vielleicht auch tatsächliche Not- und Akutfälle übersehen werden, wird man entweder - wie derzeit - enorme Summen fehlinvestieren müssen, indem man die Rettungsmittelvorhaltung massiv aufstockt, damit für die Notfallrettung ausgebildete Notfallsanitäter in erheblichem Umfang hausärztliche Sichtung betreiben, und die NotAUFNAHMEN zu einer Parallelstruktur der hausärztlichen Versorgung aufbaut, oder man fängt das (ebenfalls mit erheblichem finanziellen Aufwand) durch dauerhaft besetzte Notfall- und Portalpraxen und einen Hausbesuchs-/Sichtungsdienst auf, der dann aber sinnvollerweise ärztlich durchgeführt wird; es macht wenig Sinn, diese entscheidenden Weichstellungen dann Assistenzpersonal zu überlassen. Oder, natürlich, man gibt die Sektorentrennung zwischen dem ambulanten und dem stationären Bereich auf, weil sie ohnehin nicht mehr funktioniert und die Patienten primär nicht zum Hausarzt, sondern in die Notaufnahme rennen und der Hausarzt vielerorts weder die Zeit noch den monetären Anreiz hat, Hausbesuche zu machen, die dann der Rettungsdienst erledigt.


    Dabei kann man sich m.E. durchaus auf den Standpunkt stellen, dass die Vertragsärzteschaft - möchte sie das bisherige System erhalten - dann auch in der Pflicht steht, die Versorgung ambulanter Patienten (also derjenigen, die keiner stationären Behandlung bedürfen) einschließlich der Hausbesuche bei Nicht-Notfallpatienten sicherzustellen, ohne Kliniken und Rettungsdienst damit zu belasten.

    Sie ist eine "RD Weiche" vor dem ÄBD Doktor die RTW Indikationen filtern soll. Das Abfrageergebnis lautet am Ende ja auch "ich gebe ihnen mal die Nummer von Hr. Dr. XY" - der dann das gleiche nochmal abfragt, ggf. mit hoher Verzögerung und abweichenden Kriterien.

    So kenne ich das nicht; die Abfrage erfolgt abschließend durch die ILS, nicht durch den Arzt, und die Weitergabe von Anrufen/Einsätzen erfolgt in beide Richtungen, d.h. sowohl vom ÄBD an den Rettungsdienst als auch umgekehrt.

    Nur seit die Abfrage über die Leitstellen durchgeführt wird, ist die Zahl der Einsätze für den Rettungsdienst zum Abklären überproportional gestiegen. 90% dieser Einsätze endet damit, dass der ÄBD doch noch Anfahren muss.

    In den komplett ländlichen Gebieten wird der Rettungsdienst dem ÄBD sogar vorgezogen.

    Was dafür spricht, dass die Dispositionsqualität nicht besser ist als wenn der ÄBD außerhalb der ILS organisiert wird. Obwohl sie es sein könnte.

    Das ist grade der Punkt, warum wir den Systembruch hier vermeiden müssen. Aktuell ist es oft genug so, dass der ÄBD nicht kommt (was indiziert sein kann oder nicht) und im nächsten Schritt dann doch die 112 anruft. Das kann es eben nicht sein. Wir brauchen EINE Anlaufstelle für alles was akut ist, auch damit der Verlauf jederzeit nachvollziehbar ist.

    In Baden-Württemberg wird derzeit ja der ÄBD (nahezu) flächendeckend durch die ILS abgefragt und verständigt (wenn auch nicht verbindlich disponiert, weil es an einer Weisungsbefugnis fehlt). Das halte ich grundsätzlich für eine sehr gute Idee. Ich habe aber (in dem kleinen Ausschnitt, den ich überblicken kann) nicht den Eindruck, dass das zu einer durchgreifenden Verbesserung der Dispositionsqualität geführt hat.

    Das sind aber eher die Nutzer-Kennwörter. Hier gibt es doch um die Admin-Kennwörter, oder nicht?

    Genau. Es geht darum, dass beliebige Dritte mit einem frei im Netz stehenden Admin-Passwort Kliniken anlegen, abmelden, Kennwörter von Nutzern ändern, natürlich Patienten anmelden und einen MANV anlegen konnten.

    12. Ludwigsburger Tag der Notfallmedizin 14.11.2020 (online)

    Wann? Samstag, 14.11.2020, 09.00-12.30 Uhr

    Wo? online


    Eine Anmeldung ist für den Zugang erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos.


    --> Ankündigung (Anmeldung, nähere Informationen)


    Themen:

    • Geburt / geburtshilfliche Notfälle im Rettungsdienst
      Buchfink (Klinikum Ludwigsburg)
    • STEMI – Diagnostik, aktuelle Therapieempfehlung
      Leipprecht (Klinikum Ludwigsburg)
    • Was darf der Notfallsanitäter?
      Hochstein (Staatsanwaltschaft Stuttgart)
    • Fraktur / Schienung / Reposition in der Präklinik
      Kristen (Klinikum Ludwigsburg)