Beiträge von Maxi

    @Mike


    Das Spiel nennt sich dann N-KTW:


    Man nehme zwei RS, stecke sie auf einen aufgemotzten KTW und lässt sie RTW-Einsätze ohne Blaulicht fahren.


    Und man weiß ja, wie sich manchmal ein solcher Einsatz entwickeln kann…

    Dass junge und motivierte Kollegen länger als 10 Jahre bleiben?


    Neben basalen Dingen (gute Dienst- und Urlaubsplanung, Tariflohn, betriebliche Gesundheitsförderung und Altersvorsorge, moderne Ausrüstung und Fortbildung über das Soll hinaus sowie Wasser und WLAN auf den Wachen) sehe ich da in der Tat sehr wenig Spielraum. Hier ist „das System“ gefordert.

    Wenn man halt regelhaft von vier Fahrten dreimal ÄBD spielt, frustriert das irgendwann und man studiert halt einfach Medizin oder macht was anderes.


    Meine ganz persönliche Meinung hierzu etwas plump formuliert: Ich habe mir nicht in mittlerweile 10 Jahren Sanitäts- und Rettungsdienst eine doch recht umfassende Fachkompetenz angeeignet, teils auch mit erheblichen privaten finanziellen Mitteln, damit ich bis zu meiner Rente zu Patienten geschickt werde, welche diese Fachkompetenz nicht benötigen und diese somit auch immer mehr verblasst. Und wenn man dann mit 52 Jahren nach 30 Berufsjahren was anderes machen möchte, bleibt nicht allzu viel als eine radikale Umschulung oder das Hoffen auf glückseelige Nischenpositionen.

    Als Arzt mit der Möglichkeit über 50 verschiedene Facharztbezeichnungen zu erwerben und diversen Zusatzbezeichnungen sind berufliche Veränderungen eher weniger ein Problem.

    Infusionen (Plastikflaschen) leerlaufen lassen und als Üb-Infusion nutzen. Als Ersatz für Umverpackung ZIP-Beutel nutzen. Generell nach Möglichkeit abgelaufenes Material nutzen.


    Grundsätzlich finde ich einen nachhaltigen Ansatz gut, man sollte allerdings den „Train-As-You-Fight“-Gedanken nicht außer Acht lassen, gerade bei alternativen Umverpackungen.


    Ganz praktisch in meiner Organisation: Abgelaufenes Material wird der Ausbildungsabteilung zugeführt, exklusive Pharmaka.

    Kann ja im ähnlichen Umfang bleiben wir jetzt. Aber welcher RS wird denn in sowas wie Geriatrie, Kinästhetik, Kommunikation oder der Teamführerrolle so wirklich fortgebildet? Das meine ich mit „++“, auf das aus- und fortgebildet sein, was man auch praktisch ausübt. Das muss ja nicht unbedingt ein Jahr dauern. Den RS, welcher überwiegend auf dem KTW eingesetzt wird, auf einen GEMS Lehrgang oder Kinästhetikkurs auf Kosten der Firma zu schicken, ist z.B. auch eine Form der Wertschätzung. Und da kenne ich einige RS-Kollegen und Kolleginnen, welche auf solche Fortbildungsformate echt Bock hätten, es aber nicht übernommen wird.


    Und Gesundheitsschutz durch z.B. das Vorhandensein von elektrohydraulischen Systemen und Sportangeboten ist letztendlich auch ein Fall von guten Arbeitsbedingungen.


    Und ja, ich glaube, dass es Leute gibt, welche mittel- oder langfristig auf einem KTW arbeiten würden, wenn es nicht wie vielerorts diese personalverschleißenden Bedingungen vorliegen würden. Gilt auch für den RTW.

    Wäre ja gar nicht auszudenken, wenn man durch gute Arbeitsbedingungen so viele Fachkräfte langfristig halten kann, um ein Fahrzeug der Notfallrettung ausschließlich NotSan/NotSan zu besetzen und man im RD nicht permanent auf 18 jährige Fahranfänger angewiesen ist, die teilweise noch Angst vor ihren eigenen Schatten haben und sich selbst finden müssen. ;)


    Und im Bereich des Krankentransportes (für den man keine Notfallrettungsmittel missbraucht) könnten dann durch eben diese guten Arbeitsbedingungen langfristig Fachkräfte für den Patiententransport (RS++) gehalten werden. Diese Jungs und Mädels haben eben keinen Bock auf Blaulicht und Aktion, möchten eben ihren Kaffee entspannt austrinken wenn’s bimmelt.

    (Die Polemik möge man mir bitte entschuldigen)

    Tobi_RR


    Ad 2.) Diesen Mist bzgl. alter RS vs. frischer NotSan kann ich mittlerweile nicht mehr hören. Ein RettSan hat nicht ansatzweise Diagnostik und Therapie sowie Entscheidungsfindung so gelernt wie ein NotSan. Zudem wird er in seiner beruflichen Laufbahn auch nicht vor Entscheidungen gestellt, die ein NotSan tragen muss. Also ist das ein Bullshit-Argument. Ein erfahrener RS-Kollege wird lokale Besonderheiten besser kennen als ein neuer Kollege, das war’s aber auch schon. Alle alten RS-Hasen haben sich in meiner Anfangszeit im Zweifelsfall mit dem Spruch „Du bist der NotSan“ aus der Verantwortung gezogen, wenn eine Entscheidung getroffen werden musste.


    Anmerkung: Von meiner obigen Aussage nehme ich alle Kollegen aus, welche wirklich richtig Berufserfahrung haben und die RS-Solo-RTWs noch erlebt haben.


    Da 5.) Ich sehe da eher den gegenteiligen Trend. Und sollte man bei der Argumentation nicht eher die Arbeitsbedingungen verbessern? 😉

    Wo wir gerade am thematischen abschweifen sind…


    Wenn ich mir ein Stufenmodell wünschen dürfte für die Qualifikationen im Rettungsdienst:


    Grundvoraussetzung RettSan: EH-Kurs, EH-Kind, Brandschutzhelferlehrgang, Sanitätslehrgang (mind. 48 UE), C1 mit BOS-Fahrsicherheitstraining. Dann muss man nicht mehr über die grundsätzliche Funktion eines Ambu-Beutels kurz vor der M1-Prüfung diskutieren und ein großes Auto hat dann auch jeder schonmal gefahren und dieses komische rote Ding hat auch jeder mal in der Hand gehabt.


    RettSan-Ausbildung 3,5 Monate (6 Wochen Schule und 4 Wochen M2). Somit auch noch bis hierhin ehrenamtlich leistbar.


    RettAss-Ausbildung 2 Jahre Vollzeit, wie bekannt, (Jehova!). Gerne mit Anrechnung der RS-Ausbildung und berufsbegleitend mit Kostenübernahme durch AG/KV, aber keine Anrechnung der Arbeitsstunden als RS aufs Anerkennungsjahr.


    NotSan-Lehrgang (2-3 Jahre Vollzeit) als meisteräquivalente Fachweiterbildung auf den RettAss oben drauf, ebenfalls unter Kostenübernahme und berufsbegleitender Möglichkeit. Zudem spätere Spezialisierungslehrgänge denkbar: ITW, HEMS, Lehre, Remote Medizin, Gemeinde-NotSan etc.

    So hätte man eine sinnvolle Entwicklungspyramide und könnte Fahrzeuge folgendermaßen besetzen:


    KTW: RettSan/RettSan (K, R-Einsätze als First Responder)


    N-KTW: RettSan/RettAss (K, R0, R1/R2 als First Responder)


    RTW: RettAss/NotSan (R1, R2, ggf. R0)


    NEF-Fahrer: RettAss oder NotSan


    Somit könnte man die sowieso teils schon existenten Fahrzeugrealitäten mit adäquaten bzw. kompetenten Transportführern besetzen und würde gleichzeitig sinnvolle Aufstiegsmöglichkeiten bieten.


    So, Tagträumerei beendet ;)


    Für alle Nicht-Hessen:

    K = Krankentransport

    R0 = RTW-Einsatz ohne SoSi

    R1 = RTW-Einsatz mit SoSi

    R2 = RTW und NEF Einsatz

    Dieser Wechsel bei mir zwischen Schockstarre und Lachkrampf beim Lesen dieses Bullshits… Eine sehr interessante Erfahrung!


    Sollte der TO kein Troll sein, decken sich seine Ansichten zum Beruf des Notfallsanitäters sehr mit meinem Erleben von einigen RettSan, welche i.S. des Dunning-Kruger-Effekts eine total verschobene Wahrnehmung der Stellung von NotSan und RettSan haben. Leider wird bei uns im Kreis dieser punktuelle Größenwahn noch durch N-KTW Projekte gefördert.


    Ich persönlich bin gegen jegliche zeitliche Anrechnung der RS-Ausbildung auf die NotSan-Ausbildung. Dafür habe ich schon zu viele RS gesehen, welche ihren Job in keinster Weise beherrscht haben - was bei der Schmalspurausbildung und häufig schlechten Anleitung im M3 auch nicht verwunderlich ist…

    Zitat von der oben verlinkten Website der DIU:

    „Der Bedarf an akademisch ausgebildeten Notfallsanitätern wächst“


    Meine Frage hierzu: Ist das so? Oder vermittelt man hiermit Studierenden ein falsches Bild der beruflichen Realität, was zwangsläufig dann zur Ernüchterung führen wird?

    Moin!


    Habe auf meiner alten Wache die Nerdfacts auf dem Locus aufgehängt. Ein Kollege fand es toll und hat es glaube weitergeführt, den Rest hat es glaube kaum gejuckt.


    LG Max

    Ist in Hessen explizit so geregelt, damit eben der Azubi den Patienten begleiten darf.


    Bei der Durchführung von invasiven Maßnahmen durch Azubis sehe ich übrigens ähnliche Probleme wie Priest- da würde mich mal ein juristischer Kommentar interessieren. Dürfte ganz oft in die Kategorie „Wo kein Kläger...“ fallen.

    Bei der Hypertonie abseits des hypertensiven Notfalls bin ich vollkommen bei dir. Eine antiemetische Therapie hingegen kann den Patienten mit massiven Erbrechen allerdings u.U. überhaupt erst compliant für einen Transport machen. So zumindest meine Erfahrung, dass sich diese Patienten aufgrund des Brechreizes nicht adäquat auf der Trage sichern lassen. Und da der Transport des Patienten das Kerngeschäft des RD ist, sehe ich eine Antiemese als supportive Maßnahme hierzu an. Einen NA hierfür zu alarmieren schießt m.E. am Ziel vorbei, bei uns im Kreis zum Glück per Vorabdelegation von Vomex geregelt.