Beiträge von Harris NRÜ

    Bevor wir uns hier weiter die Köppe heiß diskutieren von mir eine Info: Der User ist seit seiner Anmeldung und seinem ersten Beitrag nicht mehr online gewesen. Auch wenn er demnächst seine Ausbildung beginnt (wie er sagte), ist er laut Profil bereits Notfallsanitäter, womit das Problem (eigentlich) erledigt sein müsste. Mir drängt sich da eher ein anderer Verdacht auf...

    Aber woran scheitert denn die Erforschung der genannten Themen? Wenn Bedarf besteht und Kapazitäten da sind, könnte man ja sofort anfangen. Abzuwarten, bis vielleicht irgendwann mal ein NotSan seinen NotSan-Master abgeschlossen hat und in NotSankunde promovieren will, scheint mir nicht der ideale Weg zu sein...

    Ich könnte mir als Grund vorstellen, dass die Studienschwerpunkte der studierenden Notfallsanitäter (oder auch der Pflege, usw.) eher im Bereich des Managements und der Pädagogik zu finden sind, da bisher die Schwerpunkte der angebotenen Studiengänge hier zu finden sind. Ich vermute daher, dass die Themen der Abschlussarbeiten (und damit auch konkrete Umfragen, usw.) daher eher in diese Richtung gehen. Zusätzlich wird es schwer sein Studien für eine präklinische Antibiosegabe (Beispiel) umzusetzen, da die Zeit für die Bearbeitung (gerade beim Bachelor) zu begrenzt ist und eher im Bereich einer Dissertation / Promotion angesiedelt werden sollte, was den Umfang eines solchen Vorhabens betrifft. Denn dafür braucht man längere Zeiträume und eine Menge Personen mit im Boot (ÄLRD, SOP-Änderungen, die lokalen Krankenhäuser, usw.), um das umzusetzen. Sicher keine gute Wahl für eine Bachelor-Abschlussarbeit.


    Warum sage ich das? Ich habe bei meiner Abschlussarbeit den Zusammenhang von Einsatzzahlensteigerungen und dem demografischen Wandel innerhalb eines bestimmten Rettungsdienstbereiches untersucht. Dazu habe ich 280.000 Patientendaten aus vielen Jahren ausgewertet um etwas auf Papier bringen zu können. Gerade den Datenschutz habe ich unterschätzt und ich habe deutlich mehr Zeit gebraucht um an diese Daten zu kommen und rechtliche Dinge abschließend regeln zu können. Ich habe Gott sei Dank einen sehr guten Professor gehabt, der sich sehr für mein Ziel eingesetzt hat. Nicht selbstverständlich. Selbst so ein kleines "Ziel" kann unglaublich viel Arbeit machen. Daher sollte die Wahl eines Themas/einer Forschungsfrage gut überlegt sein und der Umgang einer Untersuchung zum Abschluss passen, denke ich. Manche Dinge sollte man gar nicht erst alleine untersuchen, sondern dieses in einem Team machen.


    Bestimmte (Mode-) Themen sind mir in den letzten Jahren aber auch vermehrt aufgefallen und "nerven" mittlerweile etwas.

    Sorry, das mag auf deine Kollegen in der ILS zutreffen (und damit auch auf Dich). Die reguläre durchschnittliche Lebenserwartung eines BFlers liegt, unabhängig der Studie, unterhalb des aktuellen Renteneintrittsalters eines Angestellten.

    Meine ILS ist Teil einer Berufsfeuerwehr. Und viele versuchen auf die Wache zu flüchten, weil sie dort weniger Stress erfahren. So pauschal kann man dieses nicht sagen, da die Stressoren / Belastungen unterschiedlich sind. Aber ja, ich denke ich weiß worauf Du Dich beziehst. Ich meine vor einigen Jahren über Verdi etwas zu den Belastungen und vorzeigtigen ableben der Feuerwehrbeamten gelesen zu haben (Krebserkrankungen). Gern kannst Du mir Deine Quelle aber auch noch einmal zukommen lassen.


    Grundsätzlich glaube ich jedoch auch, dass man die Belastungen / Gefährdungen von Feuerwehrbeamten mit Rettungsdienst unterscheiden sollte zu Feuerwehrbeamten ohne Rettungsdienst. Die Belastungen und Gefährdungen im Feuerwehreinsatz haben sich in den vergangenen Jahrzehnten auch deutlich verändert und verbessert. Ich wäre gespannt darauf, ob die jungen BF-Generationen noch genau so "früh" versterben werden wie die älteren Generationen, die noch andere Zeiten erlebt haben. Im Regelfall muss man mit dem Stand heute jedoch sagen, dass die Faktoren Stress/Belastung im Rettungsdienst/Leitstelle und Löschzug ganz anders sind. Auf dem Löschzug schläft man i.d.R. durch. Das passiert einem auf dem RTW in der Großstadt nicht. In der Leitstelle sowie so schon nicht.


    Oder ganz anders: Das Renteneintrittsalter eines Angestellten ist mittlerweile so hoch, dass daher die Einsatzdienstbeamten zuvor versterben. ;) Okay, das war nur etwas Sarkasmus/Ironie.

    Ich kann mir einen Bachelor of Rettungswesen vorstellen. Was dann aber m. E. deutlich breiter wäre als präklinische Notfallmedizin. Da gehören ja soziologische und psychologische Teile hinein, um nur zwei zu nennen. [...]


    Aber ich möchte nicht missverstanden werden. Mein Hauptpunkt ist: Wer als NotSan seinen fachlichen und persönlichen Hintergrund durch ein Studium erweitern und seine beruflichen Chancen dadurch verbessern möchte, dem fehlt m. E. kein Bachelor of Rettungswesen. Man kann Rettungsingenieurwesen studieren, Medizininformatik, Medizinsoziologie, Wirtschaftswissenschaften, pädagogische Studiengänge, Gesundheitswissenschaften, Psychologie oder oder oder. [...]

    So was gibt es schon, nennt sich nur ein wenig anders. Die zwei genannten Bereiche sind ein Teil davon (das waren u. a. auch einige der Bereiche, die mir am meisten Spaß/Interesse bereitet haben). Kann also schon mit zu den Studiengängen nach unten einsortiert werden. Für den Bereich Pädagogik und Management im RD wird mMn genug angeboten. Die meisten meiner ehemaligen Kommilitonen sind auch bereits entsprechend beruflich aufgestiegen und konnten sich entsprechende Stellen sichern, z. B. im Management einer HiOrg/THW, kommunale Behörden und Feuerwehren (Sachbearbeiter, Wachabteilungsleiter, usw.) oder in Landes- oder Bundesbehörden (u.a. im BBK in Bonn). Von E9b bis E11 bzw. A10 bis A12 als Bachelor ist bisher alles dabei. Nur wenige, wo auch ich dazu gehöre, hatten bisher Pech (Nasenfaktorbeförderung bei verbeamteten Kollegen, bei mir persönlich eher das Bundesland ein Problem sowie die fehlende Flexibilität zum Umzug / örtliche Bindung). Das wird in anderen Studiengängen sicher nicht anders sein. Je nach Nachfrage eben.


    Inwiefern mehr für die nicht-ärztliche präklinische Notfallmedizin erforderlich ist, das diskutieren wir hier gerade ja. Ich bin da auch etwas zwiegespalten. Einerseits sehe ich auch die Vorteile der dualen Ausbildung, andererseits könnte ich mir auch "mehr" vorstellen, vor allem aus Sicht der Hoffnung, dass wir den aktuellen Stand, was Rettungsdienst z. Zt. bedeutet (Alltag, Arbeitsbedingungen) irgendwann einmal besser und sinnvoller wird. Fakt ist nun aber auch, dass die Idee der Akademisierung auch dem Umstand der Ausbildung im europäischen Ausland geschuldet ist, wo diese im Bereich der Pflege und der Geburtshilfe deutlich weiter fortgeschritten ist wie hier in Deutschland, weil Deutschland sich eben fast 2 Jahrzehnte mit Händen und Füssen dagegen gewehrt hatte (ich erzähle bereits davon). Im Bereich der Hebammenausbildung/Geburtshilfe ist die Umsetzung nun ein MUSS, kein kann mehr. Da ich nun auch schon einige Jahre die Fachjournale der Hebammen regelmäßig lese, habe ich bisher auch nicht den Eindruck, dass die Hebammen sich genau so zerfleischen wie wir Retter hier (teilweise mit subjektiven abwertenden Bemerkungen zu Studiengängen). Die Hebammen scheinen sich nahezu geschlossen auf diese Umsetzung zu freuen, die ja gerade begonnen hat. Sie sehen eine Chance zur Weiterentwicklung und eine Angleichung ihrer Ausbildung auf das europäische Niveau. Wir werden daher in naher Zukunft sehen, wie die Eingruppierung bzw. das Entgelt sich ändern wird (oder nicht). Denn dafür sind die Tarifparteien, also die Gewerkschaften, zuständig, um dieses bei den Tarifverhandlungen durchzusetzen. Vielleicht kann meine Frau, die als Hebamme in der Geburtshilfe tätig ist, irgendwann einmal mehr berichten, da sie aktuell die ersten Studentinnen der Hebammenwissenschaften (von einer richtigen Uni) z. Zt. im Praxiseinsatz bei sich hat.


    @all Vielleicht hilft ja auch noch einmal die Empfehlung des Wissenschaftsrates aus dem Jahr 2012 (also zu Zeiten des RettAss), die eine entsprechende allgemeine Empfehlung zur Akademisierung von Fachpersonal im Gesundheitswesen abgegeben hat (neben dem EU-Beschluss ein Jahrzehnt zuvor, auf dem sich die Umsetzung der Hebammenausbildung aktuell bezieht).


    Der Wissenschaftsrat sagt zusätzlich auch, dass keine generelle Akademisierung erforderlich ist, sondern nur ein gewisser Teil des Personals akademisch ausgebildet/qualifiziert sein soll (sollte). Das passt auch gut zu vielen Aussagen hier, dass nicht jeder ein "Bachelor oder Master auf irgendwas" sein muss. Inwiefern dieses im Bereich des NotSan umsetzbar sein könnte, bleibt zu diskutieren. Zusätzlich gibt der §7 des NotSanG aktuell schon die Möglichkeit, Teile der Ausbildung an eine Hochschule verlegen zu können. Ein Fenster ist also bereits schon auf...

    Mir leuchtet nicht ein, wo die Bedarfslücke für einen BSc. NotSan ist. Wer als NotSan studieren möchte, um sich weiterzuqualifizieren, findet doch mehr als genug Angebote in Medizin, Pädagogik oder Ökonomie, je nach Interesse. Dagegen kann doch eine Übertragung der bisherigen Berufsausbildung, garniert mit einer "Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten" schlimmstenfalls nur eine Schmalspur-Akademisierung sein, mit der niemand ernster genommen wird als heute.

    Die erneute "Explosion" der Diskussion hatte ihren Grund vermutlich in der Sachlage der Akademisierung der Pflege und der Geburtshilfe (Hebammen), denke ich. Dort hatte Deutschland (Luxemburg und Österreich) sich bisher erfolgreich durch geschummelt um den Beschluss der Europäischen Union vor fast 20 Jahren, die eben festgelegt hatte, bestimmte Gesundheitsberufe zu akademisieren. Das Feuer ist auf den NotSan übergesprungen.


    Parallel dazu muss man aber schauen, dass meine seine Retter auch physisch und psychisch fit hält, damit möglichst viele es bis zur Rente schaffen.

    Ich finde es jedoch utopisch zu denken, dass der Rettungsdienst mit Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, mit den heutigen Möglichkeiten, es schafft, einen NotSan bis zum 67 Lebensjahr (bald eher bis zum 68 oder 69 Lj) fit zu halten. Das wird vor der Erfindung des Anti-Schwerkraft-Tragetuches und einem Raumschiff Enterprise Corpuls 4 im iPhone Format mMn nicht funktionieren. Mit den heutigen Möglichkeiten und dem aktuellen Alltag im Beruf läuft es aktuell auf eine Rentenkürzung hinaus, da (fast) niemand das reguläre Renteneintrittsalter überhaupt erreichen wird bzw. gezwungen sein wird, vorzeitig in Rente zu gehen. Bis auf wenige Ausnahmen trifft das z.Zt. auch auf alle meine Kollegen im Angestelltenverhältnis zu. Während meine verbeamteten Kollegen mit 60 die Sause machen, haben viele Kollegen im Angestelltenverhältnis in den letzten Jahren ihr reguläres Renteneintrittsalter nicht erreicht. Diese sind i.d.R. einige Jahre zuvor schon nicht mehr dienstfähig und hangeln sich durch oder müssen Abschläge in Kauf nehmen. Und diese Kollegen haben es noch "gut", da für diese noch das 63Lj bzw. geringfühig länger gilt. Die müssen noch gar nicht bis 67. Und was haben/hatten alle gemeinsam? Alle haben 15-20 Jahre Rettungsdienst und 20 Jahre Leitstelle auf dem Buckel und sind kaputt. Düstere Aussichten, finde ich...

    Interessanter Vortrag mit interessanten Argumenten!
    Das was und wie es dargestellt wird ist aus meiner Sicht recht gut gemacht, leider erzeugt der Vortrag aber zumindest bei mir einen faden Beigeschmack. Zwei Punkte die aus meiner Sicht recht klar herausgestellt werden sind:
    1. Ist nur durch eine Akademisierung eine Professionalisierung und ein Evidenz basiertes Arbeiten möglich.
    2. Sind hat die Akademisierung ein überwiegend persönliche Benefit.
    Sicher ist, dass eine Akademisierung ein evidenzbasiertes Handeln einfacher macht, allerdings kann man das auch in nicht akademisierten Bereichen etablieren. Wichtiger als die Art der Qualifizierung (duale Ausbildung vs. Studium) ist es doch, dass man die Menschen für den Beruf begeistert und sie schon in der Ausbildung damit vertraut macht sich entsprechende Quellen zu suchen. Wichtig ist doch auch, dass wir ein generellen Wechsel brauchen, denn ein evidenzbasiertes Arbeiten funktioniert nur dann, wenn es den über gestellten Ebenen mitmachen. Solang eine Chefetage (sei es Arbeitgeber oder ÄLRD oder ... ) nicht evidenzbasiert handeln und das so festlegen, solange bringt auch ein Studium nichts.
    Ein erster richtiger und wichtiger Schritt zu Professionalisierung wäre aus meiner Sicht mehr Gesellschaften o.ä. wie der DBRD, die DGRe und andere. Wir müssen darstellen, dass wir viele sind und das wir mehr machen wie nur von A nach B fahren. Wenn uns das gelingt ist ein erster Schritt in Richtung Professionalisierung gemacht und daraus lassen sich zig weitere Ableiten, letzten Endes kann das auch dazu führen, dass die HiOrg; BF und Co. bei einer Diskussion um bessere Ausbildungen weniger Gewicht bekommen.

    Die Idee der Akademisierung von Gesundheitsberufen in Europa nicht ja nicht neu. Seit 20-30 Jahren werden in großen Teilen bereits Gesundheitsberufe akademisch ausgebildet. Erste Studiengänge, z.B. für die Pflege, sind bereits in den 1960ziger/1970ziger Jahren entstanden. Übrigens hat Deutschland sich gegen die Zugangs-Anhebung auf Abitur und Akademisierung in der Pflege gewehrt, weil man Angst hatte, dass man nicht mehr genug Pflegepersonal finden würde. Nun sehen wir, dass auch ohne Abitur und Studium nicht mehr genug Pflegepersonal gefunden werden konnte. Gleiches mit der Ausbildung der Hebammen. In Europa schon längere Zeit ein Studium, nur in Deutschland ist man bisher nicht in die Gänge gekommen. Nun befinden sich die ersten deutschen Midwiferys im Studium und erobern die Kreißsäle und Wochenbettstationen. Im übrigen haben auch andere europäische Länder Personalprobleme in der Pflege, auch solche, die schon akademische Laufbahnen in der Pflege anbieten (umsetzen). Das Problem scheint also noch wesentlich tiefer zu liegen als nur in der Art und Weise der Ausbildung (Arbeitsbedingungen). Allerdings konnte auch gezeigt werden, wenn ich der verschiedenen Fachliteratur glauben schenken darf (ich lese halt nicht nur Rettung, sondern auch Fachjournale aus der Pflege und aus der Geburtshilfe), dass eine schlechte Versorgungsqualität und eine höhere Mortalitätsrate in Korrelation mit einem geringen Qualifikationsniveau und einer Unterschreitung der Personaluntergrenzen/Sollstärken einhergehen. Und auch ganz ohne Studie bin ich mir sicher, dass sich das auch auf uns Retter so übertragen lässt. Zu den ganzen Befürchtungen: Wie machen das denn die ganzen anderen Länder, wo die Pflege, Geburtshilfe UND auch der Rettungsdienst bereits eine akademisierte Laufbahnausbildung vorgeben? Ja, wir sollten den Schritt gehen, gerade auch weil uns gezeigt wurde, dass eine duale Ausbildung das allgemeine Problem nicht verbessern konnte - ja es sogar schlimmer wurde, wir jedoch einiges dazu gewinnen könnten. Auch sollten wir dazu Kammern bilden, um durch die Selbstverwaltung externe Einflüsse minimieren zu können, einheitliche Qualitätsstandards entwickeln zu können und eine Interessenvertretung des Berufes gegenüber der Politik haben zu können. Der DBRD ist eine erste (gute?) Entwicklung in diese Richtung. Der DGRe verfolgt die Professionalisierung auf etwas anderem Wege. Im Prinzip bräuchte man beide Dinge in einer Kammer. Das Wort Kammer ist im Gesundheitswesen (leider) ein Schreckgespenst, weil in der Pflege die Kommunikation und Umsetzung leider so richtig in die Hose gegangen ist.

    Anderer Kostenträger. Und die knappe Ressource ITW 600 bis 800 km für einen Patient zu verwenden sowie drei Leute 1,5 bis 2 Tage zu binden, ist auch nicht sinnvoll. Das man am Ausgangsort und Zielort jeweils einen ITW für einige Stunden bindet und der Patient vier Mal übergeben wird, steht auf der anderen Seite...

    Das dachte ich mir. Für Nicht-Kleeblatt-Patienten scheint das dem ADAC während der Pandemie egal zu sein. Knapp unter 1.000 Kilometer, aber ins europäische Ausland, mit Fähre über einen doch recht großen Teich (wenn das überhaupt möglich gewesen wäre, usw.) und für jemanden, der eigentlich keinen ITW bräuchte (und hoffentlich auch nicht bekommen hat; das Ergebnis habe ich nicht mehr mit bekommen).

    Biede Berufte Alten- und Krankenpflege müssen dringend reformiert werden. Gerade diese qualitativen Abgründe schrecken ja auch Interessierte ab.

    Es gab ja schon einmal eine Zeit, wo Deutschland studierte Pflegekräfte aus dem nahen EU-Ausland angelockt hatte. Viele von diesen sind jedoch wieder abgehauen, als sie erfahren mussten, mit was eine dreijährig ausgebildete, examinierte Krankenschwester sich hier in Deutschland alles beschäftigen muss. Fachpflegerische Tätigkeiten nehmen oft nur einen Bruchteil der Aufgaben ein. Der Rest beschäftigt sich mit grundpflegerischen Tätigkeiten sowie Reinigungs- und Servicetätigkeiten (Essen austeilen, Nachtschrank putzen, usw.). Auch ein Grund, neben der Reduktion der fachpflegerischen Tätigkeiten (die periphere Venenpunktion/Blutentnahme wurde damals den exam. Krankenpflegekräften gerade verboten) und der damals langen Wartezeit auf die FWB A/I, das ich die Pflege verlassen habe.

    Unterlagen wie Kraut und Rüben.

    Das geht mir auch immer auf‘n Sack. An die 10 Seiten Ausdruck mit häufig (für mich gerade) nicht wichtigen Informationen, die in jedem Pflegeheim vom Aufbau anders gestaltet und sortiert sind. Jeder hat seinen eigenen Übergabebogen. Ein Stuhlgangprotokoll über die WC-Stuhl Ausflüge der letzten 6 Monate, Informationen zu den ATL‘s, also bei welchen Aktivitäten der Patient Hilfe benötigt, usw., aber keine Diagnosen drauf oder nur der Name des Betreuers, jedoch nicht die Telefonnummer von diesem. Ich hatte während des Studiums schon einmal im Modul Qualitätsmanagement überlegt, ob ich zum diesem Thema eine Hausarbeit schreibe (habe es dann aber doch nicht gemacht). Es wäre in der Tat sehr schön, wenn es einen einheitlichen Übergabebogen gäbe, der von der Struktur/Aufbau und vom Inhalt immer gleich aufgebaut wäre. Das würde die Arbeit für alle Schnittstellen, also Heim, RD und KH, enorm erleichtern.

    Das war halt in Bezug auf Deine Aussage, dass das nicht Aufgabe des Rettungsfachpersonals ist (Gewaltanwendung). Ich fahre in der Regel ganz gut mit meiner Art und Weise (der führende, aber ehrlicher, kooperativer, freundlicher und plüschiger Teddybär), so dass es nur selten zu Gewalt kam (meist durch den Patienten oder durch andere Personen). In der Regel konnte ich alle Leute bisher runter reden. Aber trotzdem musste ich schon Zwangsmaßnahmen anwenden. Auch gegen den Willen des Patienten/Person. Aber nicht, weil ich das toll fand, sondern weil es mein Job war.

    Ganz ehrlich, das finde ich seit der rechtfertigenden Darstellung menschlich nachvollziehbar, wenn ich gegen meinen Willen körperlich angegangen werde.

    Außerdem geriet er nur in den Spuckbereich, weil er der Polizei bei der Überwältigung geholfen hat. Das ist schlicht nicht die Aufgabe des Rettungsdienstes, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, dass dies Bestandteil der Ausbildung wäre. Dass dann als Grund eines Ausrasters anzuführen, ist schon beinahe grotesk.

    Ich kann nicht für alle Bundesländer sprechen, jedoch musst Du auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Rettungsdienstpersonal als sog. Vollzugsbeamte der Kreisbehörde ausgebildet und bestellt worden sind und gemäß ihrer Bestellung Aufgaben aus den Sicherheits- und Ordnungsgesetzen (Polizeigesetzen) der Länder übernehmen MÜSSEN (zum Beispiel zur Unterbringung von psychisch erkrankten Personen). Auch ich habe so eine Bestellungsurkunde durch die Kreisbehörde, wo Dinge drin stehen wie "Anwendung von Zwangsmitteln", "Gewahrsamnahme", "Betreten und Durchsuchung von Wohnungen, Sachen und Personen", usw. Rettungsdienstpersonal muss dann ggf. auch mal "Hand anlegen", wenn es sein muss.

    Ein Arbeitgeber hat auch Verantwortung für seine Mitarbeiter. Wenn der Mitarbeiter bisher nicht aufgefallen war und jahrelang beschäftigt wurde, warum kann man diesen nicht erst einmal freistellen um das Ergebnis der Ermittlungen und des Strafverfahrens abzuwarten, um diesen dann zu kündigen, wenn er schuldig ist? Nun ist der Mitarbeiter rehabilitiert, sein Leben jedoch zerstört. Vielleicht ist der Arbeitgeber (und das System) auch an der (Stress) Reaktion mit schuld, da die Arbeitsbedingungen (Belastung, Ausnutzung, Überstunden, usw.) nicht (mehr) stimmen? Hat der Arbeitgeber das vielleicht einmal evaluiert? Nööö? Okay, hängt ihn höher…


    Nur damit das nicht falsch verstanden wird: Ich fand die Reaktion auch nicht in Ordnung. Allerdings habe ich mit dem Opfer, der auch Täter ist, wenig Mitleid, sofern dieser nicht psychisch krank ist. Wer sich wie ein Arschloch benimmt bekommt ggf. auch mal was aufˋs Maul…

    Aber der Einsatz der Bundeswehr im Inneren zeigt das Staatsversagen in der Pandemie auf.

    Ich muss auch sagen, dass ich das nicht verstehe. Das die Bundeswehr bei Katastrophen Amtshilfe leistet, ist in der Tat nicht ungewöhnlich (das Grundgesetz und das VwVfG gibt hier ja auch die rechtlichen Möglichkeiten vor). Auch kann wohl sonst niemand "Ambulanzflugzeuge" auf einem A300 oder A400M inklusive Personal bieten. Sicher gibt es ein Regierungsversagen, z.B. bei der Attraktivität der Pflegeberufe, usw. Jedoch ist das (Pflege-) Kind schon vor 25 Jahren in den Brunnen gefallen. Und wenn ich mich recht erinnere, waren in der Zeit CDU/CSU, SPD, die Grünen und die FDP alle schon einmal in der Regierungsverantwortung. Passiert ist nix ...

    Das könnte vielleicht auch daran liegen, dass an den entsprechenden Entscheidungspositionen (Kommune, Kreis/Stadtkreis, Land) ggf. fachkundige Personen fehlen. Die wissen ggf. gar nicht den Unterschied zwischen den Rettungsmitteln oder was ein COVID-ARDS zwingend braucht, um diesen durch den Transport nicht umzubringen. Man kann nur hoffen, dass entsprechende Fachberater (LNA) in den Stäben anwesend sind. Sachbearbeiter- und Sachgebietsleiterstellen für den KatS/RD sind landauf und landab i.d.R. nur an einer Verwaltungsausbildung gebunden. Fachkompetenz in Sachen RettD, KatS, usw., ist meistens nur nice to have. Es gibt nur einzelne Inseln, die gezielt nach Absolventen entsprechender Studiengänge suchen, wenn man mal von den Berufsfeuerwehren absieht. Eine entsprechende Ahnungslosigkeit habe ich leider schon oft erlebt, wenn der Entscheider gar nicht so genau wusste, warum etwas so ist wie es ist (wenn der A15 den E8 fragt, wie es geht...).