Beiträge von Johannes D.

    Wie hier im Thema schon ersichtlich, gibt es bei den NotSan auch keine harte, eingeschränkte Fortbildungspflicht. Dies mag in einem Rettungsdienstbereich zwar sein, ist dann aber bestenfalls ein eigener Qualitätsanspruch. Gesetzlich ist die Fortbildungsart völlig freigestellt. Wobei es auch dafür vielleicht wieder eine Ausnahme geben mag. Üblich ist aber nur eine Pflicht zur Fortbildung, und dass diese zwischen 30 und 40 Stunden jährlich liegt. Anerkennung bedarf es meist nur des Arbeitgebers und der hat viel zu oft ein großes Interesse daran, wirklich alles anzuerkennen.


    Zu Zeiten, als von NotSan noch nicht mal recht geträumt wurde und Niedersachsen gerade im Rettungsdienstgesetz den RettAss auf den rtw verpflichtend gemacht hatte, habe ich mir mal den Spaß gemacht, und die Sanitätshelferfortbildungsbescheinigungen der Dienstabende der Bereitschaft eingereicht (ich hatte genügend andere, private Fortbildungen gemacht, aber eben nicht eingereicht). Das wurde anstandslos anerkannt. Traurig, aber wahr.

    Eine echte Rezertifizierung ist es beim Notfallsanitäter nicht, wenn man sich in anderen Ländern anschaut, was man darunter versteht. Das wäre zumeist eine turnusmäßig Vollprüfung der Ausbildungsinhalte mit tatsächlichem Verlust der Qualifikation, bei Nichtbestehen. Das entspricht nicht einer kurzen Fortbildung und Kenntnisüberprüfung der freigegebenen Medikamente. Und hier ist auch diese relativ selbstständige Ausübung von ärztlichen Maßnahmen ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den anderen ärztlichen Assistenzberufen.


    Bei Ärzten gibt es ebenfalls eine umfangreiche Fortbildungspflicht. Zunächst ist die ärztliche Weiterbildung bis zum Facharzt streng geregelt inklusive eines sehr umfangreichen Katalogs, was zu absolvieren ist. Fachärzte müssen später in einem fünf-Jahreszeitraum 250 Fortbildungspunkte absolvieren. Diese Punkte werden einer Fortbildung nach Prüfung durch die Ärztekammer zugeordnet, sie kann also weniger beliebig sein, als im Rettungsdienst. Und natürlich wird es sanktioniert, wenn diese nicht erfüllt werden. Und das gilt letztlich auch für den Chefarzt.

    Es ist keine Meinung, sondern eine schlichte Tatsache, dass jeder Rettungsdienstbereich eigene SOPs durch den ärztlichen Leiter und die Rettungsdienstleitung erstellt hat. Diese sind häufig auf den oben genannten basierend, aber keinesfalls gleich. Ein Tag in einer Notaufnahme, und das ist glasklar. Oder zur Not einfach mal mit einer "ortsfremden" RTW Besatzung reden. Und nein, solche Dokumente sind in aller Regel nicht öffentlich. Oder frag mal einen Dozenten von einer Schule, wir wissen sowas auch, gerade wenn NFS Teilnehmer aus unterschiedlichen Bereichen ausbilden.


    Welche Institution sollte auch woher die Autorität haben, solche Regeln festlegen zu dürfen? Die juristische Verantwortung im Sinne der Amtshaftung liegt auf Ebene der einzelnen Behörde. Wer sie verantwortet, trifft sie auch. Das Ganze ist übrigens Wissen, was in der NFS Ausbildung vermittelt und geprüft wird. Vielleicht besteht ein wenig Nachschulungsbedarf im Bereich Berufskunde..?

    Ich dachte, es wäre inzwischen geklärt, dass es keine einheitlichen Algorithmen für den Rettungsdienst in ganz Schleswig-Holstein gibt, sondern dies die jeweiligen Rettungsdienstbereiche selbst regeln. Allerdings gibt es meist eine ähnliche Regelung. Einheitliche Regeln gibt es dennoch nur in der Ausbildung. Es ist nicht hilfreich diese immer wieder zu zitieren.

    Es passiert auch bei ziemlich vielen Rettungsdiensten, je privater, umso häufiger. Einer Behörde ist es am Ende eher wichtig, genehmigtes Geld auch ausgegeben zu haben, damit es nicht gestrichen wird. Bei Hiorgs war es oft eine Taktik um bei der nächsten Ausschreibung billiger kalkulieren zu können, und bei Privaten... nun damit die Firma mehr Geld hat. Natürlich nicht bei allen, es gibt auch positive Ausnahmen, aber selten kommt das jetzt nicht vor. Und der Fachkräftemangel ist meist die Ausrede, warum man Stellen nicht ausschreibt. Dass der Fachkräftemangel eigentlich nur die Folge schlechter Arbeitsbedingungen ist, und man abgewandertes Personal aus anderen Jobs auch zurückgewinnen könnte, sind Themen, die schon wieder weiter gehen.


    Ich habe übrigens nur geschrieben, dass du dich der ganzen Bullshit-Argumente eines bestimmten Klientel bedienst, ob du dem zugehörig bist, weiß ich nicht und unterstelle ich auch nicht. Wenn man sich mit seiner Meinung aber so allein fühlt, und den Gegenwind, den man gut aushält, unangenehm stark findet, ist es natürlich möglich, allen anderen eine vordiktierte Einheitsmeinung vorzuwerfen. Es ist aber auch möglich, drüber nachzudenken, warum das wohl so ist.

    irgendwie findet sich hier im Thread das gesamte Bullshitbingo der frustrierten Boomergeneration mit zu langjährigen Bildzeitungskonsum wieder. Das ist furchtbar. Aber manches sollte man nicht so stehen lassen.


    1. Die inzwischen gar nicht mehr so junge Generation will ja nur noch Teilzeit arbeiten. Ja, das ist ein Trend der zu beobachten ist. Aber warum denn? Weil im Gegensatz zu der abgehenden Rentnergeneration hier üblicherweise beide Partner arbeiten, um den Lebensunterhalt zu sichern. Die zu Hause bleibende Frau ist eine Mär längst vergangener Tage. Das ist auch gut, gerade im Sinne einer Gleichberechtigung, aber damit fallen mehr Verpflichtungen außerhalb der Arbeit an. Und wenn in der Familie einer 80% und einer 60% arbeitet, ist es insgesamt deutlich mehr erbrachte Arbeit als einmal 100%.


    2. Handwerker schaffen es doch auch, sich ein Haus zu kaufen. Das ist für die heutige Generation einfach Unsinn. Wer das abstreitet ist schlicht schlecht informiert. Darüber wird überall berichtet. Früher mag es möglich gewesen sein, heute ist es selbst mit einem Arztgehalz in Vollzeit kaum möglich, in planbarer Zeit eine Eigentumswohnung in der Stadt zu finanzieren. Von einem Haus in vertretbarer Entfernung zu möglichen Arbeitgebern kann man nicht mal träumen. Und da rede ich nicht einmal von Hamburg. Heutzutage zahlt man übrigens für 80 qm, 3 Zimmer auch schon 1100 Euro Miete und darf das günstig nennen. Damit legt man auch weniger zurück.


    3. Wenn der Teilzeittrend auch bei den Ärzten ankommt.. herzlich willkommen in der Neuzeit, das ist schon mehr als eine Dekade her, dass das passiert ist. Die Altherrengesellschaft ist auch bei der Ärzteschaft gefallen und die Arbeitsbedingungen lässt man sich nur so lange gefallen, wie man in der Fscharztweizerbildung ist und damit letztlich erpressbar. Selbst da reduzieren viele oder kündigen das opt-out auf. Um den Schock zu vergrößern: ich bin von den 12 Vordergrunddienst-Leistenden in meiner Abteilung (15 100% Planstellen), der letzte, der noch Vollzeit arbeitet. Übrigens bestehen auch wir darauf, dass man Überstunden bezahlt.


    4. Überstunden und regelmäßige Wochenarbeitszeit. Natürlich sind Überstunden zu leisten. Aber zum einen gibt es nur der maximalen Wochenarbeitszeit und der regelmäßigen, durchschnittlichen Wochenarbeitszeit vorgeschriebene Größen, die eingehalten werden müssen. Die stehen nicht immer im Tarif, sondern dann im Arbeitszeitgesetz. Wird sehr gern ignoriert, darf man dann auch einfordern. Zum anderen muss man sich anschauen, was eine Überstunde ist. Das ist unvorhersehbar aufgetretene Mehrarbeit. Es ist schon höchstrichterlich entschieden und hier im Forum zwischen 2010 und 2015, damals noch mit einem Forumsjurist namens Nils diskutiert, dass Einsätze zur Übergabezeit das beispielsweise nicht sind, da diese im Rettungsdienst letztlich vorhersehbar sind, und der Arbeitgeber zu Gegenmaßnahmen wie beispielsweise überlappende Dienstzeiten verpflichtet sind. Lediglich die Umsetzung findet man selten.


    5. Du kannst dir nicht vorstellen, dass Planstellen bewusst offen gelassen werden? Dann hast du entweder in einer Insel der Glückseligkeit gearbeitet und nicht nach links und rechts geschaut oder schlicht nicht sehr gut aufgepasst. Dies ist eine der ältesten Taktiken in Geld zu sparen und sie wird in der gesamten Medizin großflächig eingesetzt. Und damit meine ich jetzt nicht einmal die Angebote, die einfach schlecht sind, sondern tatsächlich nicht ausgeschriebene Stellen.


    6. Meinungen, wie du sie hier vertreten werden, schaden dem Berufsstand. Nicht nur, dass sie im wesentlichen sachlich falsch auf verklärter Erinnerung beruhen, denn ja, selbst in meiner 14 jährigen und dann beendeten Rettungsdienstkarriere ist die Arbeitsbelastung spürbar gestiegen, es war früher einfach weniger belastend, die verhindern letztlich die Verbesserung der Bedingungen. Die jetzigen Bedingungen führen aber zur Abwanderung und damit zum Mangel an Personal. Denn gerade im Rettungsdienst und in der Pflege ist die Hauptursache des Personalmangels die Abwanderung. Und daran arbeiten solche Meinungen aktiv mit.


    Viele Grüße,

    Generation Y

    Nur eine kurze Frage, ob ich es insgesamt richtig verstanden habe: Notfallsanitäter sollen und müssen immer mehr ärztliche Aufgaben übernehmen, auch mit höherer Komplexität und Risiken, weil wir nicht genug Notärzte rechtzeitig zum Patienten schaffen können. Wiederrum soll es Heerscharen von gelangweilten Telenotärzten geben, die für RS mit ungutem Bauchgefühl EKGs befunden und die Entscheidung treffen, ob Patienten transportiert werden sollen?


    Ich sehe da ein gewisses Logikproblem. Wenn man sich nicht sicher ist, ob es dem Patienten gut geht, und man sich absichern möchte, dann gibt es einen Arzt in der Notaufnahme.

    Ich stimme dir zu.

    Ich würde mir nur wünschen, dass unsere Risikobereitschaft wenigstens so weit steigt, dass wir mehr KTWs nutzen, statt mehr RTW. MZF endlich abschaffen. NotSan-Solo-Responder einführen, die dann zwischen RTW und KTW oder KÄND entscheiden können, und RTH die vor allem als ITH eingesetzt werden.


    Und um Gottes Willen ENDLICH den Ambulanten Bereich besser ausbauen!

    Ich stimme dir fast vollständig zu. Allerdings sollte die Entscheidung "RTW, KTW oder nichts für den Rettungsdienst" sein. Wenn man den ärztlichen Bereitschaftsdienst zwangseinbinden will, wird man zwangsweise Probleme bekommen. Denn im Gegensatz zum Rettungsdienst wird dort die Möglichkeit, auf die Hausarztpraxis am nächsten Werktag zu verweisen, tatsächlich genutzt. Und die Entscheidung wird man kaum freiwillig an einen Community Medic abtreten, da man selbst dafür haftet. Der Weg sollte hier das Finden einer SOP sein, die ein rechtssicheres Ablehnen ermöglicht.

    Naja, es ist auch sonst nicht selten, dass Notfallsanitäter Nebenaufgaben oder Nebenjobs haben oder dies aus anderen Gründen nicht in Vollzeit machen. Viele entscheiden sich sogar, nebenher ein Gewerbe zu haben oder auszubilden. Ebenfalls anspruchsvolle Tätigkeiten. Und solche Nebentätigkeiten gelingen sogar Ärzten, warum sollten ausgerechnet Feuerwehrbeamte dazu nun ungeeignet sein?


    Gerade in Hamburg bekommt der mittlere Dienst, der in den aller meisten Fällen min. 50% seiner Arbeitszeit in der Notfallrettung zubringt, mehr Erfahrung als viele Vollzeitretter. Von der Einsatzfrequenz mal ganz zu schweigen.

    Natürlich sollte man zu einem Notfall so schnell wie sicher möglich erscheinen, insbesondere wenn dieser als Alarmfahrt disponiert wurde. Aber eben nur so schnell wie es sicher möglich ist, hierbei wird allzu leicht vergessen, dass wir einen LKW fahren. Und der reale Unterschied in der Eintreffzeit beim hirnlosen Rasen und bei angepasster, zügiger Geschwindigkeit ist minimal. Der Unterschied für die Sicherheit ist erheblich. Einen großen Unterschied macht letztlich die Abfahrtzeit, hier kann oft viel eingespart werden. Eigentlich sollte man schon in den ersten Tagen den Neuen beibringen, dass eine Einsatzfahrt kein Rennen ist, und es nicht gerechtfertigt ist, dutzende Unbeteiligte für ein paar Sekunden zu gefährden.


    Dazu gab es hier im Forum auch ein Thema, was sich das Outcome von Einsatzfahrten mal angeschaut hat. Ist aber etwas schwerer zu lesen als Artikel aus Bild, Mopo und co.

    In Hamburg wird in der Tat bis zum A9 durchbefördert, jede Wachabteilung hat auch mehrere A9Z Stellen. Es ist aufgrund eines hohen Stellenschlüssels im gehobenen Dienst auch eine gute Aufstiegschance gegeben. Und ja, jeder Beamte soll den Rettungsassustenten / NotSan machen. Es gibt vereinzelt mal noch RS aus Zeiten der RS-RA Überleitung, die diese nicht beantragt haben. Und natürlich werden Brandmeister auch vor dem NFS Lehrgang, also als RS schon eingesetzt. Der gehobene Dienst macht ebenfalls einen RS, das ist auch nicht in jeder Stadt üblich. Ein HLF hat sicher drei RTW Besatzungen an Bord, die auch Routinemäßig eingesetzt werden. Und entgegen dem Beitrag erhebliches med. Material (RTW Rucksack, Monitor, Beatmungsgerät, Absaugung).


    Die Doppelfunktions-RTW (Rufname RTW Kaufmann, RTW Ludwig) werden in aller Regel aber durch die Außerdienstnahme des Gerätewagens und des Umsteigens des ELW1 (in Hamburg KLF) auf das HLF besetzt. Das HLF selbst und die DLK werden nicht routinemäßig angefasst. HH arbeitet mit Kurzzügen aus elw, Staffel-HLF, DLK und GW.

    Was hier ein wenig vernachlässigt wird, ist die Tatsache, dass die FF ja nicht primär zur Versorgung der Patienten alarmiert wurde, sondern zur Sicherstellung des Brandschutzes für die LHF. Die LHF sind hingegen mit erfahrenem Personal des Regelrettungsdienstes besetzt und in vielen Städten, es ist mit explizit unklar, ob das in Berlin auch so ist, können aus einem geopferten Löschfahrzeug auch Löschzug-RTW gewonnen werden.

    Im Grundsatz stimme ich dir zu, dass geschilderte Verhalten ist unprofessionell.


    Ich möchte allerdings mal zu bedenken geben, dass ein Zeitungsbericht wie dieser von der Dramatik lebt, denn sonst wäre das gar keine Meldung wert. Oft werden dabei nicht alle Parteien ausreichend gehört, und gerade bei Beschwerden ohne Schädigung wird ja nunmal auch gelegentlich übertrieben. Wir sollten nicht zu vorschnell einen Kollegen von Küchentisch aus verurteilen, wenn wir gar nicht dabei waren.


    Ich muss allerdings gestehen, dass ich nur aufgrund der Zusammenfassung mitreden kann.

    Die 66 Euro für den Gesellen werden in Rechnung gestellt. Das bedeutet nicht, dass der Geselle auch die 66 Euro bekommt. Es dürfte sogar ziemlich sicher sein, dass das nicht der Fall ist. Das Krankenhaus stellt ja auch nicht die 25 bis 40 Euro brutto in Rechnung, sondern, wenn das Krankenhaus ein reiner Wirtschaftsbetrieb wäre, vermutlich eher 80, 90 oder 100 Euro. Vielleicht sogar mehr.


    Hier wird der Fehler gemacht, dass die berechnete Brutto-Stunde gleich dem Lohn des Angestellten wäre.

    Nein, berechnet wurden wie von mir geschrieben 200, die 66 ergeben sich aus den von Maverik postulierten 1/3 Satz.