Beiträge von Harris NRÜ

    Höre ich so zum ersten Mal. Wird gezahlt, nur damit die Feuerwehr sich mit einem RTW sicherer fühlt? (Ich kann das Bedürfnis eines Bereitstellungs-RTW verstehen und finde das absolut okay, letztlich ist er aber nur sehr selten notwendig.)

    Und wie viel wird abgerechnet? Einmalig die Pauschale oder pro Stunde? Wenn pro Stunde, wie teuer ist dann so ein RTW?

    Die ganz genauen Abrechnungsmodalitäten kenne ich auch nicht. Die RTW-Besatzung (ggf. auch NEF-Besatzung) besorgen sich über die Polizei bzw. über den Einsatzleiter der Feuerwehr die Daten des Gebäudebesitzers. Diese (Abrechnungs-) Daten werden auf dem Notfallprotokoll, wie mein Kollege vor mir das schon sagte, festgehalten und dann zur Abrechnung mit der Gebäudeversicherung eingereicht. So wird dieses seit vielen Jahren gemacht. Inwiefern es hier zu Problemen kommt, entzieht sich wieder meiner Kenntnis (Rückläufer, Zahlungsverweigerung). Fakt ist jedoch, dass der Rettungsdienst Geld kostet und Bereitstellungseinsätze nicht mehr als Fehlfahrten abgerechnet werden sollten, nur weil es keine Patienten gab, jedoch ein Sicherstellungsauftrag (Dienstleistung auf Weisung des Einsatzleiters; Alarm- und Ausrückeordnung) wahrgenommen wurde. Wenn gewünscht, so kann ich mal versuchen hier mehr Licht ins Dunkle der genauen Abrechnung (vor allem in dessen Erfolg) zu bringen. Dauert aber ggf. etwas.


    @allgemein: Verständnis habe ich durchaus dafür, dass die Feuerwehr sich einen RTW an die Seite wünscht, wenn Feuerwehrkräfte unter Atemschutz/Vollschutz im Einsatz sind. Tätigkeiten unter Atemschutz/Vollschutz bzw. im Innenangriff sind sehr belastend für den Körper. Im Detail bedeutet diese Tätigkeit, dass durch die Mitglieder des Trupps eine enorme körperliche Leistung in diesem Moment erbringen müssen. Daneben müssen Ausrüstungsgegenstände mitgeführt werden, die fast eigene Körpergewicht erreichen können (persönliche Schutzkleidung mit Atemschutzgerät plus Öffnungswerkzeug, Löschgeräte, Fluchthauben, Kommunikationsgeräte, Gaswarngeräte, Personennotsignalgeräte). Zusätzlich wirken (ggf.) hohe Temperaturen auf die Truppmitglieder ein. Die psychische Belastung der Einsatzsituation führt zur Aktivierung des vegetativen Nervensystems und somit zur Ausschüttung von Stresshormonen, was u.a. zur weiteren Belastung des Herz-/Kreislaufsystems führt (Steigerung des Blutdruckes, Atem- und Herzfrequenz). Der Umfang der G26.3 Untersuchung hat schon seinen Grund. Laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sind im Jahr 2019 mehr als 4.500 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz verunglückt (Zahlen für die Berufsfeuerwehren liegen mir gerade nicht vor). Bei knapp 55 % kam es zur Ausschüttung von Renten, was für einen besonders schweren Unfallverlauf spricht. Lt. der DGUV liegt der Durchschnitt von 45 meldepflichtigen Unfällen bei der Feuerwehr somit deutlich über den meldepflichtigen Arbeitsunfällen bei normalen Arbeitstätigkeiten (21). Die Tätigkeit der Feuerwehren scheint also mit deutlich mehr Risiko verbunden zu sein. Der Mittelwert der verletzten Truppmitglieder im Atemschutzeinsatz liegt lt. http://www.atemschutzunfälle.eu in Deutschland bei 85 in den letzten 10 Jahren. 8 Truppmitglieder im Atemschutzeinsatz sind in der Zeit im Einsatz ums Leben gekommen. Ich finde es daher legitim, dass ein RTW in den Bereitstellungseinsatz geht und im Rahmen der AAO (Alarm- und Ausrückeordnung) bei bestimmten Stichworten / Atemstufen sofort mit alarmiert werden (bei vermuteter oder gesicherter Menschenrettung sogar 2x RTW und 1x NEF). Mich wundert es daher auch immer, dass der Bereitstellungseinsatz bei der Feuerwehr so häufig in die Kritik kommt, während die Bereitstellungseinsätze bei Polizeieinsätzen (SEK) nie kritisiert werden (die oft an 3 oder 4 Punkten mehrere RTW und NEF gleichzeitig haben wollen). Man müsste einmal vergleichend untersuchen, wie oft es bei SEK Einsätzen zu Verletzungen von Polizeibeamten (und anderen Personen) kommt und ob diese Zahlen ähnlich hoch sind wie bei Atemschutzeinsätzen der Feuerwehr. Ich vermute mal, dass diese Kritik oft aufgrund einer nicht greifbaren, eher abstrakten Gefahr heraus passiert (weil meistens passiert ja auch glücklicherweise nichts). Wenn der kleine Kevin mit Mama Chantal am Fenster steht und beide einen heißen Hintern bekommen, dann ist diese konkrete Gefahr meistens nicht kritikwürdig und wird nicht infrage gestellt.

    Hat alles zwei Seiten.

    Richtig, daher werden wir das nun (mal wieder) auseinander dröseln müssen:


    Deine Punkte treffen auf eine Metropolregion zu. In eher ländlich geprägten Landkreisen zeichnet sich das Ende der Ressourcen bereits ab, wenn der einzige RTW der Wache zum Einsatz alarmiert wird. Der eine RTW reicht bei der Bedarfsplanung auch völlig aus. Bis der nächste RTW aus dem Nachbarwachgebiet nachrückt dauert es teilweise deutlich über 15 min und das ist der Optimalfall

    1. Nachbar-RTW ist verfügbar

    2. Es sind normale Straßenbedingungen und nicht Schnee, Glatteis, Stau, Baustelle

    Richtig, hier in meiner Metropolregion gibt es quasi täglich ein bis zwei Male den Ausnahmezustand Rettungsdienst. Wird so zwar nicht genannt, auch sind wir nicht in Berlin, aber im Endeffekt ist es genau das - ein Ausnahmezustand, weil zu viele Notfalleinsätze aber keine RTW frei (vom Krankentransport reden wir erst gar nicht, da ist Ressourcenmangel ja ein 24/7-Geschäft).


    Jedoch habe ich nichts davon gesagt, dass sofort der Rufdienst einbestellt werden muss, wenn ein (und der einzige) RTW einer Landwache zu Oma Brömmelkamp ausrücken muss. Auch hier in der Metropolregion muss ein RTW einer Nachbarwache ausrücken, wenn der zuständige RTW gerade Oma Brömmelkamp´s kaputte Hüfte retten muss. Und auch hier, im Speckgürtel, kann das 15 Minuten oder mehr dauern, bis dieser da ist. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal der (reinen) Landrettung. Der einzige Unterschied wird sein, dass die Duplizitätsfälle in einer Metropolregion deutlich häufiger vorkommen (und daher dort meistens ohnehin schon mehr RTW stehen).


    Der sog. "erweiterte Rettungsdienst" wird hier auch nur aktiviert, wenn dauerhaft / über einen längeren Zeitraum das Alltagsgeschäft nicht gehalten werden kann. Also eben nicht ein bis zweimal am Tag. Aber durchaus bei MANV, Ü-MANV, extreme Witterung (Eisregen) oder ähnliches (nicht alltägliches). Aber nicht, wenn Oma Brömmelkamp´s Hüfte im Eimer ist. Kommt also 2 bis 4 Mal im Jahr vor. Dass die Rufdienste jedoch aufgrund Personalausfall einbestellt werden, das ist wiederum ein Alltagsgeschäft.


    Dann immer die Rufbereitschaft zu alarmieren wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Mal davon abgesehen, dass dafür nur ein Bruchteil des Personals (wenn überhaupt) zur Verfügung stände, da Wohnort zu weit von der Wache entfernt, Ruhezeit nach der Schicht, auf der Arbeit, eh schon an der Grenze der erlaubten Arbeitszeit. Selbst in Landkreisen mit nur einem Betreiber funktioniert das regelmäßig mehr schlecht als recht und selten unter 1h.

    Das ist das Problem der Beauftragten. Wenn der Träger diese Vorgabe macht und in Verträgen fixiert, dann wird der Beauftragte keine andere Wahl haben (oder darf sich eben nicht bewerben). Wohnsitznahmeregelungen sind bei Berufsfeuerwehren übrigens auch nicht so ungewöhnlich. Möglichkeiten dieses zu regeln, egal von welcher Seite aus, gibt es durchaus. Rufdienste müssen natürlich auch bei der Personalbedarfsbemessung berücksichtigt werden. Letztendlich bedeutet das auch mehr Stellen.


    Dafür hat der mir bekannte Rettungsdienstbereich Ausrückezeiten im ehrenamtlichen Bereich, die nicht deutlich länger sind als die der örtlichen FF und das mit einer sehr hohen Zuverlässigkeit.

    Fallen die ehrenamtlichen RTW weg wird es trotzdem nicht automatisch zusätzliche hauptamtliche RTW geben, aber deutlich mehr Duplizitätsfälle ohne zeitgerechte Beschickung bzw. die Zeit bis zum Eintreffen des zweiten, dritten, vierten RTW deutlich länger.

    Es ist erfreulich, dass die örtliche SEG ähnlich schnell ist wie die Freiwillige Feuerwehr. Wenn die ehrenamtlichen RTW jedoch dazu genutzt werden, um die zeitgerechte Beschickung (Hilfsfrist) zu gewährleisten, obwohl der Bedarfsplan "ausreichend" ist, es jedoch bei einem Wegfall des EA-RTW zu deutlich mehr Duplizitätsfällen kommt, wo die Hilfsfrist nicht eingehalten werden kann, dann ist der Bedarfsplan vielleicht doch nicht so ausreichend. Wer Bedarfsplanung mit dem nötigen Ernst verfolgt, der darf erst gar nicht mit ehrenamtlichen Strukturen zur Erreichung des Schutzzieles planen. Zu mindestens nicht im Rettungsdienst.

    Man wird sich auch sehr bedanken in der Region, wenn man dann zukünftig stundenlang der Feuerwehr beim Einsatz zuschauen muss und nicht durch das Ehrenamt ausgelöst wird.

    Hier stehen die hauptamtlichen RTW auch beim Feuer. Wenn man Pech hat auch 8 oder 12 Stunden lang, bis Schichtende ist und ein anderer übernehmen muss. Gibt es keine Patienten, so wird nach dem Verursacherprinzip abgerechnet (z. B. die Gebäudeversicherung). Läuft seit Jahren problemlos. Grund für dieses Handeln sind einige enorm hohe Rechnungen (u.a. wegen Lohnausfallkosten) durch SEG-Einheiten an die Ordnungsämter der Städte und Gemeinden der kommunalen Feuerwehren.

    Die nützen natürlich nicht wenn der individuelle Notfall nicht bedient zeitnah werden kann. Wie gehen wir in einem ländlichem Bereich damit um dass die nächsten RTW im Einsatz sind? Welche Wartezeiten auf einen Regel-RTW sind noch tolerabel? 20, 25, 30 oder 45 Minuten ? Ab wann ist der ehrenamtliche Notfall-KTW die bessere Alternative für den einzelnen Patienten? Die Fahrzeuge sind für den MANV/ KatS ohnehin meist vorhanden, Ehrenamtliches Personal sollte aus den gleichen Gründen auch vorhanden sein.

    Wer sagt denn, dass die Rufdienste erst einbestellt werden sollen, wenn der Notfall vorliegt? Das ist Aufgabe des Lagedienstführers einer Leitstelle dieses zu entscheiden, wenn die Lage dieses erfordert (erhöhtes Aufkommen, Ende der Ressourcen zeichnet sich ab, Besetzung verwaister Wachen, wenn Ü-MANV-S Komponenten entsendet wurden, usw.). Auch der ehrenamtliche SEG RTW steht nicht innerhalb der Hilfsfrist bei Oma Brömmelkamp auf der Matte. Und für den großen Teil der Notfälle wird ein N-KTW reichen. Bei Bedarf kann dieser gut mit einem NEF "aufgerüstet" werden. Das zeigen die Erfahrungen im Pilotprojekt.

    Ich habe den Artikel nicht gelesen. Die Spitzenabdeckung ist sicherlich überall wo es keine BF im RD gibt ein Thema. Ohne Ehrenamt geht es zwar - aber dann wird dem Bürger schlechter geholfen.

    Es könnten (beispielsweise) Rufdienste für Spitzenbedarf-RTW eingeführt werden, Vorlaufzeit 30-45 min. Ohne BF mit RD ist man nicht zwingend auf das Ehrenamt (SEG) angewiesen. Ist aber natürlich billiger.

    Ich persönlich halte Ehrenamtliche Fahrzeuge als Ergänzung zur Regelvorhaltung für sinnvoll. Besetzt mit zwei RS (als Quali der Ehrenamtlichen), einer davon mit Erfahrung d.h. mehreren Jahresfortbildungen und einer relevanten Zahl an Notfalleinsätzen. Ob man die Fahrzeuge dann Bereitschafts-RTW, Notfall-KTW oder anders nennt ist egal. Fahrzeuge die mit NA richtig versorgen können sind ein Benefit. Diese Fahrzeuge sollten klar transportieren dürfen ABER sich vom richtigen RD mit NFS unterscheiden.

    Das Thema hatten wir ja schon einige Male im Forum; Ich finde, dass N-KTW und KTW für den SEG-Bereich völlig ausreichend sind. Damit sind die Qualifikationsanforderungen einfacher zu erreichen, der Kostendruck ist geringer (weniger Anforderungen an das FZG und an die Medizintechnik) und erfahrungsgemäß (ja, ich weiß - "hier" oder "da" sind die Erfahrungen ganz, ganz anderes) sind N-KTW/KTW ausreichend.

    Eine Begrenzung auf ca. 100 Einsätze je Jahr sorgt dafür das der Regel RD sinnvoll dimensioniert wird.

    Das ist aber schon ganz schön viel, wie ich finde (alle 3,5 Tage ein Einsatz). Das sind Einsatzgrößen von kleineren Schwerpunkt- oder von Stützpunktfeuerwehren.

    Das grundsätzliche Problem liegt in der auf lokale Gegebenheiten eingerichteten Medienarbeit.

    Konkret: macht sich der Journalist Mühe (d.h. Informationnssammlung) und berichtet auch im Zusammenhang mit einem lokalen Aufmacher über die grundsätzliche Problematik bzw. die Verhältnisse zwei Landkreise weiter?

    Oder ist diesen Journalisten der Aufmacher genug?

    Vielleicht sollte man dem Journalisten einen gescheiten Pressesprecher an die Hand geben, wenn er in den (Rettungs-) Betrieb kommt und Fragen stellt?

    Ja, das stimmt natürlich. Die MTW mit Rolli-Transportmöglichkeit finde ich übrigens auch eine gute Idee.


    In Hannover gibt es im Rettungsdienst die sog. "R-KTW" (für Rollstuhl-KTW), die auch Patienten im Rollstuhl transportieren können, falls ein Sondermietwagen/Behindertentransportwagen mal nicht reichen sollte (z.B. Pflegerollstuhl mit multiresistenten Keim oder Heimbeatmung).

    Na ja, so würde ich die Arbeit in den Leitstellen nicht abwerten. Selbst bei einer Führung von vorne braucht es im Hintergrund auch Strukturen. Und das deutlich vor dem K-Fall. Telefonate mit anderen Behörden, Sofortmeldungen an übergeordnete Instanzen, Bedienen der Warneinrichtungen etc.

    Das würde ich für den Rettungsdienst so gerade nicht unterschreiben. Die Feuerwehr führt von vorne, aber der Rettungsdienst hat nach meiner Erfahrung regelmäßig (wenn er nicht von der Feuerwehr betrieben wird) keine eigenen Führungsstrukturen unterhalb einer Großschadenslage (und die funktionieren, je nachdem, wie häufig sie zum Einsatz kommen, auch manchmal nur so mittelgut, nicht zuletzt, weil im Rettungsdienst die Arbeit in größeren Strukturen - außerhalb eines RTW-NEF-Teams - ungewohnt ist). Daher hat die Leitstelle häufig auch ausdrücklich die Führung der Rettungsdienstfahrzeuge als ihr zugewiesene Aufgabe.

    Für die Feuerwehr ja, für den Rettungsdienst nein.


    Ich möchte die Leitstelle gar nicht abwerten. Das sind gemäß der gesetzlichen Grundlagen und der vorgefundenen Strukturen meine Erfahrungen als Leitstellendisponent. Die habe ich mir nicht ausgesucht. Der Einsatzleiter führt an der Einsatzstelle. Dazu nutzt er, je nach Größe der Lage, Führungsmittel und Führungsassistenten vor Ort. Und ja, die Leitstelle ist eine Hintergrundstruktur in Deinem Sinne (nennt sich dann "rückwärtige Führungseinrichtung" gemäß FwDV-100). Allerdings beschränkt sich das auf eine Führungsunterstützung (und ja, dass kann auch ein Anruf bei einer anderen Behörde sein - z. B. die untere Wasserbehörde o. ä.). Wird der Einsatz so groß oder sogar der Katastrophenfall ausgerufen, dann übernimmt der Stab. Ab einem gewissen Punkt ist die Leitstelle immer mehr raus aus der Nummer. Die "Führung" der Leitstelle, wie Anfahrtswege, vorläufige Bereitstellungsräume, usw., endet mit dem Eintreffen des ersten Einsatzleiters (der auch ein Staffelführer vom TSF-W der Dorffeuerwehr sein könnte). Ähnlich ist das auch mit dem Rettungsdienst. Und da hat thh recht - einen gewissen Unterschied gibt es da schon (ich wollte jedoch nicht 16 verschiedene RettDG, BrandSchG und KatSG zitieren). Anders wie in der Feuerwehr hat die Leitstelle beim Rettungsdienst etwas mehr zu sagen (und zu lenken/führen). Im Alltag macht sich dieses, daher tun sich Retter oft mit Führung oder größeren Einheitsstrukturen schwer (und da hat thh gewissermaßen auch recht), oft nicht bemerkbar, da der "taktisch selbstständige Trupp" (der RTW halt) im Regelfall nicht wirklich geführt, sondern nur koordiniert werden muss. Aber ein Weisungsrecht hat auch seine Grenzen. Der Leitstellendisponent kann dem NotSan oder dem Notarzt keine Weisungen erteilen wie sein Patient behandelt werden muss oder welche klinischen Fachdisziplinen dieser zur weiteren Versorgung benötigt. Wird ein rettungsdienstlicher Einsatz zu groß (MANV) oder zu speziell (Geiselnahme, ABC-Einsatz, usw.), so führt ein OrgL und ein LNA den Rettungsdienst VOR ORT (also von vorne) - ggf. mit Führungsmitteln und Führungsassistenten. Und bis diese vor Ort eintreffen "führt" ein RTW bzw. ein NEF vor Ort (Erkundung, Lagemeldung, Ordnung des Raumes, Erstmaßnahmen, usw.), weil der Informationsvorsprung der Leitstelle mit dem Eintreffen des ersten Rettungsmittels quasi vorbei ist. Daher ist das Ganze doch mehr Theorie und beschränkt sich i.d.R. mehr auf das "lenken" wie auf das "führen". Ein "Jein" passt daher besser, wenn es um das Thema Führung und Rettungsdienst geht.

    Spätestens wenn sich abzeichnet, dass die Lage größer wird braucht man das aber in meinen Augen zwingend. Läuft ja sonst auch überall so bei den BOS. Irgendjemand muss das Sagen haben.

    Feuerwehr und Rettungsdienst führt von vorne. D.h., dass in der Leitstelle in der Regel kein "gehobener Führer" benötigt wird und die Leitstelle (für die Feuerwehr) eine reine Alarmierungseinrichtung ist (bis zur Grenze des Katastrophenfalls eben). Man findet daher Leitungskräfte im gehobenen Dienst in kleinen Leitstellen in der Regel nur beim Leitstellenleiter selbst. Bei großen Leitstellen (häufig in Verbindung mit einer Berufsfeuerwehr) ist das (oft) anders. Eine solche (teure) Stelle lässt sich eben nur schwer verkaufen, wenn diese selten benötigt wird und vor allem nicht vollständig durch die Krankenkassen refinanziert wird, also der Kreis oder die kreisfreie Stadt diese selbst tragen muss.

    Für so etwas sollte man einen übergeordnete Führungsposition haben, die sich aus dem "Telefongeschäft" für genau solche Sachen, aber auch die Koordinierung meiner Kräfte in der Leitstelle rausziehen kann.

    Eine Führungsposition im gehobenen Dienst (Lagedienstführer o.ä. Namen für diese Position) innerhalb der Wachabteilungen/Schichten einer Leitstelle erlauben sich in der Regel nur große Leitstellen. Kleinere Leitstellen (oder der größte Teil aller Leitstellen) besitzen in der Regel nur Disponenten, maximal vielleicht noch einen Schichtführer (der jedoch nicht vollständig aus der Abfrage/Disposition herausgelöst wurde).

    Das weiß ich doch jetzt nicht mehr (wie ich schon sagte - durch die ständigen Warnungen beachte ich diese nicht mehr wirklich). Jetzt ist alles grün bzw. grau. Ich kann Dir aber sagen, dass eine der Gemeindegrenzen ca. 2 Kilometer entfernt liegt sowie die Grenzen von zwei der mehreren Nachbarlandkreisen ca. 8 Kilometer entfernt liegen. Kommen Unwetter von Westen oder Nordwesten, dann erfolgen die Warnungen oft sehr spät oder zu spät. Aus allen anderen Richtungen oft früh. In allem zusammen aber zu oft, ohne das irgendwas Gravierendes passiert. Ich kann das nicht messbar (objektiv) hinterlegen, da ich keine Aufzeichnungen dazu führe. Das ist jedoch mein (gefühlter) Erfahrungsschatz mit Wetterwarnmeldungen.

    Wenn ich mich recht erinnere, man möge mich gern korrigieren, begann die Kritik an den (damals nicht oder zu wenig erfolgten) Warnungen des DWD nach dem Berliner Unwetter mit Todesfolgen auf einem Kinderzeltlager (siehe Link). In der Nachfolgezeit etablierten sich seit dem Beginn des Smartphone-Zeitalters (um das Jahr 2008 und später herum) zunehmend Wetter-Apps. Auch ich nutze die DWD-, NINA- und Katwarn-App. In den Leitstellen gehen Warnmeldungen des DWD zusätzlich auch per Fax ein (seit 20 Jahren bestimmt schon). Diese werden (gefühlt) aber genauso inflationär verteilt wie die Warnungen per App. Kommt Nieselregen bekomme ich eine Mitteilung über markantes Wetter. Kommt ein (Standard-) Sommergewitter, so überbieten sich die drei genannten Apps und überschütten mich im 5 bis 15 Minuten-Takt mit Warnmeldungen vor schwerem Gewitter, schwersten Gewitter und Weltuntergang (oder der Spatz auf dem Dach furzt). Passieren tut dann in der Regel gar nichts. In der Ferne donnert es dann mal. Hier und da dann mal ein Blitz. Etwas Nieselregen. Sonst nichts. Bei einem tatsächlichen schweren Unwetter, die Wolken "drehten sich merkwürdig", später dann heftiger Hagel und Bäume, die von links nach rechts flogen, erfolgte die Warnung erst 15 Minuten nach dem das Unwetter bereits durch war. Ich vermute mal, dass dieses damit zusammenhängt, dass ich an der westlichen Kreisgrenze wohne und die Warnungen kreis- und nicht zwingend Gemeinde bezogen ausgesprochen werden. Kommt das Unwetter von Osten, dann scheint hier trotz Warnung noch 3 Stunden die Sonne, während 70 Kilometer weiter östlich im Landkreis bereits die Welt untergeht.


    Zuverlässig wird die NINA-App hier aber von einigen Gemeinden genutzt, die bei Großbränden oder anderen Vorfällen (z.B. Trinkwasserverunreinigung), die Warnungen verteilen. Nur mit dem Wetter klappt das nicht so richtig. Das mag vielleicht in der "Natur" der Sache liegen. Ich schenke aufgrund der Vielzahl der Wetter-Warnungen diesen oft auch nur wenig Aufmerksamkeit.